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Jugendprojekt der Emder Minibahner Altes Diesellok-Modell nur noch eine Stahlhülle

Auf dem Sommerfest der Minibahn präsentiert: die Hülle des 1995 gebauten V200-Modells.

Auf dem Sommerfest der Minibahn präsentiert: die Hülle des 1995 gebauten V200-Modells.

Axel Milkert

Emden - Alles muss raus! So lautete das Motto für die Jugendgruppe der Emder Modelldampffreunde, als sie „ihre“ alte Diesellokomotive vom Typ V200 näher unter die Lupe genommen hatte. Aktueller Stand der Dinge: Die Lok ist komplett entkernt worden. Auf dem Sommerfest der Minibahner vor anderthalb Wochen wurde die leere Stahlhülle präsentiert – mit ausführlichen schriftlichen Erläuterungen.

Einiges auf dem Zettel

Der Verein hat die Restaurierung der rot-grauen V200 (ab 1968 Baureihe „220“) zu einem Lernprojekt für die jungen aktiven Mitglieder erklärt. Das ist an der Stahlhülle gut abzulesen: Dort mussten und müssen noch verschiedene Löcher zugeschweißt und die Hülle blank geschliffen werden. Im Mai 2022 hatten die Hobbyeisenbahner ihr Vorhaben der Öffentlichkeit vorgestellt und auch begonnen, Spenden dafür einzusammeln. Die Aktion sei erfolgreich verlaufen, sagte Jannik Bloem. Die Finanzierung dieses Projekts ist aus der Sicht des 25-Jährigen folglich kein Problem, auch dank einer größeren Einzelspende. Nun geht es an die praktische Umsetzung. Und da steht einiges auf dem Zettel.

Diesellok V200

Diese Diesellokomotive wurde ab 1953 von Krauss-Maffei gebaut, die 2200 PS starke V200.0 bis zum Jahr 1959 (80 Stück), die stärkere Variante V200.1 (2700 PS) ab 1962 bis 1965 (50 Stück).

Vor allem Schnellzüge (Höchstgeschwindigkeit 140 km/h) zog die V200, aber auch einige der letzten Erzzüge in Emden. Zuletzt eingesetzt wurde die Baureihe V200.1 im Ruhrgebiet für schwere Güterzüge.

Dieselloks wie die V200 wichen der zunehmenden Elektrifizierung, der Bahnstrecken.

Die Ausmusterung fiel in die Jahre 1984 beziehungsweise 1987/88.

Über einen bemerkenswerten Lokbestand verfügt der Verein Historische Eisenbahnfahrzeuge Lübeck e.V. mit seinem Heimatbahnbetriebswerk in Neumünster. Im Lokschuppen der 50 Mitglieder starken Gruppe von Eisenbahnfreunden steht auch eine restaurierte V200.

Die ganze veraltete Elektronik ist ausgebaut worden, ebenso die Beleuchtung, die nicht mehr funktioniert habe, die zwei Elektromotoren und die alten 12-Volt-Autobatterien. Demontiert ist auch das Fahrgestell (total verzogen, wird neu gebaut), die Drehgestelle sind unbrauchbar. Bloem: „Die Spurkränze, die die Lok in der Spur halten, waren teilweise gebrochen.“

Fast 30 Jahre alt

Der ganze Verein unterstütze die Gruppe, die sich um die Lokomotive kümmert, versicherte Jannik Bloem. Das hat das – normalerweise rot-grau lackierte – Schienenvehikel allerdings auch verdient. Es ist nämlich die erste selbst gebaute Lokomotive des Vereins und mittlerweile fast 30 Jahre alt. Ab Mitte der 1990er Jahre, also kurz nach ihrer Fertigstellung, war sie zunächst ins Ökowerk übergesiedelt, weil man am Standort Bahnhofsbunker vorübergehend keine Perspektive mehr sah. Ernst Richter, Modelldampffreund der ersten Stunde und Vorstandsmitglied der Freunde der Seefahrt, holte die V200 unlängst zurück. Seitdem arbeiten junge Vereinsmitglieder daran.

Wann der Verein Vollzug vermelden kann, ist noch nicht klar. Man wolle keinen zeitlichen Druck aufbauen, betonte Bloem, der im richtigen Leben gelernter Tischler ist und aktuell Soziale Arbeit studiert. Es wird auf jeden Fall noch eine Weile dauern. Die Jugendlichen gingen schließlich noch zur Schule, und eine solche Restaurierung sei eben sehr zeitintensiv. Das müsse dann auch alles passen. „Außerdem kann man es lieber von Beginn an vernünftig machen,“ sagte Bloem, der beim Projekt die Aufsicht hat und hilft, wenn etwas nicht klappt. Vor einem Jahr war eine Fertigstellung bis zum 30-jährigen Vereinsbestehen 2025 anvisiert worden.

Gegen den Fachkräftemangel

Die jungen Modelldampffreunde sind übrigens alles andere als eine geschlossene Gesellschaft. Auf dem Sommerfest wurde darauf mit Nachdruck hingewiesen. Wer mitbauen will, ist willkommen. Und das hat dann indirekt auch mit dem gegenwärtigen Fachkräftemangel zu tun. Auf einer Schrifttafel war zu lesen: „Mit diesem Projekt möchten wir, die Jugend, andere Jugendliche dazu animieren, sich mit dem Handwerk Metallbau und Elektrotechnik/Elektronik zu beschäftigen. Und natürlich das Hobby Modellbau und Eisenbahn vorstellen.“

Wer im Verein mitmachen will, kann immer mittwochs zum wöchentlichen Treffen (16 bis 19 Uhr) oder zum Fahrtag kommen, immer sonntags von 10 bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter www.minibahn-emden.de.

Axel Milkert
Axel Milkert Emder Zeitung (Leitung)
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