Emden - Es klingt, als würde das Programm der Emder Nordseehalle in den kommenden Jahren komplett umgekrempelt. Der von der Stadtspitze vorgestellte grob skizzierte Plan eines neuen „Zentrums für Sport-, Kultur- und Freizeitveranstaltungen“ setzt klare Schwerpunkte, was die inhaltliche Ausrichtung betrifft: Der Schulsport soll in der Halle mehr Möglichkeiten bekommen, ebenso der Breitensport, wobei man dort vor allem Trendsportarten wie Bouldern (Klettern ohne Kletterseil an Felswänden) und Trampolinspringen im Blick hat.
Viel Raum für Sport
Am bestehenden Veranstaltungssystem werde nichts geändert, hatte Stadtbaurätin Irina Krantz in einem Pressegespräch betont. Aber werden in dem über 50 Jahre alten Gebäude in Zukunft noch Konzerte mit Rock- und Pop-Bands stattfinden? Wäre das mit dem angepeilten Fördertopf vereinbar? Die Stadt schließt solche Acts nicht aus. Schließlich sei die Halle „auch nach einer Umstrukturierung technisch so ausgestattet, dass (Konzert-)Veranstaltungen mit bis zu 5000 Personen“ wie bisher stattfinden könnten.
„Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ heißt das Bundesprogramm, das insgesamt 400 Millionen bereitstellt – Geld, das dem Klima- und Transformationsfonds entnommen wird. Die Stoßrichtung ist eindeutig: Es geht hierbei besonders um energetische Sanierungen. Die zweite große Förderkomponente: Das Programm nimmt Projekte in den Fokus, die „von besonderer Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die soziale Integration in der Kommune“ sind. Deshalb ist das Grobkonzept aus Emden sehr komplex. Es reicht von Verbesserungen für den Schul- und Breitensport über Möglichkeiten für sportliche Großveranstaltungen mit bis zu 3500 Zuschauern bis hin zu baulichen Erweiterungen für Seminarangebote (unter anderem Trainer- und Schiedsrichterschulungen) und zusätzliche Proberäume für Schulen (zum Beispiel für darstellendes Spiel), Möglichkeiten als Vereinstreffpunkt und als Ort für Messen und Kongresse. Der Mangel an Bewegung gerade auch bei jungen Menschen sei ein großes Thema, sagte Krantz. Auch in diesem Punkt könnten in der Nordseehalle neue Akzente gesetzt werden. Gerade unter der Woche soll dem Sport „viel Raum“ gegeben werden.
Decke im Blick
Käme es jetzt zu der großen Sanierung, wäre es die zweite innerhalb von nicht einmal 20 Jahren. Von 2003 bis 2007 waren schrittweise mehrere Millionen in den Hallenbau investiert worden. Neue Seminarräume wurden schaffen, der Brandschutz ertüchtigt – und die Leimholzbinder an der Hallendecke (zum zweiten Mal nach 1982) überarbeitet, was übrigens auch jetzt wieder auf der Agenda steht. Die Decke erhielt vor 16 Jahren zudem eine neue Verschalung. Wie andere Kommunen, hatte auch Emden das Dach 2006 ins Visier genommen, nachdem beim Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall 15 Menschen ums Leben gekommen waren.
Politik entscheidet
Für die Stadt Emden wäre eine Millioneninvestition – gerade in der aktuell sehr angespannten wirtschaftlichen Lage – „ein großer Schluck aus der Pulle“, räumte Stadtbaurätin Irina Krantz ein. Die Alternative wäre allerdings, das Gebäude irgendwann „vom Netz zu nehmen“. Eine Modernisierung im großen Stil würde den Standort „zukunftsfähig machen“.
Ab 2025 könnte mit den Baumaßnahmen begonnen werden, bis 2028 müsste aufgrund der Förderrichtlinien alles erledigt sein. Es hängt am Verwaltungsausschuss (nicht öffentlich) und letztlich am Rat der Stadt (tagt öffentlich), ob die Verwaltung beauftragt wird, ihren Hut in Form eines Förderantrags in den Ring zu werfen. Die Politik muss entscheiden, ob Emden nach jetzigem Stand 7,5 Millionen Euro, verteilt auf drei bis vier Jahre, aufbringen soll und kann. Die Gremien tagen am 4. und 5. Oktober.
