Emden - „Kopf einziehen!“, schallt es über das Uphuser Meer. Die beiden Jungs in der kleinen Segelübungsjolle namens Bug parieren sofort und ducken sich geschmeidig unter dem heranschwenkenden Segel durch. Auch die Schräglage nach der nächsten Kurve balancieren sie lässig aus. Wenn das mal kein Erfolgserlebnis ist. Und die zwei Wolthuser Grundschüler sind nicht die einzigen, die sich beim großen Schnuppersegeln für Drittklässler in dieser Woche auf dem Uphuser Meer ziemlich gut angestellt und Lust auf mehr bekommen haben.
Drei Tage vor Ort
Insgesamt 120 Grundschüler aus Emden und Loppersum haben während der dreitägigen Roadshow „Segelsport vor Ort“ unter Anleitung eines jungen Trainerteams vom Deutschen Segler-Verband (DSV) die Pinne in die Hand genommen, um auszuprobieren, ob der Umgang mit Jolle, Wind und Wasser etwas Dauerhaftes für sie werden könnte. „Ausgebucht“, bilanzierte der Emder Wassersportler und Reviervertreter Detlef Hillers, der das Kostenlos-Angebot gemeinsam den hiesigen Segelvereinen an Land gezogen hat, zufrieden – auch, wenn damit noch nicht wirklich alle Emder Kinder einmal in ihrem Leben in ein Segelboot geholt wurden, so wie es sich Hillers und Co. vorgenommen haben. Doch immerhin war es ein erster Aufschlag. Und der hat mit den Grundschulen Am Wall, Früchteburg, Grüner Weg, Wolthusen und Loppersum gleich fünf Mitstreiter gefunden.
Leinen los und ab dafür: Diese Drittklässler der Grundschule Wolthusen hatten den Dreh mit den Übungsjollen schnell heraus. Zur Vorsicht gingen die Trainer vom DSV per Motorboot und Stehpaddelbrett aber mit aufs Wasser.
Gaby Wolf
Seglerjugend-Roadshow am Uphuser Meer mit Schnuppersegeln und Wasserexperimenten für Drittklässler der hiesigen Grundschulen.
Gaby Wolf
Seglerjugend-Roadshow am Uphuser Meer mit Schnuppersegeln und Wasserexperimenten für Drittklässler der hiesigen Grundschulen.
Gaby Wolf
Wie bringen wir die Knete zum Schwimmen? Aylin, Greta und Helene (alle 9, v.l.) aus der Klasse 3b tüfteln nach ihrem Segeltörn im Tour-Labor zum Thema Auftrieb.
Gaby Wolf
Seglerjugend-Roadshow am Uphuser Meer mit Schnuppersegeln und Wasserexperimenten für Drittklässler der hiesigen Grundschulen: Wie ein Tornado entsteht, erkunden hier Greta und Helene (v.l.) von der Grundschule Wolthusen.
Gaby Wolf
Seglerjugend-Roadshow am Uphuser Meer mit Schnuppersegeln und Wasserexperimenten für Drittklässler der hiesigen Grundschulen.
Gaby Wolf
Auch der von Mitgliedern des Wassersportvereins Emden gebaute Simulator kam zum Einsatz. Hier übt Norwin (9) unter Anleitung von Reviervertreter Detlef Hillers auf dem Trockenen.
Gaby Wolf
Auch der von Mitgliedern des Wassersportvereins Emden gebaute Simulator kam zum Einsatz. Hier mit Reviervertreter Detlef Hillers, der die Roadshow des DSV, geeminsam mit den Wassersportvereinen der ostfriesischen Binnenmeere ans Uphuser Meer geholt hat.
Gaby Wolf20 Wolthuser Kinder aus der 3a und 3b waren am Mittwochvormittag an der Reihe. Auf dem Gelände des Freizeit- und Wassersportvereins Uphuser Meer (WSU) ging es erst mal ans Kennenlernen der Übungsjolle. Dazu hatten die fünf jugendlichen Trainer einen der sogenannten Bugs aufs Trockene geholt und dessen Bestandteile mit den dazugehörigen Segelbegriffen gekennzeichnet. Auch der von Mitgliedern des Wassersportvereins Emden (WVE) gebaute Simulator kam zum Einsatz, damit sich die Mädchen und Jungen schon mal auf das richtige Hantieren mit Segel, Schot und Pinne auf wackelndem Unterbau einstellen konnten.
Keine Langeweile
Danach ging es für die eine Hälfte aufs Wasser, die andere erkundeten bei Experimenten, was Boote zum Schwimmen bringt, wie Tornados entstehen oder Wasserdruck wirkt. Später wurde gewechselt. „Total toll, die Kinder haben überhaupt keine Langeweile, zwar einen nassen Hintern, aber wir haben ja Wechselklamotten dabei“, zeigten sich Lehrerin Petra Buse und Referendarin Melina Fischer begeistert vom Komplett-Paket, dem die örtlichen Segelvereine auf eigene Rechnung noch einen Bus-Shuttle beigefügt hatten.
Greta und Helene aus der 3b war vor ihrer Segel-Premiere allerdings schon etwas mulmig zumute, trotz Schwimmweste und trotz ihres Bronze-Schwimmabzeichens (auf Wunsch der Schulen Mindestbedingung für eine Teilnahme). Aber die Trainer hatten für alles ein Auge und blieben bei den Törns mit Motorboot und Stehpaddelbrett dicht dabei. „Wir sind nicht umgekippt“, erzählte Greta stolz. Auch Helena fand das Segel-Erlebnis schön, weiß aber noch nicht, ob sie damit weitermachen möchte.
Lilli dagegen, die bei einer anderen Probefahrt schon mal ungünstig steckengeblieben war, will dem Segeln nach dem jetzigen Schnuppern „doch noch mal eine Chance geben“. Ida wiederum hat bereits entschieden, dabeizubleiben. An der Grundschule am Wall, die am Dienstag da war, kam der Wunsch nach einer eigenen Segel-AG auf, bei den Loppersumern die Idee einer Lehrer-Fortbildung. Wie gut, dass Detlef Hillers, der als Gymnasiallehrer auch die Segel-AG am „Max“ leitet, da gleich einen Handzettel mit allen Adressen und Ansprechpartnern parat hatte – für künftige Abenteurer auf den ostfriesischen Binnenmeeren.
