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Sabotage im Emder Abwassersystem Mit Höchstdruck gegen den Beton im Abwasserkanal

Nächster Versuch: Die Arbeiten in der Hamhuser Straße gehen unvermindert weiter.

Nächster Versuch: Die Arbeiten in der Hamhuser Straße gehen unvermindert weiter.

Jens Voitel

Emden - „Das ist unsere letzte Chance.“ Auch in der inzwischen vierten Woche gehen die Arbeiten an der mit einer immer noch nicht genau identifizierten Substanz verstopfen Abwasserleitung in der Hamhuser Straße unvermindert weiter. Jetzt greift der Bau- und Entsorgungsbetrieb Emden (BEE) wohl den letzten Strohhalm, bevor tatsächlich doch noch die Straße vor der Herrentor-Schule aufgerissen werden muss. Nun soll ein spezieller Höchstdruckstrahler die Leitung von dem hartnäckigen Material befreien. Dafür ist am Montag eine Spezialfirma extra aus dem über 500 Kilometer entfernten Babenhausen in Südhessen angerückt. Und die ersten Arbeitsstunden im Emder Untergrund verliefen durchaus vielversprechend.

15 Meter geschafft

„Das Fräsen hat einfach zu lange gedauert und war zu mühsam“, sagte Jens Stomberg, Sachgebietsleiter Stadtentwässerung beim BEE, gegenüber dieser Zeitung. Aus diesem Grund habe man gemeinsam mit der beauftragten Kanalsanierungsfirma Huneke nach einem weiteren Spezialisten gesucht: die Firma Jetting, die ihrer Internet-Seite den vielversprechenden Namen www.2500bar.de gegeben hat. Mit eben diesem Wasserdruck sollen jetzt die betonartigen Platten im wichtigen Abwasserrohr gesprengt werden. Dabei soll das Material so stark verkleinert werden, das es von einem Spülfahrzeug des BEE abgesaugt werden kann.

„In den ersten fünf Stunden haben wir bereits etwa 15 Meter geschafft“, sagte Stomberg, der am Montagmittag angesichts der ersten Wochen nur verhalten optimistisch wirkte. Denn auch das Verfahren mit einer Roboter-Fräse, die die betonharte Substanz Zentimeter für Zentimeter zerkleinert hatte, war anfangs durchaus erfolgreich gestartet. Dann aber brach man das Verfahren ab, weil der Prozess nur sehr schleppend voranging. Zudem verkeilten sich große Platten und mussten teilweise per Hand aus dem Abwasserrohr gezogen werden. Da waren Andrej Netsehto und sein Kollege Aleksandr Goldbek von der Firma Jetting am Montag deutlich optimistischer. Sie haben nach eigenen Angaben schon ganz andere Brocken mit ihrer Höchstdruck-Spritze zerlegt.

Keine Hinweise

„Wir können mit unserem eigens entwickelten Roboter ganz gezielt auf das Gestein zielen – und es sprengen“, sagte Goldbek, der das Ganze auf einem Bildschirm in seinem Spezialfahrzeug verfolgen kann. Der Wasserstrahl trifft mit bis zu 2500 bar auf einen nur wenige Millimeter kleinen Punkt und dringt so in das Gestein ein. Dort entsteht dann ein Druck, der das Material auseinanderbricht. „In ein, zwei Tagen sehen wir, ob wir so die gesamte Leitung wieder frei bekommen“, sagte Stomberg. Sein Ziel bleibt, das teilweise gerade neu verlegte Abwasserrohr mit seine 25 Zentimetern Durchmesser zu 100 Prozent zu reinigen. Derzeit ist das Rohr teilweise aber noch bis zu 80 Prozent verstopft. Vor allem aber möchte Stomberg verhindern, dass die Straße, im speziellen Fall wohl vor allem der Fußweg vor der Oberschule erneut aufgerissen werden muss. Denn schon jetzt gehen die Kosten immer weiter in die Höhe.

Polizei ermittelt weiter

Währenddessen gibt es tatsächlich noch immer keine Hinweise auf den Verursacher der Kanal-Sabotage. Weder konnte eine Baustelle im Stadtteil Herrentor ausgemacht werden, an der womöglich die Substanz in den Kanal gelangt war, noch fanden sich anderswo Spuren von einer Einleitung. Bislang wurden rund 250 Kilogramm aus den Rohren geborgen. Auch Zeugen haben sich bislang nicht gemeldet. Die Polizei ermittelt. „Jetzt werden wohl noch mal 10.000 Euro draufkommen“, sagte Stomberg, der den Schaden inzwischen bei gut 50.000 Euro einordnet.

Jens Voitel
Jens Voitel Emder Zeitung
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