Emden - Seit Jahren hatte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Emden keinen Kreisverband mehr. Doch dieser Zustand dürfte bald enden. Emdens Radfahrerinnen und Radfahrer sollen wieder eine eigene Interessenvertretung vor Ort und eine stärkere Lobby bei der Verkehrsplanung bekommen. Die Gründungsversammlung für den Neustart des Emder Kreisverbandes hat der ADFC Niedersachsen für Montag, 8. April, 18 Uhr im Forum der Volkshochschule angesetzt. Jeder Pedalfan ist willkommen.
Wunsch aus der Verwaltung
Das Bemerkenswerte: Der Antrieb für eine Neugründung kam von der Emder Stadtverwaltung selbst. „Es gab die Aussage, dass sie gern wieder die Fachkompetenz eines ADFC-Kreisverbandes an ihrer Seite hätte“, sagte der Landesvorsitzende Rüdiger Henze zu unserer Redaktion. Tatsächlich sei der ADFC seit den niedersächsischen Kommunalwahlen 2021 verstärkt als beratendes Mitglied in vielen Ausschüssen gefragt. „Denn ein Radfahrer sieht die Infrastruktur oft noch einmal ganz anders als ein Planer.“
Sieht beim Radverkehr in Emden noch Luft nach oben: der ADFC-Landesvorsitzende Rüdiger Henze. Bild: privat
Vor dem Hintergrund, dass der einstige Emder ADFC 2018 aus Altersgründen zum Auslaufmodell wurde (übrig blieb nur das Touren-Programm der Interessengemeinschaft Emder Radfahrer sowie die eine oder andere Einzelaktivität), war an ein bloßes Reaktivieren allerdings nicht zu denken. Doch dann meldete sich jemand aus Emden, der bis dato zwar kein Mitglied war, dem aber Fahrradthemen und bessere Radwege in seiner Stadt sehr am Herzen lagen. „Und der hat auch gleich noch ein paar weitere Leute mitgebracht“, erzählte Henze. Mehrere Telefonate und Videokonferenzen später war die Überzeugung gereift, den Neubeginn in Emden schaffen zu können.
Schreiben an Mitglieder
Dazu wurden jetzt auch alle verbliebenen (derzeit aber direkt beim Landesverband gelisteten) Emder ADFC-Mitglieder angeschrieben. Bei der Versammlung am 8. April soll nun ein sogenannter unselbstständiger Kreisverband unter dem Dach des Landesverbandes gegründet werden. „Das heißt, es wird ein Vorstandsteam gewählt, das sich selbst eine Geschäftsordnung gibt und die Aufgaben unter sich verteilt“, erläuterte Henze. Das sei flexibler als ein eingetragener Verein mit festen Vorstandsämtern.
Inwieweit ehemalige Aktive zurückkehren, sei derzeit nicht bekannt. Eine Rückkehr in den Emder ADFC sei aber auch für jene Mitglieder möglich, die aufgrund ihres Wohnortes in Hinte und der Krummhörn dem Kreisverband Aurich zugeordnet wurden. „Per Mail oder Anruf bei der Mitgliederverwaltung des Bundesverbandes kann man sich einfach umschreiben lassen“, erklärte Henze. Auf den Mitgliedsbeitrag habe das keinen Einfluss. Eine Einzelmitgliedschaft im ADFC koste überall 68 Euro im Jahr, das Familienpaket 78 Euro.
Verkehrswende im Blick
Klappt es mit der Neugründung, wäre Emden der 40. Kreisverband in Niedersachsen. In vielen Kommunen komme das Radfahren mit Blick auf Umwelt und Klima und die angestrebte Verkehrswende immer stärker in den Fokus, stellt Henze fest. Emden sei zwar schon traditionell Fahrradstadt. Doch die Erkenntnis beim 1. Ostfriesischen Fahrradkongress 2023 in der Emder Hochschule sei gewesen, dass noch mehr Menschen in Emden vom Auto in den Sattel wechseln würden, wenn denn die Radinfrastruktur besser wäre. Henzes Eindruck ist ähnlich: „In Emden tut sich was, aber es ist noch verdammt viel Luft nach oben.“ Dabei brauche es nicht immer gleich den großen Radweg-Neubau. „Oft sind es nur kleine Stellschrauben wie ein Lückenschluss oder eine Querverbindung, die große Wirkung haben.“
