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Ex-Junkie besucht Emder Schule „Süchtig werden nicht nur Arschlöcher“

Erzählte den Neuntklässlern am Max-Windmüller-Gymnasium schonungslos von seiner Suchtgeschichte – und wie er am Ende noch die Kurve bekam: Ex-Junkie und Bestseller-Autor Dominik Forster aus Nürnberg.

Erzählte den Neuntklässlern am Max-Windmüller-Gymnasium schonungslos von seiner Suchtgeschichte – und wie er am Ende noch die Kurve bekam: Ex-Junkie und Bestseller-Autor Dominik Forster aus Nürnberg.

privat

Emden - Zweieinhalb Jahre Gefängnis, 23 000 Euro Schulden, Obdachlosigkeit: Mit Anfang 20 ist Dominik Forsters Leben völlig verpfuscht. Doch er rappelt sich wieder auf, kommt von den Drogen los, lernt eine Frau kennen, wird Vater und – Bestsellerautor. Wie es ihm gelungen ist, Abhängigkeit und Kriminalität hinter sich lassen, und auch, wie es beinahe nicht dazu gekommen wäre – darüber hat 35-jährige Nürnberger jetzt vor Neuntklässlern des Max-Windmüller-Gymnasiums gesprochen.

Seine Botschaft: „Jeder Süchtige hat eine Geschichte. Niemand hat vor, süchtig zu werden.“

Abwärtsspirale

Bei ihm ist es ein Sturz durch ein Glasdach im Alter vom zehn Jahren, der eine Abwärtsspirale in seiner Familie auslöst. Forsters Mutter erleidet einen Nervenzusammenbruch, wird medikamentenabhängig. Sein Vater tröstet sich mit Alkohol. Forsters Bruder ist heute ebenfalls süchtig. Seine Eltern beschrieb Forster trotz ihrer Schwerstabhängigkeit als liebevoll – für ihn der Beweis: „Süchtig werden nicht nur Arschlöcher.“

Kam mit seinen ungewöhnlichen Vortragsmethoden gut an: Dominik Forster nach dem Vortrag im Kreise seiner Zuhörer. Bild: privat

Kam mit seinen ungewöhnlichen Vortragsmethoden gut an: Dominik Forster nach dem Vortrag im Kreise seiner Zuhörer. Bild: privat

Forster selbst kann nicht an seine früheren Schulleistungen anknüpfen. Er wechselt zur Hauptschule, wird zum Außenseiter. Ausgerechnet eine Jugendfreizeit öffnet das Tor zur Droge Alkohol („wer am meisten trinken konnte, galt als der Coolste“). Erst widersteht er, steigt später aber umso heftiger ein. Unter Anfeuerungsrufen der anderen kippt er zwei „Pumpermaß“ nacheinander hinunter, je einen Liter Bier mit 20 Schnäpsen. Obwohl er sich heftigst übergibt und „nie wieder“ schwört, geht es wenig später weiter. „Auf einmal wurde ich gefeiert und gehörte dazu“, beschrieb Forster den Max-Schülern den damaligen Sog.

Schnell kommen weitere Drogen hinzu: Cannabis, Speed, Ecstasy. Mit dem Rausch beginnt das Dealen. LSD und Pilze folgen, irgendwann Crystal Meth. Dann erwischt ihn die Polizei. In der Jugendhaft ist er wieder Außenseiter, darum beginnt eine Therapie. Nach seiner Entlassung wird er zwar rückfällig, begibt sich aber in Nachsorge, um „draußen“ bleiben zu dürfen – und lernt den Sozialarbeiter Norbert Wittmann kennen. Dieser nimmt den Ex-Junkie schließlich mit an die Schulen, damit er dort zur Warnung seine Geschichte erzählt. Die Kids hören ihm zu. Forster hat seine Lebensaufgabe gefunden.

Schul-Kooperation

Inzwischen hat er drei Bücher geschrieben, viele Interviews gegeben und unzählige Schulen besucht, wo er Klartext mit den Jugendlichen redet: „Drogen sind geil – aber machen dich kaputt.“ „High-Sein“ müsse anders und ohne Rauschmittel gelingen, indem man sich selbst positive Gefühle verschafft. Wie das geht, ist Teil eines Programms, das Forster im kommenden Schuljahr am „Max“ in Kooperation mit Beratungslehrer Detlef Hillers und den Lehrern des 9. Jahrgangs begleiten wird. Der Vortrag zum Auftakt kam schon mal gut an – Tenor unter den Neuntklässlern: „Man hat echt was mitgenommen.“

Gaby Wolf
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