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Serie „Ostfriesisches Zweiradmuseum“ „Kling, Glöcklein, klingeling“ – die lange Karriere einer einfachen Erfindung

Gegossen, geprägt, geklebt: Im Lauf der Zeit wurde die Herstellungsweise der Klingeldeckel-Beschriftung  immer mehr vereinfacht.

Gegossen, geprägt, geklebt: Im Lauf der Zeit wurde die Herstellungsweise der Klingeldeckel-Beschriftung immer mehr vereinfacht.

Alf Hitschke

Emden - Eines der schönsten ostfriesischen Museen findet man auf den letzten Metern der Stadt Emden. Am Rand von Wybelsum, nicht weit vom Emsdeich, laden Dinus und Franziska Voß in ihr privates „Ostfriesisches Zweiradmuseum“ ein. Hunderte Ausstellungsstücke, darunter viele einsatzbereite Fahrzeuge, werden dort ebenso sachkundig wie liebevoll präsentiert. Und die allermeisten haben mit Emden und Ostfriesland zu tun. Heute stellt die Redaktion Kleinigkeiten vor, die Dinus Voß besonders am Herzen liegen: Händlerklingeldeckel. Mehr als 60 kann er schon präsentieren – beim Ausbau der Sammlung hofft er auch auf die Hilfe der Leser dieser Serie.

Wie vor ein100 Jahren

Manches ändert sich nie: Ein schmaler Weg, zu wenig Platz für Radfahrer und Fußgänger. Der Radfahrer klingelt, der Fußgänger springt laut schimpfend zur Seite. Das war vor 100 und mehr Jahren nicht anders als heute.

Warum sich das einfache Signalgerät so lange gehalten hat und nicht längst durch elektronische Nachfolger ersetzt wurde, erklärt die Straßenverkehrszulassungsordnung. In Paragraph 64a heißt es dort nach wie vor: „Fahrräder und Schlitten müssen mit mindestens einer helltönenden Glocke ausgerüstet sein; ausgenommen sind Handschlitten. Andere Einrichtungen für Schallzeichen dürfen an diesen Fahrzeugen nicht angebracht sein. An Fahrrädern sind auch Radlaufglocken nicht zulässig.“

Warum Fahrradklingeln in großer Zahl im Zweiradmuseum zu finden sind, erläutert Dinus Voß. Für ihn zählen Klingeldeckel mit den Namen von Fahrradhändlern zu den besonders geschätzten Ausstellungsstücken. Über 60 Stück präsentiert er bereits, und gerne würde er ihnen weitere zur Seite stellen. Wer sich von älteren Händler-Fahrradklingeln trennen mag, kann Kontakt zu Dinus Voß aufnehmen – im Gespräch lässt sich dann klären, ob das Stück museumsreif ist.

Überblick über die Branche

„Ich versuche auch so, die Geschichte der Mobilität in Ostfriesland zu bewahren“, sagt der Wybelsumer. Mit Hilfe von Klingeldeckeln? Aber ja: Fahrradhändler rüsten Fahrräder schon immer gerne mit Anbauteilen aus, die den Namen des Geschäftes tragen. Klingeln bieten sich dafür besonders an, denn sie sind vorgeschrieben. Besser, man schraubt sie nicht ab. Wer Klingeln sammelt, erhält so nicht nur manch schmuckes Stück, sondern vor allem einen Überblick über die Branche von den Anfängen des 20. Jahrhunderts bis heute.

Dabei ist es für den Sammler wie für den Besucher zwar erfreulich, dass früher ein weit größerer Aufwand getrieben wurde als heute, um den Namen des eigenen Geschäftes zu präsentieren: Einige Deckel der Sammlung sind aus Glockenbronze gegossen – was nicht nur sehr schön aussieht, sondern auch gut klingt, wie Dinus Voß betont. Aber was den Zweck dieser Sammlung angeht, sind spätere Exemplare mit geprägten, gefrästen oder auch einfach nur aufgeklebten Namen genau so interessant wie die prächtigen Frühwerke der Fahrradzubehörproduzenten, bei den die Händler bestellten.

Oft mehrere Standbeine

Das Wybelsumer Museum stellt die Klingeldeckel nicht einfach nur aus – der Besucher erfährt auch, was Dinus Voß über die teilweise seit Jahrzehnten nicht mehr existierenden Unternehmen herausgefunden hat. So verkaufte der Emder Peter Dirksen in seinem Fahrradhaus nicht nur Fahrräder und Zubehör, sondern auch Waffen und Munition, wie aus einer alten Zeitungsanzeige hervorgeht. Der Twixlumer Johann (oder Johannes) Hinrichs betrieb eine Schmiede und verkaufte auch Fahrräder. Interessant auch Hinrichs’ Kollege Fritz Petersen aus Loquard. Der Mann ging mit der Zeit und gründete eine Fahrschule. „Für alle Klassen“, wie auf einem „Lehrbuch Führerscheinklasse 3“ der Fahrschule Fritz Petersen zu lesen ist.

Das „Ostfriesische Zweiradmuseum“ ist ein Privatmuseum. Es kann nur nach Anmeldung besichtigt werden, da Dinus Voß berufstätig ist. Möglich ist eine Anmeldung unter der Telefonnummer 04921/9934334 oder im Internet auf der Homepage des Museums:

https://ostfriesisches-zweiradmuseum.de/kontakt

Die Adresse: Folkertswehrstraße 7, 26723 Emden

Alf Hitschke
Alf Hitschke Emder Zeitung
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