Emden - „Jaaaaa!“ – „Neiiiiin!“ – „Nun warte doch!“ Die Mädchen und Jungen aus der zweiten Klasse der Grundschule Westerburg waren am Dienstagmorgen im Werkraum kaum zu bremsen. Nicht, weil es da ums Sägen ging, sondern um die pfiffige Gans Anna, das toffelige Schwein Detlef, Extrem-Energiesparer Toni und Mega-Stromverschwenderin Roberta Power – ihres Zeichens Puppenfiguren. Die allerdings waren nicht mit einer professionellen Bühne nach Borssum gekommen, sondern direkt aus dem Emder Ökowerk.
Knuffige Vermittler
Die knuffigen Vermittler – hinter denen Joachim Grüner und Sina Krüger als Puppenspieler sowie Neele Alberts und Ole Stampka als Technik-Assistenten steckten – leiteten unterhaltsam ins Thema Energie ein und lotsten die Kinder spielerisch auf die Spur, wie man durch kleine Einspar-Routinen im Alltag der Umwelt etwas Gutes tun kann, ohne gleich komplett abends im Dunkeln sitzen und kalte Suppe löffeln zu müssen. Und die Zweitklässler gingen richtig mit – so, wie sich Ökowerk, Stadt und Stadtwerke das vorgestellt hatten. Denn das Puppentheater ist Teil des gemeinsamen Projekts „Energie sparen an Schulen“ (E-SPAS), das seit 2009 jedes Jahr in den zweiten Klassen aller Emder Grundschulen startet und bis zum Ende der vierten Klasse noch vier weitere Projektstufen durchläuft.
Fünf Projektphasen
„In der Puppenspiel-Phase wollen wir vermitteln, dass es darum geht, beim Energieverbrauch einen verträglichen Mittelweg zu finden“, erläuterte Umweltpädagogin Karin Hruska-Quest. In Phase zwei bekommen es die Zweiklässler mit Experimenten zu tun. „Da geht es um Fragen wie: Was ist Energie? Welche Formen gibt es und in welche kann man diese umwandeln.“
Schwarzer Kasten mit rotem Vorhang, muntere Musik vom Band, putzige Puppen – schon waren die Kinder wie gebannt.
Gaby Wolf
Schwein Detlef und Gans Anna haben sich schlafen gelegt und träumen von Extrem-Energiesparer Toni und Strom-Verschwenderin Robert Power.
Gaby Wolf
Einmal streicheln bitte: Nach dem Stück traten die Puppenspieler Joachim Grüner und Sina Krüger vom Ökowerk mit den Figuren vor die Bühne.
Gaby Wolf
Im Anschluss gab es „Autogrammkarten“ der Puppenfiguren zum Ausmalen.
Gaby Wolf
Sina Krüger absolviert im Ökowerk gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr und war in der Westerburgschule Teil des Puppenspieler-Teams.
Gaby WolfMit dem Wechsel in die dritte Klasse greifen Phase drei (Energiespar-Experimente) und Phase vier (Kreativ-Spiel zum Erkennen von verschwenderischem Verhalten). Zum Finale in der vierten Klasse tauchen dann noch einmal Gans Anna und Schwein Detlef auf, um sich mithilfe der Kinder ein Wettrennen nach Art eines Brettspiels zu liefern. Um ins Ziel zu kommen, müssen natürlich Aufgaben und Rätsel zum Energiesparen gelöst werden.
Rückmeldung der Eltern
Über 5000 Emder Schulkinder haben auf diese Weise schon am E-SPAS-Programm teilgenommen. Doch hat das auch was gebracht? „Den Erfolg zu messen, ist schwierig“, räumt Hruska-Quest ein. „Aber Anrufe von Eltern, die uns sagen, dass ihr Kind jetzt dafür sorgt, dass das Licht nicht zu lange brennt, die Heizung nicht zu hoch gestellt ist oder lieber mal kurz durchgelüftet wird, anstatt die Fenster ständig auf Kipp zu stellen, sind natürlich eine schöne Rückmeldung für uns.“ Und, so ergänzte sie: „Wir freuen uns darüber, dass wir nach über 13 Jahren die Kinder immer noch begeistern können.“
In der Westerburgschule war das am Dienstag nicht zu übersehen. Schwarzer Kasten mit rotem Vorhang, muntere Musik vom Band, ein kleiner Zaubertrick – schon waren die Kinder wie gebannt. Dass das ein guter Einstieg ist, fand auch die Klassenlehrerin der 2a, Kari Anderson. „Und das Projekt hat Wirkung, das habe ich in meiner letzten Klasse gesehen.“ So habe das Thema die Kinder im normalen Schulalltag weiter beschäftigt. So sei etwa fleißig dran erinnert worden, das Licht im Klassenraum auszumachen, bevor es zur Pause auf den Hof ging. Dass einiges hängenbleibt, bestätigte auch Klimaschutzmanager Jann Gerdes (Stadt Emden), der am Dienstag gemeinsam mit den Stadtwerke-Vertreterinnen Regina Joesten und Anna Popppinga im Publikum saß: „Seit meine beiden Söhne das Projekt durchlaufen haben, heißt es zu Hause immer: „Tu nicht so viel Wasser in den Wasserkocher.“
