Krummhörn - Eigentlich war es nur eine Anfrage der SPD-Fraktion an die Verwaltung, doch die Antwort der Gemeinde ließ in der Ratssitzung am Donnerstagabend aufhorchen. Seit dem 1. Dezember vergangenen Jahres hat die Gemeinde das OLB-Gebäude direkt neben dem Rathaus in Pewsum gemietet. Soweit so gut. Weil die Pewsumer Touristiker aber nach Greetsiel ziehen werden, hat die Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) im Februar verlauten lassen, dass man das Gebäude doch nicht mehr brauche und einen Nachmieter suche. Nun heißt es allerdings, dass die Verwaltung die Räume doch selbst nutzt.
Kein Nachmieter
Die überraschende Wendung in der nicht ganz unstrittigen Mietangelegenheit wurde im Rat lediglich zur Kenntnis genommen. Die Sozialdemokraten wollten wissen, welche Kosten bislang entstanden sind. Bürgermeisterin Looden nannte in ihrer Antwort erstmal genaue Zahlen für die Anmietung der Räumlichkeiten. So zahlt die Gemeinde pro Monat 1800 Euro zuzüglich 300 Euro Nebenkosten. Seit Dezember läuft der Vertrag, der für zehn Jahre geschlossen wurde. Die Gesamtkosten belaufen sich also rechnerisch auf 25 200 Euro pro Jahr, was eine Summe von 252 000 Euro auf die Mietdauer von zehn Jahren ergibt.
Mehr Platz nötig
Im Gespräch mit der Redaktion begründet Hilke Looden die plötzliche Nutzung des Gebäudes mit zwei Aspekten. So sei es schwierig gewesen, einen Nachmieter für die Räume der ehemaligen Filiale zu finden. Außerdem sind bedingt durch Neueinstellungen weitere Mitarbeiter im Rathaus tätig, obwohl der Platz längst nicht mehr ausreicht. Selbst, wenn mit Fertigstellung der Oase in Greetsiel die Touristiker ins Fischerdorf ziehen, reichen die Kapazitäten im Rathaus nicht aus, heißt es. Das verwundert auch deshalb, weil das Rathaus erst vor wenigen Jahren neu gebaut wurde. „Schon damals war klar, dass aus Gründen des Denkmalschutzes nicht größer gebaut werden kann“, ordnet Looden die Thematik jetzt ein.
Räume werden zu Büros
Um jetzt ausreichend Platz zu haben, werden die Räume, die bis März 2022 als Bankfiliale genutzt wurden, zu Büros umgestaltet. Auch, wenn der Mietvertrag bereits seit Dezember läuft, nutzt die Gemeinde die Räume noch nicht. „Wir sind gerade dabei die Büros wohnlich zu machen“, erklärt Looden. Zwar hat die Gemeinde das Mobiliar der OLB übernommen, die Büros müssten aber noch etwas eingerichtet werden. Wann tatsächlich die ersten Mitarbeiter dort einziehen ist noch offen. Das liege auch an der Umstrukturierung innerhalb der Verwaltung. Schließlich entsteht gerade ein vierter Fachbereich.
Neuer Fachbereich
Im Zuge dieses Umbaus werden die vorhandenen Fachbereiche neu organisiert und entsprechende Mitarbeiter sollen dann auch räumlich zusammen sitzen, sagt die Rathauschefin. Außerdem steigt aktuell die Mitarbeiterzahl in der Verwaltung. Insgesamt sind in der Verwaltung 59 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit beschäftigt. Hinzu kommen die Auszubildenden. Fest steht aber, dass sieben Mitarbeiter in den ehemaligen OLB-Räumen Platz finden könnten. Auch ist es möglich, dass dort ein Besprechungszimmer installiert wird. Looden setzt zudem auf eine weitere Digitalisierung. Zwar können einige Angestellte schon im Homeoffice arbeiten, doch viele Akten sind bislang nur in Papierform vorhanden. Der Weg ins Rathaus bleibt unerlässlich. Doch mit Blick auf den zehnjährigen Mietvertrag will die Bürgermeisterin hier den Prozess soweit voranbringen, dass nicht mehr alle Arbeitsplätze ständig benötigt werden.
