Krummhörn - Der Frust bei den Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen die Schul- und Kitaschließungen in der Krummhörn ist groß. Aus einer Arztpraxis in Pewsum sind fünf ausgelegte Listen mit 40 Unterschriften entwendet worden. Und das kurz vor Ablauf der Frist, um die vollständigen Unterlagen im Rathaus einzureichen. Es ist bereits der zweite Vorfall dieser Art im laufenden Bürgerbegehren.
„Ich finde das wirklich beschämend. Wir zwingen doch niemanden zum Unterschreiben, wer nicht will, kann die Listen doch einfach ignorieren“, sagt Mitorganisatorin Stefanie Doolmann im Gespräch mit dieser Redaktion. Die Schulelternratsvorsitzende der Grundschule Greetsiel gehört neben Melanie Remijn (Schulelternratsvorsitzende Grundschule Loquard) zu den beiden Initiatoren des Bürgerbegehrens. „Ich habe keine große Hoffnung, dass die Listen wieder auftauchen“, sagt eine frustrierte Doolmann. Bereits zu Beginn der Aktion Mitte September gab es einen ähnlichen Fall. Auch dort kamen Listen weg.
Gegen Ratsbeschluss
„Es bestärkt uns aber einmal mehr, dass wir jetzt erst recht für unsere Schulen und Kitas kämpfen müssen“, ist sich die Greetsielerin sicher. Sie setzt sich für den Erhalt der Grundschulen in Loquard und Greetsiel sowie für die Kitas in Groothusen, Manslagt, Uttum und Loquard ein. Denn ein im Juli mit knapper Mehrheit gefasster Beschluss des Gemeinderates sieht vor, die beiden Schulen und die vier Einrichtungen zu schließen. Stattdessen sollen die Grundschulen Pewsum und Jennelt optimiert werden. Aus den Schulstandorten Loquard und Greetsiel sollen große Kitas werden.
Doch nicht alle Krummhörner sind damit einverstanden. Sie haben ein Bürgerbegehren bei der Gemeinde beantragt, für dass aktuell 1028 notwendige Unterschriften gesammelt werden müssen. Am kommenden Montag, 9. Oktober, endet die Frist. Dann wollen Doolmann, Remijn und ihre Mitstreiter die Unterschriften im Rathaus an Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) überreichen.
Zuspruch der BI
Wer hinter dem Listen-Diebstahl in der Praxis steckt, ist bislang nicht bekannt. Die Bürgerinitiative (BI) für den Erhalt der Grundschule Jennelt springt den Loquarder und Greetsieler Eltern in dieser Situation zur Seite. „Das ist überhaupt nicht tragbar und ein Angriff auf die direkte Demokratie“, sagt deren Sprecher Johannes Booken auf Anfrage der Redaktion. Zwar sei man für die Umsetzung des Ratsbeschlusses und somit gegen das Bürgerbegehren, deshalb aber Listen verschwinden zu lassen sei „absolut daneben“, wie Booken betont. Er geht fest davon aus, das ausreichend Unterschriften gesammelt werden. Sollte es dann zum Bürgerentscheid kommen, will die BI, wie bereits angekündigt, aktiv für den Ratsbeschluss werben.
Wie viele Unterschriften bislang für das Bürgerbegehren gesammelt wurden, will Stefanie Doolmann übrigens nicht verraten. Sie zeigt sich im Gespräch aber optimistisch und verweist auf den kommenden Montag.
