Emden - Zurzeit bin ich auf einer Insel im Mittelmeer und lese online, was in der Heimat so los ist. Die Nachricht über den Messermann, der am Sonntag in der Emder Innenstadt von der Polizei mit Warnschüssen verfolgt und schließlich gestellt wurde, erreichte mich bereits wenig später, nachdem es passiert war. Ich erhielt eines der viral kursierenden Handy-Videos von dem Vorfall.

Auch das allgemeine Entsetzen darüber, dass der Mann vorübergehend auf freien Fuß gesetzt wurde, blieb mir natürlich nicht verborgen. Whatsapp braucht für die 2000 Kilometer von Emden nach Ibiza etwa eine Sekunde.

Ibiza gehört neben Formentera und einigen unbewohnten Felseninseln zu den Pityusen. Dieser Archipel ist wiederum Teil der Balearen, einer autonomen spanischen Region. Mallorca ist die größte Balearen-Insel. Ihre kleine Schwester ist Menorca.

Ich las soeben ein Buch des niederländischen Schriftstellers Cees Noteboom, der auf Menorca lebt. „533 Tage“ lautet der Titel. Es sind zauberhafte Geschichten von dieser Insel, meisterhaft erzählt. Das Buch macht Lust, dort mal hinzureisen. Wenn man sich gefühlsmäßig darauf einlässt, verstärkt dieser brillante Lesestoff auch hier auf Ibiza die mediterrane Aura.

Doch das Idyll hat wie überall seine Beschränkungen. Am letzten Wochenende traktierten heftige Stürme die Insel. Als wieder Ruhe einkehrte, fuhr ich mit dem Boot vom Hafen der Inselhauptstadt Eivissa nach Talamanca. Dort gibt es in der Bucht eine hübsche Strandpromenade mit netten Restaurants, wo man sitzen und aufs Meer schauen kann.

Doch es herrschte Chaos. Der Sturm hatte alles verwüstet, sogar Tische und Stühle in den Restaurants wurden weggespült. Berge von Seegras türmten sich auf den Terrassen, der hölzerne Steg, der dort entlang führt, ist teilweise eingebrochen. Ein gekentertes Boot lag vor dem Strand auf Grund.

Die Polizei hatte alles abgesperrt, einige Restaurantbesitzer starrten ratlos auf den Unrat, andere machten sich an die Arbeit, um aufzuräumen. Das wird dauern.

Ich bin dann zum Kaffeetrinken hinüber zur Marina gelaufen, wo man einen herrlichen Blick auf die Altstadt mit der oben thronenden Burg hat. Wenn man nach links schaut, ist dort die Hafeneinfahrt.

Ein riesiges Kreuzfahrtschiff fuhr gerade hinein. Es wirkte, als habe man ein Hochhaus auf einen Ponton gestellt. Ich zählte zehn Stockwerke und dachte an die Schokoladenwerbung: quadratisch, praktisch, gut. Quadratisch sind diese Schiffe zwar nicht, aber praktisch schon, aus zweifacher Sicht. Einmal aus Sicht der Reederei, die mit diesem Beherbergungsgebirge viel Geld verdient. Zum anderen aus Sicht der Urlauber, die zu überschaubaren Preisen zwar kabinenmäßig überein­ander gestapelt sind, aber opulent durchgefüttert werden. Leider fehlt diesen Mega-Kreuzfahrtschiffen jegliche Eleganz, wie sie klassische Oceanliner aufweisen.

Im Café an der Marina klickte ich dann noch mal ins E-Paper und erfuhr, dass am Emder Rathausplatz jetzt ein Zebrastreifen aufs Pflaster gemalt wird. Auch positive Nachrichten dringen hierher ans Mittelmeer.