Emden - Die Drosselung der Produktion von Elektro-Fahrzeugen im Emder VW-Werk hat offenbar sogar Auswirkungen auf den Aktien-Kurs des Konzerns gezeigt. Das zumindest ist die Einschätzung von Analysten, die von mehreren Wirtschaftsmagazinen und Börsenportalen veröffentlicht worden sind. Danach ist die Volkswagen-Aktie nach Bekanntwerden der Probleme in Emden am Dienstag zwischenzeitlich um 2,4 Prozent gesunken. Allerdings war die VW-Aktie auch davor bereits auf Talfahrt.
Volkswagen reagierte darauf mit der Prognose, dass die Auslastung des Emder Werkes mit Markteinführung des ID.7, dem „Elektro-Passat“, Ende des Jahres schon wieder steigen werde. Das ist auch die Hoffnung des Betriebsratsvorsitzenden Manfred Wulff und der Werksleitung.
Am Montag war bekannt geworden, dass VW in Emden die Werksferien für die Beschäftigten in der Elektro-Produktion um eine Woche verlängert, die Spätschicht dort für zwei Wochen ganz streicht und auch mindestens 300 Leiharbeiter freisetzen wird. Der Grund: Die Nachfrage nach den Elektro-Modellen liegt laut Betriebsrat 27 Prozent unter den konzerninternen Erwartungen.
Keine Verbesserung
„Die Tatsache, dass Volkswagen die Zahl der Leiharbeiter reduziert und eine Schicht streicht, signalisiert allerdings, dass es nicht davon ausgeht, dass sich die Situation kurzfristig verbessert.“ Mit diesen Worten zitiert unter anderem das Fachmagazin Wirtschaftswoche den Analysten Daniel Schwarz vom Brokerhaus Stifel. Ein weiterer Analyst der Privatbank Metzler gab allerdings auch der Verurteilung des ehemaligen Audi-Chefs Rupert Stadtler im Zuge des Diesel-Skandals eine Mitschuld am Einbruch der VW-Aktie.
Bundesweite Aufmerksamkeit
Die Meldung aus Emden hatte bundesweit und sogar in Österreich für einige Aufmerksamkeit gesorgt. Die Probleme mit dem Verkauf von Elektro-Fahrzeugen wird allerdings auch ganz unterschiedlich bewertet: das reicht von einer möglichen Fehleinschätzung des Konzerns über das tatsächliche Potenzial des Marktes für E-Autos bis hin zur Kritik an der Politik, die die Transformation nicht ausreichend flankiert. Und dazwischen sind die Auffassungen auch sehr vielschichtig.
„Das wirft allgemein kein gutes Licht auf den Elektroauto-Markt, schließlich ist der VW ID.4 das mit Abstand meistverkaufte E-Auto der Wolfsburger, aktuell liegt er hinter dem Tesla Model Y auf dem zweiten Platz der E-Zulassungsstatistik.“ So wiederum die Einschätzung des Automagazins AutoMotorSport. Andere Medien stellen auch einen Zusammenhang mit den vom VW-Konzernvorstand angekündigten drastischen Sparplänen her.
Auch in den sozialen Medien sorgten die Ankündigungen aus dem Emder VW-Werk – wie üblich – für sehr kontroverse Reaktionen. Da meldeten sich User und stellen die gesamte Elektromobilität in Frage und wünschen sich den Passat zurück ins Werk. Dort sind aber auch Stimmen zu lesen, die keine Alternative zur Transformation der Emder Fabrik sehen.
