Emden - Das Ostfriesische Landesmuseum in Emden verzeichnet nach längerer Durststrecke erstmals wieder einen Besucheranstieg. Bis zum 31. Oktober 2023 wurden nach Aussage im jüngsten Kulturausschuss bereits 27.400 Besucher gezählt. „Das sind 30 Prozent mehr gegenüber dem gleichen Zeitraum im letzten normalen Jahr 2019 vor Corona“, sagte Bianca Wallert-Scharf von der Museumsleitung.
Knapp 30.000 Besucher wurden 2019 am Ende erreicht. Für das kommende Jahr 2024 wird auf dieser Basis nun mit insgesamt 34.000 Besuchern und 100.000 Euro Einnahmen durch Eintrittsgelder kalkuliert. Gleichzeitig allerdings werden mit den zu erwartenden Gesamt-Einnahmen von 278.500 Euro (dazu gehören auch Drittmittel für Ausstellungen/Projekte oder Entgelte aus der Vermietung) weiterhin keine großen Sprünge zu machen sein.
343.000 Euro
Nach der Kalkulation von Museumsdirektorin Jasmin Alley und ihrem Team bleiben vom Budget (3,55 Millionen Euro für Museum und Stadtarchiv) nach Abzug aller Personal- und sonstigen Fixkosten nur 476.700 Euro für den laufenden Betrieb übrig. Abzüglich weiterer Fixkosten für das Stadtarchiv, das mitten in der Digitalisierung des Archivgutes steckt, stünden am Ende für die reine Umsetzung von Ausstellungen, Marketing und Museumspädagogik nur noch 343.000 Euro zur Verfügung.
FDP-Ratsfrau Hillgriet Eilers zeigte sich damit entsprechend nur verhalten zufrieden: „Dass sich die Besucherzahlen erholen, ist erfreulich – leider ist das nicht der große Posten, der das Budget nach vorne bringt.“ Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) dagegen wollte das so nicht stehen lassen. „Hier nur von einer Erholung der Besucherzahlen zu sprechen, wäre schade“, sagte er. Dabei hat er die laufende Umstrukturierung des Landesmuseums auf Basis eines externen Gutachtens vom März 2021 im Blick. Das Gutachten stellte zum Teil „gravierende Schwächen“ des Museums fest.
Vakante Stelle
Zu dem Zeitpunkt – in Hochzeiten von Corona – war die Nachfolge für den einige Monate zuvor in Pension gegangenen Museumsdirektor Dr. Wolfgang Jahn noch vakant. Als „Interimscoach“ sprang Kulturevents-Emden-Geschäftsführerin Kerstin Rogge-Mönchmeyer ein. Erst zum 1. Dezember 2021 wurde der Posten mit der damals 39-jährigen Anthropologin und Ethnologin Jasmin Alley aus Hamburg neu besetzt. Sie ist unter anderem angetreten, um mehr Themen mit aktuellen Bezügen aufzugreifen, Besucher aktiver zu beteiligen und durch neue digitale Formate stärker auf die Jüngeren zuzugehen.
„Großartige Leistung“
Es seien bereits wesentliche Veränderungen in der konzeptionellen Ausrichtung des Hauses angestoßen worden, betonte der OB. Von daher bedeute die Entwicklung der Besucherzahlen „schon eine signifikante Steigerung und eine großartige Leistung, die dahinter steht“. SPD-Ratsherr Gregor Strelow – gleichzeitig Vorsitzender der Gesellschaft „1820dieKUNST“, die zusammen mit der Stadt Träger des Museums ist – pflichtete ihm bei: „Die Vermittlung von Bildungsinhalten ist ja auch ein wesentlicher Faktor.“
