Emden - Am Dienstag, den 13. Februar 1979 sollte auf den Thyssen-Nordseewerken auf dem Neubau der M/S Garinda der Reederei P&O eine Maschinenerprobung stattfinden. Nach etlichen Vorgesprächen mit Vertretern der Reederei, hier das beauftragte Büro „Three Quays“ aus London, Vertretern der MAN sowie mit der Firma Siemens für die Automation und Klassifikation LR wurde auf Liegeplatz I die Maschinenstandprobe festgelegt. Der Neubau war ein 55 000 Kubikmeter großer LPG-Tanker, dem noch drei Schwesterschiffe folgten.
Die Erprobung musste nachts durchgeführt werden, weil man sonst den Hafenbetrieb störte. Es war ein enger Terminplan. Nach der Standprobe war das Trockendock reserviert. Stapellaufvorrichtungen entfernen, Bodenanstrich. Danach Werftprobefahrt und Gaserprobung am Liegeplatz am Middelmantje.
Ein ungewöhnlicher Winter im Februar 1979: Die Bundeswehr rückt in Panzern vor, um Menschen in abgelegenen Gebieten zu versorgen oder zu retten. Bild: privat
Es fängt an zu schneien
Um 19 Uhr versammelten sich alle Teilnehmer, und die Nordseewerker-Crew nahm die zugewiesenen Positionen ein. Die Brückenwache, hier Takler Hartmann, nahm seinen letzten Rundgang vor, kontrollierte die Warnschilder und Festmacherleinen und gab sein OK. Der Hauptmotor wurde um 19.30 Uhr gestartet und die Erprobung begann nach Programm. Um 22.30 Uhr kam ein Telefonanruf von der Brücke: Es fängt an zu schneien. Wir machten uns keine großen Gedanken. Um sechs Uhr beendeten wir den ersten Tag der Standprobe. Als wir den Maschinenraum verließen, sah man überall heftige Schneeverwehungen. Wir zogen uns noch einmal zur Besprechung zurück – wie soll der Nachhauseweg organisiert werden und wie soll die Fortsetzung der Standprobe erfolgen?
Keine guten Nachrichten
Ein Teil der Crew der Nordseewerke, Mitarbeiter die von außerhalb kamen, hatten schon Kontakt mit ihren Familien aufgenommen und vernahmen keine guten Nachrichten. So wurde entschieden, dass mehrere Werker in den Werkstätten verbleiben sollten, und dass die Standprobe fortgesetzt werden sollte. Das Fachpersonal der Fremdfirmen wohnte im Hotel Schmidt, dem Bahnhofhotel an der Petkumer Straße.
Ich war mit dem Auto zur Werft gefahren und trat meine Heimfahrt nach Hinte an. Durch die Stadt und über die Auricher-Landstraße gab es kein Problem. Das Problem trat aber zur Abbiegung nach Hinte ein. Ein Bauer mit Schneeräumgerät versuchte die ersten Schneewehen zur Seite zu schieben. Die Landstraße war nicht mehr befahrbar; so nahm ich die Hans-Böckler-Allee. Ich kam bis zur Abbiegung Nordlandstraße, meinem Zuhause, und blieb in einer Schneewehe stecken. Es waren nur noch einige Meter zu Fuß bis nach Hause.
Um die Mittagszeit rief ich bei der Werksfeuerwehr der Nordseewerke an, sie möchte das bestellte Mittagessen für die zurückgebliebenen Werker bei Fenna Haase abholen.
Mit Skiausrüstung
Um 17 Uhr machte ich mich auf den Weg zu den Nordseewerken, ausgerüstet mit kompletter Skiausrüstung. Ich nahm den Weg Hans-Böckler-Allee, Kurt-Schuhmacherstraße, und dann den Landwirtschaftsweg bis Harsweg. Es war kein einfacher Weg. An der Auricher Straße traf ich auf meinen Kollegen Franz Huismann und wir marschierten weiter zur Werft.
Kurze Besprechung an Bord, alle waren wieder pünktlich vor Ort. Wir setzten die Standprobe fort und beendeten die Erprobung erfolgreich um fünf Uhr.
Die Wetterlage hatte sich weiterhin extrem verschlechtert und der Nachhauseweg war durch die Schneeverwehungen bedeutend schwieriger geworden. Um acht Uhr bin ich dann wieder in der Nordlandstraße eingetroffen. Mein Fazit: Auch bei einer Schneekatastrophe konnte man sich auf die Nordseewerker verlassen, die stark zu ihrem Arbeitsplatz standen. Für mich ein bleibendes Erlebnis.
