Krummhörn - Das hatte sich Obersielrichter Reinhard Behrends anders vorgestellt: Bei der Premiere des generalüberholten Hubtores und der damit verbundenen offiziellen Wiederinbetriebnahme des Neuen Siels in Greetsiel streikte ausgerechnet die Technik. Während die versammelten Mitglieder von Vorstand und Ausschuss des ersten Entwässerungsverbandes Emden samt ostfriesischer Presse gespannt auf das Sieltor blickten, tat sich dort nichts. Reinhard Behrends nahm es mit Humor und versicherte, dass der Probelauf am Vormittag „einwandfrei funktionierte“.
Generalüberholung
Die missglückte Premiere sollte den Entwässerungsverband aber nicht daran hindern, wenigstens die Stemmtore auf der anderen Seite des Siels wieder zu öffnen. Die Mitarbeiter Dennis Barfs und Matthias Kurtz pirschten sich mit dem Ponton heran und stemmten die Tore schließlich mit reiner Körperkraft auf.
30 000 Euro Kosten
Hintergrund der mehrwöchigen Aktion ist eine Generalüberholung des großen Hubtores. Dieses wurde vor sechs Wochen mit einem großen Autokran aus der Verankerung gehoben und landete sprichwörtlich auf dem Trockenen. Da ist es dann beschaut, in Teilen auseinander- und letztlich wieder zusammengefügt worden. „Wir haben das Tor komplett überholt und für die nächsten Jahre fit gemacht“, sagte Reinhard Behrends.
Ein technischer Defekt verhinderte die Demonstration des überholten Hubtores am neuen Greetsieler Siel. Obersielrichter Reinhard Behrends nahm es mit Humor, während die Techniker fieberhaft an einer Lösung arbeiteten.
Jens Tammen
Hier ist Körperkraft gefragt: Die beiden Mitarbeiter Dennis Barfs und Matthias Kurtz öffneten die alten Stemmtore. Die Vorstands- und Ausschussmitglieder des Entwässerungsverbandes schauten neugierig zu.
Jens Tammen
Bestandteil der Sanierung: Nachdem das alte Hubtor auf dem Trockenen lag, wurden neue Dichtungen und Laufrollen montiert.
Entwässerungsverband
Und dann, als der offizielle längst Teil vorbei war, funktionierte das Sieltor doch noch. Das defekte technische Bauteil konnte noch am Vormittag ausgetauscht werden.
EntwässerungsverbandRund 30 000 Euro hat der Entwässerungsverband in die Sanierung gesteckt – aus eigener Tasche. Denn Fördermittel gibt es derzeit für den Binnenhochwasserschutz nicht. „Wir stehen zwischen zwei Fördertöpfen, der eine läuft aus und der andere startet erst im nächsten Jahr“, sagte Rendant Kevin Janßen. Doch so lange wollten die Entwässerer nicht warten. Also wurde das Hubtor mit eigenen Geldern überholt. Dabei hat der Verband viele Arbeiten auch selbst übernommen, um die Kosten im Rahmen zu halten.
Das Neue Siel im Fischerdorf hat eine abwechslungsreiche Geschichte vorzuweisen. Es ist das zweite neben dem Alten Siel im Ortskern. Die Planungen dafür gehen in das Jahr 1949 zurück. 1958 geht das fertige Bauwerk in den Betrieb und wird nur ein Jahr später bereits wieder geschlossen. Der Grund: Im Hafen ist zu viel Schlick, ein Sielen ist nicht mehr möglich.
Bis in die 90er des letzten Jahrhunderts bleibt das so. Erst 1997 wird das Siel renoviert und wieder in Betrieb genommen. Hintergrund ist der Bau der Schleuse Leysiel, wodurch der Hafen nicht mehr so verschlickt. Das Sieltor selbst ist 5,50 Meter breit.
Bereits seit 1798 gibt es das Alte Siel in Greetsiel. Bis 1969 war es in Betrieb und wurde dann geschlossen. Im Jahr 1996 erfolgte die Renovierung und Wiederinbetriebnahme. Die Breite des Alten Siels ist mit 4,85 Meter deutlich geringer als die des Neuen Siels.
Vor zehn Tagen wurde das flottgemachte Tor wieder eingebaut. Dafür waren auch Taucher nötig, die den Untergrund des Siels auf Fremdkörper untersuchten. Bis auf ein paar Restarbeiten ist jetzt alles fertig.
Zu viel Wasser
Gesielt werden kann aktuell aber trotzdem nicht, und das hat auch nichts mit dem defekten technischen Bauteil zu tun. „Im Speicherbecken und im Hafen ist der Wasserstand zu hoch, wir bekommen kein Wasser durch die Schleuse raus“, erklärt Reinhard Behrends. Und wenn kein Wasser in die Nordsee gepumpt werden kann, ist es auch nicht ohne weitere möglich, weiteres Wasser in den Hafen zu sielen.
Übrigens schafften es die Verbandsmitarbeiter am Donnerstag nach gut einer Stunde, das Hubtor doch noch hochzufahren. Sie konnten das defekte Bauteil austauschen. „Um 11.30 Uhr haben wir das Sieltor mit etwas Verzögerung in Betrieb genommen und uns davon überzeugen können, dass die Funktionsfähigkeit vollständig gewährleistet ist“, teilte Rendant Kevin Janßen am Mittag mit. Nur war da die offizielle Feierstunde schon zu Ende.
