Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Abschiedefrist verstrichen Schwerkranker Mohammed darf in Deutschland bleiben

Der zweijährige Mohammed leidet am Crouzon-Syndrom. Das kann in Gaza nicht behandelt werden, sagen seine Eltern.

Der zweijährige Mohammed leidet am Crouzon-Syndrom. Das kann in Gaza nicht behandelt werden, sagen seine Eltern.

privat

Krummhörn - Aufatmen im Haus Abdallah: Die Frist zur Abschiebung ist verstrichen. Fatma, Ibrahim und der zweijährige Mohammed Abdallah aus Rysum im Landkreis Aurich werden nach geltendem Recht in Deutschland bleiben können. Der Grund: Die sechsmonatige Frist für eine Rückführung nach Spanien ist abgelaufen. In Spanien betraten die Flüchtlinge aus Gaza erstmals den Boden der Europäischen Union, nach europäischer Dublin-Regelung hätte sich nun Südwesteuropa um die Versorgung kümmern müssen. Diese Regel greift aber nur, wenn innerhalb von sechs Monaten die deutschen Behörden eine erfolgreiche Abschiebung durchgeführt hätten. Haben sie aber nicht. Mit Unterstützung von Anwalt und Krummhörner Asylkreis hatte sich die Familie gegen die drohende Abschiebung gewehrt.

Familie Abdallah ist mit Sohn Mohammed aus Palästina geflohen, damit hier das Crouzon-Syndrom behandelt werden kann. Doch seit fast zwei Jahren ist nichts geschehen – und die Verzweiflung wächst. Auch, weil weiter die Abschiebung droht und der Kontakt zur Familie und ihren zurückgelassenen Kindern abgebrochen ist.

ABSCHIEBUNG AUS DER KRUMMHÖRN Schicksal des schwerkranken Mohammed weiter ungewiss – dabei drängt die Zeit

Aike Sebastian Ruhr
KrummhÖrn

Umzug bereits beantragt

Für die Familie heißt das nun, dass sie sich nicht nur weiter in der Bundesrepublik aufhalten dürfen, sondern – und für alle drei wohl deutlich wichtiger – dass nun auch die ersehnte Behandlung des Zweijährigen in greifbarer Nähe gerückt ist. Einen entsprechenden Antrag zum Umzug nach Würzburg habe die Familie bereits beim Landkreis Aurich gestellt, teilte ein Sprecher des Kreishauses gegenüber dieser Redaktion mit. In Würzburg, so die Hoffnung der Familie, gibt es Experten, die das sogenannte Crouzon-Syndrom behandeln können, unter dem Mohammed leidet. Das Crouzon-Syndrom ist eine genetische Erkrankung, bei der sich Schädeldecke und Gesichtszüge verknöchern. Durch die Verformung des Schädels kann es zu Gehirnschäden kommen. Im konkreten Fall hat der zweijährige Mohammed bereits die Hörfähigkeit verloren. Aktuell droht Blindheit, es kam bereits zu epileptischen Anfällen.

Leidet am sogenannten Crouzon-Syndrom, einer genetischen Erkrankung: der zweijährige Mohammed Abdallah.

ZWEIJÄHRIGEM AUS DER KRUMMHÖRN DROHT ABSCHIEBUNG Kranker Mohammed möchte in Deutschland bleiben

Peter Saathoff
Krummhörn

Flucht aus Gaza 2022

Die Familie hatte 2022 noch vor dem aktuellen Israel-Gaza-Krieg den Palästinenserstreifen verlassen, weil dort die medizinische Behandlung nicht möglich sei. Außerdem sei der Junge dort ausgegrenzt und manches Mal sogar mit Steinen beworfen worden. Ursprünglich, so der Plan der Eltern, wollten sie den Jungen behandeln lassen und dann so schnell wie möglich zurück nach Gaza kehren, wo sie ihre beiden älteren Söhne im damaligen Alter von neun und zehn zurückließen. Seit dem Beginn des aktuellen Kriegs am 9. November 2023 sei der Kontakt zu den beiden Söhnen allerdings abgebrochen. An eine Rückkehr nach Gaza ist zurzeit nicht zu denken.

Kommentar
Eine Abschiebung, ähnlich wie auf diesem Symbolbild, droht Familie Abdallah aus Rysum.

ABSCHIEBUNG DROHT Wie viel Leid soll die Familie noch ertragen?

Aike Sebastian Ruhr

Und noch ein Wermutstropfen haftet an dem aktuellen Verbleib von Mohammed in Deutschland, ein dreistelliger. Weil Vater Ibrahim im Januar zufällig eine geplante Abschiebung verpasst hatte, muss der Landkreis Aurich nun ein Bußgeld feststellen, teilte der Behördensprecher mit. Bis zu 150 Euro werden fällig, so das Kreishaus. Für die Familie aber wohl eine verschmerzbare Investition in die Genesung ihres zweijährigen Sohnes.

Peter Saathoff
Peter Saathoff Emder Zeitung
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Hatten im Hinspiel keinen leichten Stand: die Oldenburg DeWayne Russell (links) und Ebuka Izundu gegen den Tübinger Kriss Helmanis. Die Baskets unterlagen mit 84:93.

OLDENBURG EMPFÄNGT TIGERS TÜBINGEN Gegner der Baskets darf auf keinen Fall verlieren – Weitere Ausfälle möglich

Niklas Benter Mathias Freese
Oldenburg
Wills Woche
Is’ was?

ISLAM IN DEUTSCHLAND Keine Religion steht über der Kritik

Alexander Will
Jüdische Studierende an der Uni Oldenburg blicken mit Sorge auf die Vorfälle der vergangenen Wochen. Unsere Redaktion hat mit zwei Studentinnen darüber gesprochen, wie sie ihren Alltag erleben. (Symbolbild)

ANTISEMITISCHE VORFÄLLE IN OLDENBURG Zwischen Paranoia und Mut – So erleben jüdische Studierende die Stimmung auf dem Campus

Josepha Zastrow
Oldenburg
Berliner Notizen
Keine Parade für Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)

KURIOSES UND UNGEWÖHNLICHES IM POLITIKBETRIEB Eine Trompete, ein Jogger und (k)eine Militärparade

Hagen Strauß Büro Berlin
Hat sich auf Vermehrung von Rhododendren und Azaleen spezialisiert: Timo Schröder aus Wiefelstede.

VERMEHRUNGSBETRIEB IN WIEFELSTEDE Kinderstube für Rhododendren und Azaleen

Kerstin Schumann
Wiefelstede