Emden - Da wollte der Arbeitskreis für historischen Schiffbau in Ostfriesland lieber mal schnell handeln: Weil im Heckbereich seiner Tjalk auf einmal Wasser durchsippte, hat der Verein den Nachbau eines historischen niederländischen Frachtseglers am Mittwoch von der Teufelsinsel zur ehemaligen Staatswerft verholt. Dort brauchte es aber zum Glück keine aufwendige „Operation“. Wie Bootsbauerin Inka Petersen vom Verein mitteilte, musste die Tjalk nur ein wenig aus dem Wasser gehoben werden, um die Schadstelle vom Floß aus lokalisieren und beheben zu können.
„Es war ein kleines Leck am Ende einer Planke“, erläuterte Petersen auf Nachfrage. Die Stelle habe sich aber direkt an der Sponung befunden. Keine ganz unkritische Stelle, denn die Sponung ist eine Art Falz, wo die Planken möglichst so eingelegt und befestigt sind, dass zwischen Steven und Kiel keine Fuge entsteht. Aber das hat beim Bau des Schiffes vor rund 25 Jahren möglicherweise nicht ganz geklappt.
Kleiner Hohlraum
„Wir vermuten, dass schon seit der Konstruktion der Tjalk dort ein kleiner Hohlraum zwischen Planke und Steven existierte, wo sich über die Jahre Feuchtigkeit gesammelt hat und das Holz angegriffen wurde“, sagte Petersen. Dass dort was nicht in Ordnung war, sei von innen aber erst erkennbar gewesen, als das Wasser tröpfelte.
Wieder dicht: das Leck am Heck. Zum Schluss kam noch ein Bleipflaster drauf. Bild: privat
Die Reparatur selbst war dann keine ganz so große Sache mehr und konnte von Inka Petersen im Duo mit ihrem neuen Kollegen Leif Lemke eigenhändig auf der Slip-Anlage des Hafenbetreibers Niedersachsen Ports (NPorts) bewerkstelligt werden. „Innen wurde der Hohlraum mit Pech vergossen, außen frisch kalfatert, gepecht und dann mit einem Bleipflaster versehen“, erläuterte die Frau vom Fach. Am Donnerstagnachmittag war das Heck wieder dicht und die Tjalk schon wieder am Vereinsgelände auf der Teufelsinsel vertäut. Ein großes Dankeschön für die Unterstützung richtete Petersen an NPorts und das technische Serviceteam vor Ort. „Vor allen dafür, dass alles so schnell gehen konnte.“
Die Tjalk soll nun für weitere routinemäßige Wartungsarbeiten zunächst auf der Teufelsinsel bleiben. Unter anderem sollen Pumpen und Schläuche inspiziert und ersetzt werden. Spätestens im November aber soll die Tjalk zurück im Ratsdelft sein, signalisierte Petersen. „Und wir werden auch dieses Jahr wieder als Glühwein-Lounge am Engelkemarkt teilnehmen.“
