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Einzelhandel in Innenstädten Die große Pop-Up-Pleite in Ostfriesland

Ein etwas bizarres Beispiel für einen funktionierenden Pop-Up-Store in München: Das Geschäft Weiss, das Mode und Särge verkauft. Die Särge können zu Lebzeiten als Schrank genutzt werden.

Ein etwas bizarres Beispiel für einen funktionierenden Pop-Up-Store in München: Das Geschäft Weiss, das Mode und Särge verkauft. Die Särge können zu Lebzeiten als Schrank genutzt werden.

dpa

Ostfriesland - Versuche gab es einige, erfolgreich war keiner: Pop-Up-Stores galten und gelten als Heilsbringer darbender Innenstädte, als clevere Lückenfüller, um verrammelte Leerstands-Schaufenster zu vermeiden. Das Konzept: Gründer mieten für eine überschaubare Zeit ein subventioniertes, leerstehendes Ladenlokal, richten es mit überschaubarem Aufwand ein und schauen, ob sich das Geschäft trägt. Im gelungenen Fall wechselt der Händler in den Dauerbetrieb oder es entwickelt sich eine Art „In“-Viertel wie es etwa in Bremen der Fall ist, wo in den Ortsteilen Steintor und Ostertor wechselnde Geschäfte für ein stetig frisches Erscheinungsbild der Einkaufsstraßen sorgen. Der Trend schwappte nach Ostfriesland, in Emden öffneten diverse Pop-Up-Stores, auch in Aurich gab es ein Versuch. Jetzt, im Oktober 2023, nur wenige Jahre nach der Hochphase der aufploppenden Geschäfte während der Corona-Pandemie, ist der vermeintliche Heilsbringer entzaubert. Katerstimmung nach der Pop-Up-Sause.

Emden

Dekoration, Spielzeug, Brautmoden: Die einwohnerstärkste Stadt Ostfrieslands hat in den vergangenen fünf Jahren diverse Erfahrungen mit dem Konzept gesammelt. Erst in der Brückstraße, vor drei Jahren in der Großen Straße und in der Neutorstraße, darunter unter anderem mit JFC Toys, „Das lila Haus“ und das Holland-Haus.

Seitdem seien nur noch unverbindliche Anfragen sowie kommerzielle Anbieter von Pop-Up-Stores an die Stadt herangetreten, sagt Martje Merten, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing Emden.

Ergeben habe sich daraus noch nichts. Innenstadt-Koordinatorin Julia Kruse blickt wohl nicht grundlos in Richtung Filialisten, um mit ihrem Innenstadt-Exposé für ein Engagement in Emden zu werben.

Ein aus Sicht der Stadt „tolles Beispiel“ für einen Concept-Store: Darling Sisters in der Brückstraße in Emden. Bild: Saathoff

Ein aus Sicht der Stadt „tolles Beispiel“ für einen Concept-Store: Darling Sisters in der Brückstraße in Emden. Bild: Saathoff

Ganz abgeschrieben sind Pop-Up-Stores für die Stadt allerdings nicht, teilt Merten mit. Nur das Konzept ändere sich. Statt an mehreren Adressen wolle die Stadt „mittelfristig“ eine geeignete, eigene Fläche schaffen, anschließend „ganz gezielt Menschen ansprechen und den Gründungsprozess von der Idee bis zur Umsetzung begleiten.“

Eine positive Nachricht: Das Geschäft Darling Sisters in der Brückstraße sei ein „tolles Beispiel“ für einen Concept Store. Der Begriff meint ein Geschäft, das Waren verschiedener Kategorien anbietet, die einem bestimmten Konzept folgen. Diese Idee, die parallel zu Pop-Up-Stores auftauchte, habe eine Zukunftsperspektive für die Stadt.

Aurich

Roboter im Empfangsbereich: Mit Service-Robotern gründete Rainer Becker im vergangenen Jahr den ersten Pop-Up-Store in Aurich, kundentechnisch gut gelegen in der stark frequentierten Burgstraße. Keine sechs Monate später, und damit früher als geplant, zogen Beckers Roboter wieder aus. Eigentlich, darauf hatte die Stadt gehofft, sollten in das 120 Quadratmeter große Ladenlokal weitere Geschäfte einziehen. 30 000 Euro ließ sich die Stadt das kosten, finanziert aus dem Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“. Es kamen nur keine Gründer dazu. „Es kamen überhaupt keine Anfragen“, sagt Stadtsprecher Johann Stromann. Jetzt liege das Pop-Up-Thema in der Schublade.

Wittmund

Die flächenmäßig größte Stadt Ostfrieslands hatte noch gar keine Pop-Up- oder auch Concept Stores, teilt Dietmar Müller, Vertreter von Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen mit. Das liege auch daran, dass sich die Stadt derzeit in einem „Transformationsprozess“ befinde, um „neue Wege der Innenstadtentwicklung“ einzuschlagen. Konkret meint Müller damit die Errichtung eines neuen Spielplatzes in der Innenstadt sowie eine bauliche Neugestaltung der Innenstadtplätze. Nun werde zurzeit an einem Innenstadt-Leitbild, einem Fahrradkonzept und einem Marketingkonzept gearbeitet. Mit anderen Worten: Die Stadt Wittmund hat noch gar keine Voraussetzungen für Pop-Up-Stores geschaffen.

Leer

In der Ledastadt entstanden keinerlei Pop-Up-Stores. Aber aus anderen Gründen als in Wittmund: Denn, obwohl es Nachfrage gab, gab es schlicht keine Flächen. „Wir haben eine außerordentlich geringe Leerstandsquote“, sagt Andreas Fricke, Chef von Leffers und Vorsitzender der Werbegemeinschaft in Leer. Grundsätzlich seien Pop-Up-Stores zwar eine „charmante Idee“, aber man dürfe nicht unterschätzen, wie schwer es inzwischen sei, ein Geschäft „wirtschaftlich tragfähig“ zu betreiben.

Dazu käme ein weiteres Problem: Pop-Up-Stores seien ein allgemeiner Trend, die Probleme einer Innenstadt aber individuell. „Man muss bei jeder Stadt einzeln gucken. Generelle Lösungen helfen nicht bei individuellen Problemen.“

Peter Saathoff
Peter Saathoff Emder Zeitung
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