Emden - Am Ende einer fast dreistündigen Probe in der eiskalten Neuen Kirche ist Regisseur Werner Zwarte ausgesprochen zufrieden mit den Spielerinnen und Spielern. Schließlich ist es das erste Mal, dass das Stück „Melanie Schulte“ komplett im Kostüm und am späteren Aufführungsort durchgespielt wird. Es ist die Geschichte jenes Schiffes, das beim Stapellauf steckenblieb und daraufhin als Unglücksschiff angesehen wurde. Auf der zweiten Reise vor Schottland verschwand es in der Nacht auf den 22. Dezember 1952 plötzlich. Die Seeamtsverhandlung über den vermutlichen Untergang der „Melanie Schulte“ ist die Grundlage des Theaterstücks, das Museumspädagogin Ilse Frerichs geschrieben hat und das am Samstag, 15. April, nach mehreren Verschiebungen nun Premiere feiert.
Zwei parallelen Welten
Gearbeitet wird in zwei parallelen Welten: Die Seeamtsverhandlung von 1953 bildet den roten Faden. In Rückblenden geht es zudem um persönliche Belange – um die Freude des Seemanns, der sich glücklich schätzt, auf letzter Minute einen Job an Bord bekommen zu haben. Um den Funker, der seiner Familie ein Weihnachts-Telegramm schickt, das diese in Händen hält, als er schon tot ist. Um den Nieter, der stolz ist auf seine handwerkliche Arbeit an der „Melanie Schulte“.
Kostümprobe in der Neuen Kirche, dem Aufführungsort des Theaterstücks um das Unglück der „Melanie Schulte“.
Sascha Stüber
Kostümprobe in der Neuen Kirche, dem Aufführungsort des Theaterstücks um das Unglück der „Melanie Schulte“.
Sascha Stüber
Kostümprobe in der Neuen Kirche, dem Aufführungsort des Theaterstücks um das Unglück der „Melanie Schulte“.
Sascha Stüber
Kostümprobe in der Neuen Kirche, dem Aufführungsort des Theaterstücks um das Unglück der „Melanie Schulte“.
Sascha Stüber
Kostümprobe in der Neuen Kirche, dem Aufführungsort des Theaterstücks um das Unglück der „Melanie Schulte“.
Sascha Stüber
Kostümprobe in der Neuen Kirche, dem Aufführungsort des Theaterstücks um das Unglück der „Melanie Schulte“.
Sascha Stüber
Kostümprobe in der Neuen Kirche, dem Aufführungsort des Theaterstücks um das Unglück der „Melanie Schulte“.
Sascha StüberEmotionale Dramen
Der Bühnenraum vor der Kanzel ist dreigeteilt. Die Mitte wird beherrscht von den drei Männern, die die Seegerichtsverhandlung leiten und dazu Experten befragen, die nach und nach einzeln vor das Gremium treten und ihre Aussage machen.
Links und rechts spielen sich jene emotionalen Dramen ab, die deutlich machen, wie sehr der Untergang des damals hochmodernen Schiffes die Menschen so schockierte und warum die Nacht im Dezember 1952 nach wie vor im kollektiven Gedächtnis der Stadt eine Rolle spielt.
Bei der Probe am Samstag haben die Spieler Kleidung der 1940er oder 1950er Jahre an, alle sind textlich gut drauf. Es geht jetzt darum, die gesamte Inszenierung möglichst ohne große Unterbrechungen durchlaufen zu lassen, um die Wirkung einschätzen zu können. Wer muss wo stehen, um seinen Auftritt leisten zu können? Wie kommt man am besten an seinen Platz? Wie laut muss man sprechen, um in dem hallenden Raum auch gehört zu werden? Was muss noch an der Feinabstimmung verändert werden?
„Absolute Ruhe“
Die Spieltermine sind: 15., 16., 18., 19., 21., 23., 26., 28. und 29. April.
Der Einlass ist um 20 Uhr, Beginn der Vorstellung um 20.30 Uhr.
Der Eintritt kostet 25 Euro, ermäßigt 7 Euro.
Reservierung sind möglich bei Kulturevents, Alter Markt 2a,Tel. 0 49 21 / 87 12 66 oder kulturevents@emden.de.
Dann fordert Zwarte „absolute Ruhe“, mahnt noch einmal lautes und deutliches Sprechen an und erklärt, dass man die Südwand nutzen werde, um Bildmaterial zu projizieren – zur Erklärung für das Publikum und als zusätzliches Medium. Dann ertönt die Stimme von Hans Albers. Sein „Es weht der Wind von Norden“ geht in heftiges Meeresrauschen über. Das Spiel beginnt.
Dabei ergibt sich die größte Spannung aus dem nüchtern-geschäftsmäßigen Ton der Verhandlung – die zu dem Schluss kommt, es habe sich hier um „höhere Gewalt“ gehandelt – und der menschlichen Dimension des maritimen Dramas. Als ganz zum Schluss die 35 Namen der untergegangenen Seeleute in schier endloser Reihe verlesen werden, wird es still. Und als Ilse Frerichs dann noch leise flüstert, sie habe gerade erst ermittelt, dass bei dieser Inszenierung exakt 35 Spielerinnen und Spieler auf der Bühne stehen, vertieft sich ein Unbehagen, das ohne jedes weitere Wort im Raum hängt.
