Emden - Es sei nicht weniger als ein „Meilenstein“, den die Stadt Emden auf den Weg bringen könnte, jubelte Stadtplaner David Malzahn in der jüngsten Sitzung des Emder Stadtentwicklungsausschusses – und meinte das grüne Licht, das ihm die Politiker für eine rechtliche Erlaubnis erteilt hatten. Es geht um einen Solarpark an der Autobahn 31, aufgeteilt auf drei Flächen mit einem Gesamtvolumen von rund 55 Hektar Fläche – und damit um die Energieversorgung der Seehafenstadt, die ihre Ausbauziele eigentlich schon erfüllt hat. Ausbauen soll die Fläche ein Konglomerat aus Stadtwerken, Emder Sparkasse und der Wirtschaftsförderung Zukunft Emden.
„Wegweisende Entscheidung“
Aber mehr ist selten schlecht, und deswegen freuten sich nicht nur der Stadtplaner, sondern auch die Politik, die übergreifend fast ausschließlich Lob für die Pläne übrig hatte. Gregor Strelow (SPD) etwa sprach von einer „wegweisenden Entscheidung“ und freute sich, dass die 2021 vorgestellte Potenzialstudie der Stadtwerke nun Anwendung finde. Die Politik stimmte mit einer Enthaltung für die Pläne.
Gute Nachrichten für Stadtbaurätin Irina Krantz, da dies einer der seltenen Fälle ist, wo auf einen Beschluss des Verwaltungsausschusses oder gar des Stadtrates verzichtet werden kann – und die Stadt somit wertvolle Umsetzungszeit gewinnt. „Wenn das heute beschlossen wird, macht das etwa sechs Wochen aus“, rechnete Krantz vor. Alternativ wären weitere Schritte in die Sommerferien gefallen.
Zudem: Beim jüngsten Enpal-Ranking zu den Solarstromkönigen landete die Stadt Emden nur im Mittelfeld. Rang 40 gab es mit 524 im vergangenen Jahr neu gebauten PV-Anlagen. Eine Quote von 10,37 pro 1000 Einwohner. Damit steht Emden zwischen Viersen (Nordrhein-Westfalen) und Goslar (Niedersachsen). Zum Vergleich: Ibbenbüren (Nordrhein-Westfalen), Spitzenreiter dieser Kategorie, kam auf 1178 Anlagen. Bei den Großstädten dominierte das gut 70 Kilometer entfernte Oldenburg. Trotzdem würde Emden, erklärte Krantz, die Ausbauziele des Landes Niedersachsen „übererfüllen“.
Kritik: „Wertvolle Ackerfläche wird bebaut“
Ein bisschen Wasser träufelten FDP und Grüne feat. Urmel in den Glücks-Wein der Stadt. Friedrich Busch (FDP) etwa merkte an, dass er zwar zustimme, „weil es notwendig ist und weil wir Energie generieren müssen“. Aber: „55 Hektar wertvolle Ackerfläche wird bebaut.“ Er hätte sich weniger Ackerfläche als vielmehr „schlechtes Grünland“ gewünscht. Der Schutz von Grünland dient primär der Artenvielfalt. „Aber wir müssen auch etwas essen.“ In eine ähnliche Richtung argumentierte auch Christian Nützel (Die Grünen). Seine Fraktion sei zwar für die Maßnahme, aber er könne „aus ethischen Gründen“ sich nur enthalten, wenn es um die Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen gehe.
