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Nordseewerke-Frachter „Henriette Schulte“ In Emden gebaut, in Japan verschrottet

Marten Klose
Auch kernige Männer machen mal Pause: Die Maler-Crew auf dem Stahlträger. Ganz links: Anton Oortgiese.
Damals in Emden

Auch kernige Männer machen mal Pause: Die Maler-Crew auf dem Stahlträger. Ganz links: Anton Oortgiese.

Album Sabine Meissner

Emden - Mit der „Emden-Klasse“ sind die Nordseewerke nach dem Zweiten Weltkrieg wieder durchgestartet und haben damit den wirtschaftlichen Aufschwung der Seehafenstadt mit angekurbelt. Durch das spurlose Verschwinden der „Melanie Schulte“ im Dezember 1952 hat sich ein Schatten auf die Erfolgsgeschichte der „Emden-Klasse“ gelegt. Keine Frage, ein furchtbares Unglück, das bis heute bei den Menschen nachwirkt. Aber das Schicksal des Schiffes ist nicht beispielhaft für die „Emden-Klasse“. Die meisten der 21 dieser in Serie gebauten Schiffe taten jahrelang auf den Weltmeeren zuverlässig ihren Dienst. Nach erfüllter Pflicht starben die Mehrzweckfrachter den üblichen Schiffstod – im Hochofen.

Stapellauf 1951

So ging es auch dem allerersten Schiff der „Emden-Klasse“, der „Henriette Schulte“. Am 9. August 1951 vom Stapel gelaufen, war sie für die Reederei „Schulte u. Bruns“ auf allen Ozeanen unterwegs. Zur Besatzung gehörte damals auch der Emder Anton Oortgiese, von dem die eindrucksvollen Fotos stammen. Ein imposanter Bug, der den auf einer kleinen Nussschale befindlichen Männern sicher ordentlich Respekt eingeflößt hat. Vielleicht dachten sie aber auch schon mit Grausen an den gewaltigen Muskelkater, der ihnen bevorstehen würde. Denn auf dem nächsten Bild ist zu erkennen, dass sie den sicherlich nicht beliebten Auftrag bekommen hatten, Malerarbeiten am Schiff zu erledigen. Deutlich ist – wie eine Galionsfigur – das Emder Engelke am Bug zu erkennen.

Wohlverdient dann die anschließende Pause auf dem Stahlträger. Vielleicht hatten Sie beim Betrachten des Fotos ja auch die Assoziation zum Bild „Mittagspause auf einem Wolkenkratzer“, das 1932 in schwindelerregender Höhe beim Bau des Rockefeller-Centers in Manhattan in New York City entstanden ist. Auch wenn Anton Oortgiese, der ganz links sitzt, natürlich nicht in der Luft hängt, sondern gemeinsam mit seinen Kameraden am Boden eine Pause eingelegt hat.

1973 ist Schluss

Aufregend wird es später im Einsatz. Auf allen Weltmeeren ist die „Henriette Schulte“ unterwegs. 1960 dann noch einmal ein Einschnitt im Schiffsleben. Aus der „Henriette Schulte“ wird die „Tai Chung“. Zwölf Jahre später folgt das jähe Ende. Am 27. November 1972 läuft die „Tai Chung“ bei Shimonoseki in Japan auf Grund. Im Februar 1973 – fast 22 Jahre nach ihrem Stapellauf – folgt im japanischen Kure das unvermeidliche Abwracken. Wer weiß, was aus dem Stahl der „Henriette Schulte“ alias „Tai Chung“ geworden ist. Vielleicht hat sie ja als Löffel, Getränkedose oder gar als Autotür von einem Passat zurück nach Emden gefunden.

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