Emden - Mehr Sicherheit in der Friesentherme für alle Schwimmer: Mit einer digitalen Kameraüberwachung, die Bewegungen in den verschiedenen Becken des Hallenbades in Echtzeit aufzeichnet, bekommen die acht Schwimmmeister technische Unterstützung, um früh genug zu bemerken, ob einer der rund 150.000 Schwimmer im Jahr in Not ist und droht, zu ertrinken.
Das System ist bisher noch in keinem öffentlichen ostfriesischen Hallenbad zu finden, erklärte der Betriebsleiter der Emder Friesentherme, Björn Molter, während eines Pressetermins. Alle Schwimmmeister – meistens seien drei, aber mindestens zwei gleichzeitig im Einsatz – sind über eine Smartwatch mit den Aufzeichnungsgeräten verbunden. Sobald etwas Ungewöhnliches registriert wird, gibt die Uhr ein Signal in Form von Vibration und Ton. Auch ist auf dem Display zu erkennen, wie viele Personen sich gerade in den einzelnen Becken aufhalten. Ebenso können die Schwimmmeister über diese Uhr miteinander kommunizieren.
Toter Winkel
„Wenn man jetzt hier im Bad steht und auf alle Becken schaut, dann gibt es immer wieder einen sogenannten toten Winkel“, erklärte Molter. Fast alle der knapp 40 Schwimmer waren zu sehen, aber eine Frau im Erlebnisbecken war hinter einem Vorsprung verschwunden. Molter: „Dann hätten wir nicht mitbekommen, wenn sie ein Problem gehabt hätte und im schlimmsten Fall ertrunken wäre.“
So etwas passiert in Hallenbädern relativ selten, wenn es sich nicht um einen Unfall handelt. Insgesamt ertranken 2022 laut DLRG-Statistik 355 Menschen. Doch diese führt alle Badeunfälle auf. Vor allem in Baggerseen, im Meer und in Flüssen ist die Gefahr zu ertrinken, erheblich höher als in bewachten Hallenbädern.
Immer auf dem Laufenden, wie viele Schwimmer wo zu finden sind: Auf solche Uhren werden die Daten übermittelt. Bild: Ute Lipperheide
„Wir gehen mit diesem System der Firma Lynxight ein Stück weit auf Nummer sicher“, erläuterte Jens Gieselmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe und der Stadtwerke Emden. Die Wirtschaftsbetriebe sind für das Bad verantwortlich, betrieben wird es von der GMF. Rund 30.000 Euro kostet die Überwachung für drei Jahre. Die Eintrittspreise müssen deshalb aber nicht erhöht werden. Bademeisterstellen will man damit auch nicht einsparen. Gieselmann: „Es ist eine zusätzliche Sicherung und ein weiterer Aspekt, um unsere Besucher zu schützen.“ Vor allem, wenn das Bad sehr voll ist, wäre es schwierig, alle Badegäste im Blick zu behalten. „Es ist wichtig, möglichst schnell zu erkennen, ob ein Schwimmer in Schwierigkeiten ist. Dann kommt meistens die Hilfe noch früh genug“, führte Molter aus.
Saunateich ausgespart
Mit Hinweistafeln wird jetzt auf das neue „Überwachungssystem“ im Bad aufmerksam gemacht. Alle 60 Sekunden werden die Aufzeichnungen gelöscht. Auch wird überlegt, ob im Saunabereich im Kaltschwimmteich mit dem System gearbeitet werden soll. Gieselmann: „Das ist zwar ein Sicherheitsaspekt, doch ein sensiblerer Bereich. Da warten wir noch etwas ab.“
Schwimmmeister Lars Ostendorp ist ganz angetan von der neuen digitalen Überwachung: „Das heißt ja nicht, dass wir weniger aufmerksam sind, aber es hilft, schnell genug zu erkennen, wenn etwas los ist“, sagte er dieser Redaktion. Bisher waren die Signale auf der Uhr „zum Glück“ nur Fehlalarme. „Das bleibt hoffentlich auch so“, sagte Molter und verwies noch einmal darauf, dass es bereits Erfahrungen mit der Anlage gibt, nämlich in anderen Bädern der GMF. Diese seien allesamt positiv.
