Emden/Borkum/Delfzijl - Elf Marineschiffe sowie rund 500 Militärangehörige aus mehreren Nato-Mitgliedsstaaten werden ab kommenden Montag zwei Wochen lang von Delfzijl aus im niederländischen Wattenmeer zwischen den beiden Inseln Ameland und Borkum das Aufspüren und Bergen von Seeminen üben. Neben der niederländischen Marine werden an dem Manöver unter dem Codeword „Sandy Coast 23“ auch Einheiten aus Polen, Finnland, Kanada und Belgien erwartet. Die deutsche Marine ist dagegen nicht beteiligt. Neben den gemeinsamen Übungen im Wattenmeer sollen im niederländischen Delfzijl zudem eine gesonderte Hafenschutzübung sowie ein intensiver Informationsaustausch der Militärs stattfinden. Vor zwei Jahren fand bereits eine ähnliche Übung in Eemshaven statt.
„Minenabwehrmaßnahmen sind eine wichtige Aufgabe der Königlichen Niederländischen Marine und ihrer Nato-Verbündeten“, wird der Leiter der Übung, Kapitänleutnant Peter Baars, in einer Mitteilung des niederländischen Hafenbetreibers Groningen Seaports zitiert. Die Berufsschifffahrt und Fischerei sei immer noch den Gefahren von Sprengstoffen auf dem Meeresboden und an Hafeneinfahrten ausgesetzt. Auch fast acht Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs gehen Experten davon aus, dass auf dem Grund von Nord- und Ostsee noch unzählige, teils hochexplosive, teils auch hochgiftige Überreste von Munition liegen. Auch auf deutscher Seite werden immer wieder Munitionsreste oder sogar Minen gefunden und entschärft. Das weiche Wattenmeer ist dabei prädestiniert für Blindgänger.
Das Wattengebiet gilt als ideal für die aktuelle Übung der Niederländer. Es gebe hier unter anderem flaches Wasser, starke Strömungen, einen dynamischen Meeresboden und wechselnde Wetterbedingungen. „Zudem passiert alles in der Nähe stark befahrener Schifffahrtsrouten und Windparks“, heißt es.
Während der niederländische Fischereiverband und die Schifffahrt entlang der niederländischen Küste, in der Emsmündung sowie in der Ems vor Eemshaven und Delfzijl bereits seit einigen Tagen auf die Militärübung und die notwendigen Sicherheitsabstände zu den Minenbekämpfungsschiffen sowie auf eventuell herumschwimmende Übungsminen hinweisen, ist die Übung auf der deutschen Seite offenbar noch gar nicht bekannt. Weder die Wasserschutzpolizei noch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung konnten am Mittwoch auf Nachfrage etwas zu der Militärübung auf der anderen Seite der Ems und möglichen Auswirkungen für das deutsche Hoheitsgebiet sagen.
