Emden/Eemshaven - Die vorübergehende Verlegung der Norwegen-Fähre „Romantika“ von Eemshaven nach Emden hat auf deutscher Seite für eine regelrechte Euphorie gesorgt. In den sozialen Medien beispielsweise ist die Begeisterung riesig, in nicht wenigen Beiträgen werden dort bereits Reisen mit der Fähre von Emden aus ins norwegische Kristiansand angekündigt. Auf niederländischer Seite ist dagegen die Sorge groß, die erst im vergangenen Jahr so überaus erfolgreich gestartete Fährverbindung der Holland Norway Lines (HNL) schon wieder verlieren zu können. Die Frage ist dort: Kehrt die „Romantika“ tatsächlich wie angekündigt zur nächsten Saison 2024 zurück, sollten die Probleme im Hafen von Eemshaven bis dahin behoben sein? Oder: Werden sie bis dahin überhaupt behoben sein?
Kein Vorrang mehr
Zwar hatte HNL-Chef Morton Aggvin am Freitagnachmittag während einer kurzfristig in Emden anberaumten Pressekonferenz mehrfach betont, dass HNL ein niederländisches Unternehmen mit Hauptsitz in Groningen sei und er hoffe, dass man möglichst schnell wieder nach Eemshaven zurückkehren könne. Eine Garantie dafür gibt es aber offensichtlich nicht. So berichten niederländische Medien von einem derzeit wohl eher schwierigen Verhältnis zwischen der Reederei und dem Hafenbetreiber Groningen Seaports. Tatsächlich hatte Groningen Seaports zuletzt den großen Frachtschiffen für den Transport von Offshore-Windanlagen den Vorrang am Schwerlastkai in Eemshaven eingeräumt, wodurch HNL Probleme bekam, die regelmäßigen An- und Abfahrten der „Romantika“ garantieren zu können.
Nicht viel passiert
Das in Groningen erscheinende Dagblad van het Noorden zitiert zudem die Sprecherin von HNL mit den Worten: „Es gibt viele Dinge, die wir berücksichtigen müssen bevor wir eine solche Investition tätigen und definitiv ein Terminal oder Kai bauen können.“ Gemeint ist eine geplante Millionen-Investition auf einem Areal im Hafen von Eemshaven. HNL hatte angekündigt, einen eigenen Terminal bauen zu wollen, aber bislang ist nicht viel passiert. Reederei-Vorstand Aggvin hatte es am Freitag in Emden vermieden, auf dieses Thema tiefer einzugehen. Ein Grund für die Probleme ist aber offenbar die Finanzierung, die sich in Folge des Ukraine-Krieges und der dadurch ausgelösten Wirtschaftskrise deutlich verschlechtert hat. In den Niederlanden wird nun gerätselt, ob es wirklich am Geld oder noch an anderen Dingen liegt, dass von einem neuen Terminal noch so gar nichts zu sehen ist und wer daran schuld sein könnte. Und so ein Kai steht auch nicht von heute auf morgen.
Vorbereitungen laufen
Der Emder Seite kann das sicherlich egal sein. Hier bereitet man sich aktuell darauf vor, der HNL ab 1. Juni einen geeigneten Terminal zur Verfügung zu stellen. Die Stadt tritt dabei vor allem als Vermittlerin zwischen den verschiedenen Behörden auf. Die AG Ems ist dabei, den Borkumkai so zu verplanen, sodass der eigene Borkum-Verkehr nicht gestört wird. Und auch wenn es offiziell nicht gesagt wird, so könnten die Vorbereitungen natürlich schon für das nächste Jahr gelten. Zwar preist Oberbürgermeister Tim Kruithoff die Zusammenarbeit der deutschen und niederländischen Häfen, und AG Ems-Vorstand Dr. Bernhard Brons wird mit den Worten zitiert, dass es in erster Linie wichtig ist, einen solch interessanten Verkehr überhaupt auf der Ems zu halten. Doch wären beide wohl nicht abgeneigt, wenn die HNL länger als nur eine Saison von Emden aus nach Norwegen startet – die Stadt aus Imagegründen, die AG Ems wegen der Pacht für die Verladerampe.
Nach Informationen dieser Redaktion sind fast die Hälfe der Passagiere auf der „Romantika“ derzeit Niederländer, 40 Prozent Norweger und schon zehn Prozent Deutsche. Letzteres kann sich ja auch noch ändern.
