Emden - Nur gut acht Wochen nach der schweren Havarie in einem Windpark vor der ostfriesischen Nordseeküste, kann der dabei schwer beschädigte Frachter „Petra L.“ den Emder Hafen jetzt wieder verlassen. Nach einer erneuten Kontrolle durch Experten der Berufsgenossenschaft Verkehr (BG) hat die zuständige Dienststelle Schiffssicherheit am Freitagvormittag grünes Licht für das Auslaufen gegeben. Das bestätigte Christian Bubenzer von der BG Verkehr in Hamburg auf Anfrage dieser Redaktion. Ob und wann das zwischenzeitlich bei der Emder Werft und Dock GmbH (EWD) reparierte Schiff auslaufen wird, blieb dagegen unklar. Am Freitagnachmittag lag das 74 Meter lange Küstenmotorschiff (Kümo) jedenfalls weiterhin im Stichkanal am Kai der ehemaligen Nordseewerke.
Glück gehabt
Bei der Kollision rund 45 Kilometer vor der niedersächsischen Küste Ende April dieses Jahres hatte das Schiff nach Angaben des Windpark-Betreibers Ørsted die Bootsanlegestelle einer Windkraftanlage beschädigt. Das Schiff, das unter der Flagge Antiguas fährt, steuerte danach den Emder Hafen an und hatte dabei nach Einschätzung von Schifffahrtsexperten Glück, bei etwas höheren Wellen unterwegs nicht gekentert zu sein. Es hatte ein metergroßes Loch in der rechten Außenhaut des vorderen Rumpfes, woraufhin Ermittlungen aufgenommen wurden. Die laufen derzeit offenbar immer noch. Der Kapitän soll sich bislang nicht zu den Umständen der Kollision geäußert haben.
Bereits am Unfalltag konnte man auf der Echtzeit-Online-Seite von MarineTraffic die Route des aus Polen kommenden Schiffes nachträglich einigermaßen genau verfolgen. Dort war zu erkennen, dass die „Petra L“, die früher auch unter den Namen „Lisa D.“, „Rachel“ und „Sunergon“ unterwegs war, nordwestlich der ostfriesischen Inseln Juist und Norderney für einige Zeit deutlich an Fahrt verloren, vielleicht sogar kurz gestoppt hatte, nachdem sie kurzfristig von der geraden Route abgekommen war. Ob es dort zu dem Zusammenstoß gekommen ist, war erst im Nachhinein anzunehmen. Tage später meldete der Windpark-Betreiber den Schaden an einer seiner Anlagen.
Wesentliche Mängel
Bei der überwiegend technischen Nachkontrolle auf der „Petra L.“ überprüften am Freitag ein Nautiker und ein Ingenieur der BG Verkehr aus Bremerhaven, ob eine zuvor ausgestellte längere Mängelliste abgearbeitet worden ist. Diese war bereits unmittelbar nach Eintreffen des Havaristen in Emden von den Behörden aufgestellt worden. Darauf waren nach Informationen dieser Redaktion insgesamt neun wesentliche Punkte aufgeführt: Das etwa 4,5 Meter große Loch am Bug war dabei erwartungsgemäß der schwerwiegendste Mangel, dicht gefolgt von einem technischen Fehler am Magnetkompass des Kreiselkompasses. Auch der ist jetzt behoben. Was genau die EWD in den vergangenen Wochen am Schiff reparieren musste, ist nicht bekannt. Die Werft schweigt zum Auftrag. Feststeht: Die „Petra L.“ ist wieder fahrbereit und dürfte auch wieder fahren. Wohin auch immer.
