Emden - Krise und kein Ende: Das Emder VW-Werk muss seine Produktion offenbar erneut massiv drosseln. Diesmal trifft es noch einmal die bereits mehr oder weniger auslaufende Verbrennerwelt. Die Fertigung dort wird nach Informationen dieser Redaktion, abweichend von den bisherigen Plänen, bereits ab dem 4. März bis einschließlich Ostern vollständig gestoppt. Die Beschäftigten aus diesem Bereich werden allerdings in die Produktion der Elektro-Fahrzeuge versetzt. Dort sollen sie in einer ersten und zweiten Schicht arbeiten und nach und nach „qualifiziert werden“. Über die neue Fahrweise ist die Belegschaft am Mittwoch informiert worden.
Die neue Maßnahme weist zudem darauf hin, dass der Passat vorzeitig ausläuft, nämlich schon am 28. Februar. Ursprünglich sollte er noch bis Ostern in Emden produziert werden. Doch es gibt, anders als ursprünglich gehofft, keine ausreichende Nachfrage mehr. Das neue Passat-Modell wird dann schon in Tschechien vom Band rollen. Und beim Shooting Brake, der von Osnabrück zurück nach Emden wechseln soll, soll es ebenfalls Probleme und Verzögerungen geben.
Gute Regelung
Betriebsratschef Manfred Wulff bestätigte die Informationen dieser Redaktion am Mittwoch im Kern. Tatsächlich seien zuletzt nicht so viele Aufträge für Passat und Arteon eingegangen wie man es sich noch am Ende des vergangenen Jahres erhofft habe. Nun nutze man die entstandene Pause im März für die Transformation und Umbauarbeiten für den verbliebenen Shooting Brake. Er sei froh, dass die Mannschaft nicht nach Hause geschickt werden muss. „Ich denke, wir haben eine gute Regelung gefunden“, so Wulff. Er geht zudem davon aus, dass die Produktion nach den Sommerferien schon ganz anders aussehen wird als aktuell. Aus Sicht von VW ist die Pause mehr oder weniger ein ganz normaler Vorgang: „Im Volkswagen-Werk Emden finden im März umfangreiche Anlaufvorbereitungen und Umbauarbeiten für die Produktion des Arteon Shooting Brake statt“, heißt es in einer Reaktion auf die Berichterstattung der Emder Zeitung.
Berüchtigter Satz
Auch im Karosseriebau, in der Lackiererei und in der Montage der E-Modelle sowie in den davon abhängigen Bereichen wird vom 4. bis zum 15. März nur noch im Ein-Schicht-System gearbeitet. Die entfallenden Arbeitszeiten in der Spätschicht sollen dann allerdings in der zweiten Jahreshälfte wieder nachgeholt werden. Allerdings schränkt man hier auch schon wieder vorsichtig ein: Bei weiteren Veränderungen in der Programmplanung kann es auch kommen, dass das Nachholen in das nächste Jahr verlegt wird. Der berühmt-berüchtigte Satz von VW-Verantwortlichen, den diese vor allem in Krisenzeiten bemühen, bekommt auch hier noch einmal ein besonderes Gewicht: „Wir fahren auf Sicht.“
Unruhe im Werk
Während die Absatzkrise bei den Elektro-Fahrzeugen weiter anhält, sich das Werk gleichzeitig Mitten im Hochlauf des zweiten E-Modells, dem ID.7, befindet, brennt es im Werk augenscheinlich weiterhin lichterloh. Damit steigt auch der Druck auf den gerade vorgestellten ID.7 Tourer, der ebenfalls gerade anläuft. Er ist jetzt schon mehr als ein Hoffnungsträger, sondern wird mehr und mehr zum Strohhalm. Dem Vernehmen nach ist die Unruhe in der Belegschaft entsprechend groß und wächst mit jeder neuen schlechten Nachricht. Das gilt natürlich auch für die Leiharbeiter. Diejenigen, die sowieso nur noch einen Vertrag bis Ende März haben, müssen ab dem 4. März gar nicht erst wieder antreten. Wer bei der AutoVision noch einen längeren Vertrag hat, wird während des angekündigten Produktionsstopps nach den Regeln der VW-Tochter bezahlt.

