Emden - Eine neu entflammte Diskussion um die TV-Shows des Emder Komikers Otto Waalkes aus den 70er Jahren hat auch in den sozialen Medien für ein reges Für und Wider gesorgt. Hintergrund ist, dass der Westdeutsche Rundfunk der Ausstrahlung der alten Otto-Shows in ihrer Mediathek einen Warnhinweis voranstellt: „Das folgende Programm wird, als Bestandteil der Fernsehgeschichte, in seiner ursprünglichen Form gezeigt. Es enthält Passagen mit diskriminierender Sprache und Haltung, beziehungsweise Passagen, die heute als diskriminierend betrachtet werden“.
Eigene Tabus
Und was sagt Otto? Die Bild-Zeitung zitiert den inzwischen 75-jährigen Emder Ehrenbürger mit den Worten: „Das ist nun ein halbes Jahrhundert her. Die Moralvorstellungen haben sich seit 1970 gewandelt, jede Zeit hat ihre eigenen Tabus. Komik hat ja immer etwas Anstößiges, weil sie alltägliche Regeln verletzt. Ich war damals Student und habe Scherze gemacht, von denen sich vor allem Autoritäten verletzt fühlten.“
Eine ähnliche Diskussion hatte es vor drei Jahren auch um Passagen des Kino-Erfolges „Otto – der Film“ aus dem Jahr 1985 gegeben. Damals ging es um den Vorwurf des Rassismus. In einer Szene mit dem schwarzen Schauspieler Günther Kaufmann fällt ein heute mit „N-Wort“ umschriebener Begriff. Die Reaktionen waren vielfältig, geschadet hat sie dem Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aber nicht. „Otto – der Film“ bedient sich in einigen Teilen aus den Inhalten aus den Otto-Shows.
50 Jahre her
Was sagen die User auf der Facebook-Seite dieser Zeitung? Hier ein paar Auszüge von Einträgen (Rechtschreibung korrigiert):
Michael K.: „Armes Deutschland! Demnächst wird Otto noch zensiert oder gegendert. Selbst das Lachen wird reguliert.“
Holger E .: „Ich finde es genau richtig, wie der WDR damit umgeht. Ist dieser ganz kurze Hinweis zum Beginn, dass es als Bestandteil der Fernsehgeschichte unverändert gezeigt wird und Passagen enthält, die heute als diskriminierend betrachtet werden können, wirklich so schlimm? Muss hier deswegen gleich wieder so ein Alarm gemacht werden? Das ist nun einmal 50 Jahre her und zum Glück hat sich die Gesellschaft seitdem enorm zum Positiven weiterentwickelt.“
Kevin K .: „Dieses Land ist lächerlich geworden!!! In Deutschland ist das Recht zur Kunstfreiheit, ebenso wie die Pressefreiheit, in Art. 5 Absatz 3 Satz 1 bis 3 des Grundgesetzes (GG) verankert. Als vorbehaltlos gewährtes Grundrecht genießt die Kunstfreiheit eine herausgehobene Stellung im deutschen Verfassungsgefüge.“
Sonja S.: „Das war halt damals so. Heutzutage muss man ja auch extrem aufpassen und ständig fühlt sich irgendwer diskriminiert, wegen irgendwas. Also ich feier’ Otto und ich feier’ zum Beispiel auch Ekel Alfred, das war nun mal eine andere Zeit. Kurz und knapp: Ich finde nicht, dass man davor warnen muss, aber wenn es gemacht wird, damit sich keiner diskriminiert fühlt und so weiter, ist es auch ok. Es wird ja ausgestrahlt und das zählt.“
Ingo W.: „Man sollte immer den Zeitgeist mit berücksichtigen. Sonst laufen wir eventuell irgendwann Gefahr, dass wir Filme oder Sendungen schneiden oder zensieren, die in ihrem Kern sicher nicht provozieren wollten. Das fände ich sehr schade.“
Bernhard O.: „Und als Nächstes wird Ekel Alfred verboten.“
Helga K.: „Ich frag mich echt, wie ich es geschafft habe, ohne Schaden erwachsen zu werden. Ich bin mit Otto, Märchen und vielem, was man heute nicht mehr sagen oder machen darf, aufgewachsen.“
Horst J.: „Ottos Witze und Shows sind gut, können immer gezeigt werden. Ostfriesisches Kulturgut.“
Thomas Andre A.-R.: Die Warnhinweise sind mittlerweile ein Qualitätssiegel: Europa Hörspiele, Karl May, Astrid Lindgren.
Tobias S.: Spätestens jetzt ist es albern. Was soll denn als Nächstes passieren? Schiller und Goethe umschreiben oder mit FSK18 versehen?
Ingo O.: „Klar kann man die zeigen. Wobei ich einen historischen Hinweis vor einer Sendung kein Drama finde. Man kann sich auch übertrieben aufregen. Vielleicht mal Kleinhirn an Großhirn kommunizieren lassen, bevor man rumpöbelt.“
Helga A.: „Otto ist Kult aus Emden. Und der sich sowas wieder ausgedacht hat, geh in Keller und trink ’nen Eierlikör.“
