Emden - Potenzielle Wasserausflügler waren am Mittwoch zwar noch nicht in Sicht, trotzdem ist zum Saisonauftakt beim Bootsverleih am Wasserturm ordentlich Betrieb gewesen. Mitarbeiter des Vereins „Das Boot“ für seelische Gesundheit, Bewohner der Heiminternen Tagesstruktur und Nutzer der Tagesstätte zogen zu Fuß, per Kajak und Tretboot zum Reinemachen am und auf dem Emder Stadtgraben los.
Der Bootsverleih am Wasserturm ist ab sofort bis einschließlich Herbstferien täglich geöffnet, allerdings nur bei trockenem Wetter. Betrieben wird er vom Verein „Das Boot“, um Touristen und Ausflüglern Erlebnisse auf dem Wasser zu bieten. Es ist aber auch ein Beschäftigungsprojekt für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, die je nach Vermögen stundenweise dort tätig werden können.
Öffnungszeiten sind montags bis freitags 14 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags, an Feier- und Ferientagen von 11 bis 18 Uhr. Kontakt: 0170/4422310.
Die Flotte besteht aus elf Tretbooten, neun Kajaks und sechs Kanus. Sie wird jedes Jahr Stück für Stück erneuert.
Die Preise betragen pro Boot inklusive Zubehör für ein Einer-Kajak: acht Euro (eine Stunde), 13 Euro (zwei Stunden), 16 Euro (drei Stunden) oder 24 Euro (Tag). Für Zweier-Kajak, Kanu und Tretboot gelten: zehn Euro (eine Stunde), 16 Euro (zwei Stunden), 20 Euro (drei Stunden) oder 30 Euro (Tag).
Angespornt durch die neue Freiwilligen-Aktion #emdenmacht, schnappten sich 18 Männer und Frauen (die älteste 70 Jahre alt) Tüten, Handschuhe, Harke und Greifer, um Ufer und Wasserroute müllfrei und damit wieder schick für die neue Verleihsaison zu machen. „Sollten wir größeren Schrott aus dem Graben fischen, wollen wir eine Skulptur daraus schweißen“, sagte Sabine Semken, Leiterin der Abteilung Tagesstruktur, Arbeit und Beschäftigung. Dieser Vorschlag sei aus den Reihen der Bewohner gekommen.
Vorgänger zurück in Lettland
Während sich Ergo-Praktikantin Johanna Albers und Dual-Studentin Jenne Hempel mit „ihren“ Teilnehmern auf die entsprechende Pirsch begaben, machte „Boot“-Mitarbeiter Norbert Rau schon mal die Verleihhütte am Wasserturm klar. Nachdem Vorgänger Uldis Vanags nun endgültig in Rente und zurück nach Lettland gegangen ist, um dort mit seiner Familie einen Selbstversorger-Hof aufzubauen, ist nun er das Gesicht des Bootsverleihs. Bis einschließlich der Herbstferien wird sich der 61-Jährige federführend um die Ausgabe der elf Tretboote, neun Kajaks und sechs Kanus kümmern. Eine Premiere für den gebürtigen Dortmunder, auch wenn er schon mit schwimmenden Untersätzen zu tun hatte.
Fünf Jahre lang war der Allround-Handwerker, der vor 20 Jahren nach Emden kam, über ein Teilhabeprojekt beim Museumslogger beschäftigt, dann bei der Tjalk des Arbeitskreises für historischen Schiffbau. Zuletzt aber schlugen ihn Corona und Rücken-OP aus dem Feld. Nun folgt mit halber Stelle der Neustart beim „Boot“ mit Tretboot und Co. „Ich habe mich kontinuierlich verkleinert“, fasste Rau es scherzhaft zusammen. „Als Nächstes kommen dann Buddelschiffe.“
Erst einmal aber soll der Bootsverleih nach der Winterpause wieder an den Start kommen. Rau sieht sich da auch in der Entertainer-Rolle - seine Strategie: nicht nur freundlich gucken, sondern die Leute ansprechen.
Helfer willkommen
Allein wird er den Verleih aber nicht wuppen können. Damit bei gutem Wetter täglich und auch sonn- und feiertags geöffnet werden kann, soll noch ein Mini-Jobber dazukommen. Unterstützung durch Praktikanten und FSJ-ler (Freiwilliges Soziales Jahr) ist ebenfalls geplant. Zudem bietet das „Boot“ Menschen mit psychischen Problemen damit ein weiteres Projekt, um stundenweise wieder eine Beschäftigung und Tagesstruktur zu kommen. „Aber auch freiwillige Helfer sind immer willkommen“, sagte Semken.
Stichwort „freiwillig“: Die mehrstündige Müllsammel-Aktion der „Boot“-Leute am Mittwoch war am Ende zwar ergiebig, das mit der Schrott-Skulptur muss aber trotzdem aufs nächste Jahr verschoben werden. Denn Großfunde gab es nicht. „Nur sieben volle Säcke mit ,normalem’ Müll“, bilanzierte Semken.
