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Ostfriesische Band MMTH stand fast vor dem Aus Mit neuem Album zurück aus der Corona-Versenkung

Ostfriesische Band mit Homebase Emden: MMTH („Mammoth“), bestehend aus Jan R. Haneborger, Neuzugang Patrick Büch, Hanno Janßen und Bernd Frikke, vor dem Übungsbunker in der Fletumer Straße.

Ostfriesische Band mit Homebase Emden: MMTH („Mammoth“), bestehend aus Jan R. Haneborger, Neuzugang Patrick Büch, Hanno Janßen und Bernd Frikke, vor dem Übungsbunker in der Fletumer Straße.

privat

Emden - Unendliche Höhen. Das klingt ein bisschen nach Star Trek. Doch nicht das Raumschiff Enterprise startet unter diesem Titel neu durch. Mit der bevorstehenden Album-Veröffentlichung „Infinite Heights“ meldet sich die ostfriesische Instrumentalband MMTH („Mammoth“) aus der Corona-Versenkung zurück. Das Release-Konzert steigt am 17. November in der Wohnzimmer-Kneipe Grusy. Dabei stand die 2017 gegründete Post-Rock-Band, die es bis zur Pandemie auf über 50 Konzerte zwischen Den Haag und Berlin gebracht hatte, schon fast vor der Auflösung. Dass der Countdown zum Neustart jetzt läuft, daran haben auch zwei Emder ihren Anteil.

Hat sich auch dank diverser Grusy-Autritte eine stabile Fanbase erspielt: die Emder Punkrock-Band Sascha und die Heringe.

KAUM KONZERT-KNEIPEN FÜR ROCK-NEWCOMER IN EMDEN Wo Bands noch richtig Stoff geben können

Gaby Wolf
Emden

Stecker gezogen

„Uns ging es im Lockdown nicht anders als vielen Kulturschaffenden in dieser Zeit“, schilderte Mitbegründer, Bassist und Band-Sprecher Bernd Frikke den langen Weg zum Neustart. „Wir hatten nach der ersten gemeinsamen Tour 2019 und einer kleinen Auszeit eigentlich wieder ins Studio gehen wollen, um unsere neuen Songs zu einem zweiten Album zusammenzustellen – doch dann hat uns Corona den Stecker gezogen.“

Erste Versuche danach wieder in Gang zu kommen, scheiterten. „Wir fanden für einen gewissen Zeitraum einfach keinen gemeinsamen Nenner mehr, wir sind ja eine Hobbyband und wenn man in Beruf und Familie gefordert und über Ostfriesland verstreut ist, wird die Musik auch mal zweitrangig“, beschreibt es Frikke. Gitarrist Carlo Persh stieg schließlich komplett aus. „Da habe ich gedacht: Das war’s!“ Das zuvor noch auf Festplatte eingespielte Album landete in der berüchtigten Schublade.

Aber ganz von der Band-Musik lassen? Oder nur noch im Kleinen tüfteln wie Frikke und Jan Reno Haneborger bei ihrem corona-konformen Neben-Projekt „Heimlich Manøver“? Nein, sagt Frikke. „Nach längerem Überlegen war klar: Wir wollen uns wieder die Gitarren umhängen und laut sein – auch mit mehr Leuten.“ Zuerst konnte Band-Schlagzeuger Hanno Janßen aus Aurich überzeugt werden. Doch erst mit dem Gitarristen und Buten-Emder Patrick Büch, dem Frikke zufällig bei einem Konzert in Bremen begegnete, war das Quartett wieder komplett.

Zu den Musikern

Patrick Büch (Gitarre) ist 33 Jahre alt, neuestes Mitglied von MMTH (steht für „Mammoth“/Mammut) und ein original Emder Jung’. Sein Abitur legte er am Johannes-Althusius-Gymnasium ab. Heute lebt er in Bremen.

Bernd Frikke (Bass) ist 41, geboren in Leer, aufgewachsen im Rheiderland. Er wohnt und arbeitet in Emden.

Jan R. Haneborger (Gitarre) ist 45, aufgewachsen in Timmel, zur Schule gegangen in Aurich und heute heimisch in Engerhafe (Südbrookmerland).

Hanno Janßen (Drums) ist 30, aufgewachsen und wohnhaft in Aurich.

Bandgründer sind Haneborger und Frikke. 2002 spielten sie erstmals gemeinsam in der Band „Any Day Now“. Nach deren Auflösung war Frikke von 2007 bis 2013 Bassist bei Enno Bunger. Haneborger verfolgte eigene Projekte, bis er 2016 mit einer neuen Idee bei Frikke anrief. Daraus formierte sich schließlich die vierköpfige Post-Rock-Band MMTH.

Der Sound der Band ist trockener als klassischer Post-Rock. Der Groove hat mehr Gewicht. Gitarrenriffs stehen auch mal für sich. Atmosphäre wird durch den Kontrast mit träumerischen Melodien geschaffen. Die Bandmitglieder selbst bezeichnen das Ganze als Instrumental Rock.

„Wir kannten uns von früher, von Konzerten unserer Bands in der Alten Post“, erzählte der Bassist. „Da habe ich dann einfach mal vorgefühlt.“ Bei den ersten Proben im Emder Musikbunker an der Fletumer Straße habe es gleich gefunkt. „Wir merkten: Wir sind wieder Feuer und Flamme.“ Also wurde das fast fertige Album aus der Schublade geholt, ergänzt, überarbeitet und in Eigenregie im Dickfehler Studio von Drummer Janßen gemixt. Die Endbearbeitung übernahm der Groothuser Filmkomponist Eike Ebbel Groenewold in seinen Klangfeld Studios.

Singles auf YouTube

Während man aber auf das Album nun noch ein wenig gespannt sein darf, sind die ersten beiden Singles bereits in der Welt. Single Nummer 1 („Relais“) kursiert seit Mitte September auf „YouTube“. Nummer 2 („Muscle Memory“) ist seit diesem Donnerstag abrufbar. Und da kommt der zweite Emder ins Spiel – mit buchstäblicher Wucht. Als Darsteller im dazugehörigen Musikvideo legt sich nämlich kein Geringerer als der Emder Weltrekord-Gewichtheber Irakli Chanturia ins Zeug. „Ich hatte diese Blitzidee, dass man mit seiner stattlichen Erscheinung den Song bildlich untermalen könnte, aber keine Ahnung, ob er so etwas mitmachen würde“, gestand Frikke. Doch als das aus Georgien stammende Kraftpaket verstanden hatte, worum es geht, habe er sofort begeistert mitgemacht.

Das neue MMTH-Album „Infinite Heights“ erscheint am Freitag, 17. November, in Zusammenarbeit mit dem Label Poly Unique auf Vinyl, CD, digital und allen Streamingdiensten. Es enthält sechs Titel, Gesamtspiellänge: 31 Minuten. Das Release-Konzert dazu findet ab 21 Uhr im Grusy (Neutorstraße 70) statt. Weitere Konzerte im nord- und westdeutschen Raum stehen auf dem Plan.

Gaby Wolf
Gaby Wolf Emder Zeitung
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