Emden - Alt-Oberbürgermeister Alwin Brinkmann sagte kürzlich bei einer Veranstaltung, die Umzüge am 1. Mai seien in den 1950er-Jahren absolutes Muss gewesen. Das ist in Emden schon immer so gewesen, wie Fotos belegen. Da ist etwa eine Aufnahme aus der Großen Straße, die irgendwann in den 1920ern entstanden ist und die Emder KPD in Marschformation mit Trommel und Trompete zeigt. Das Transparent mit der Kampflosung „Proletarier aller Länder vereinigt euch“ darf ebenso wenig fehlen wie die Konterfeis von Lenin und Rosa Luxemburg. Im Hintergrund ist das alte Krankenhaus zu sehen, das im Laufe der Kundgebung nicht selten eine Rolle spielte. Schließlich waren die preußischen Polizeibeamten nicht zimperlich mit dem Schlagstock, wenn es darum ging, die „roten Gesellen“ zur Räson zu bringen.
1952 in der Kranstraße
Glücklicherweise viel friedlicher, aber nicht weniger kämpferisch ging es am 1. Mai 1952 in der Kranstraße zu. Jakobus Nauschütt, 1. Steuermann auf dem Tonnenleger „Friesland“, nimmt seinen zehn Jahre alten Sohn Uwe mit zum Mai-Umzug. „Ich erinnere mich noch gut daran. Die Umzüge endeten immer auf dem Rathausplatz, wo dann große feurige Reden gehalten wurden“, sagt Uwe Nauschütt heute. Heiße Reden machen durstig, sodass Vater und Sohn im Anschluss an das im Delft vertäute Restaurantschiff „Grenzland“ einkehrten. Vater Nauschütt und seine Mitstreiter tranken dann ihr Bierchen, das – Sicherheit geht vor – mit Doornkaat verdünnt wurde. Sohn Uwe blieb bei der spendierten Cola.
Emden Tag der Arbeit Damals
Umzug in finsterer Zeit
Nicht so klebrig wie Cola, dafür aber kniffelig, war die Einordnung des letzten Bildes. Es handelt sich um einen Mai-Umzug in den 1930ern Jahren, als gerade die Männer der technischen Abteilung der Nordseewerke durch die Ringstraße ziehen.
Hinten links ist ein Wohnhaus in der Medmannstraße zu sehen. Dietrich Janßen, Hobby-Historiker und Mitglied im Stamm der Adleraugen, entdeckte am Wohnhaus eine gehisste Hakenkreuz-Fahne. Ein Mai-Umzug in finsterer Zeit.
