Krummhörn - Der Hilferuf der Feuerwehren in der Krummhörn ist aus Sicht von Gemeindebrandmeister Jan-Jürgen Lüpkes nicht gehört worden. Seit Jahren schwinden die Mitglieder. Waren es Anfang der 1990er Jahre noch weit über 400, sind von den 300 Aktiven in 2022 inzwischen nur noch 280 übrig. Deshalb hatten sich die Wehren dazu entschlossen, am Samstag einen Werbetag auszurichten und allen Interessierten und der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, sich über die Arbeit und das Engagement in der freiwilligen Feuerwehr zu informieren. „Von der Bevölkerung ist das gar nicht angenommen worden“, resümierte Lüpkes im Nachhinein.
Auch in Visquard kamen die Feuerwehrfrauen und -männer zusammen, um Interessierten Rede und Antwort zu stehen.
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Stellte sich im Ortskern von Jennelt vor: die Feuerwehr Krummhörn-Ost.
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Herausgeputzt: Bei der Feuerehr Pewsum-Woltzeten, auch Krummhörn-Mitte genannt, präsentierten die Feuerwehrleute ihren gesamten Fuhrpark
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Trotz der hohen Temperaturen schlüpfte ein Feuerwehrmann der Wehr Krummhörn-Ost in seine Atemschutzmontur.
Feuerwehr„Das ist zu wenig“
An sechs Standorten – Greetsiel (Feuerwehr Nord), Pewsum (Mitte), Upleward (West), Rysum (Süd), Jennelt (Ost) und Visquard – hatte es Übungsdienste gegeben. Dazu kamen an der einen Station elf Besucher, an einer anderen neun und in Greetsiel bei Lüpkes seien es zwischen 15 und 20 gewesen. „Bei 12 000 Einwohnern in der Krummhörn, ist das zu wenig“, sagte der Gemeindebrandmeister. Und er kennt auch den Grund, weshalb die Bevölkerung aus seiner Sicht so desinteressiert ist: „Die sagen sich: Noch haben wir eine Feuerwehr. Noch ist die Feuerwehr ja da.“
Scheu vor Verantwortung
Doch immer häufiger sei es kaum möglich ausreichend Kräfte für einen Einsatz zusammenzubekommen. „Und irgendwann kommen wir an den Punkt, dass keiner mehr kommt, wenn es brennt“, machte Lüpkes die Dramatik der Situation deutlich.
Viele der Mitglieder seien berufstätig – und ihre Arbeitsstätte nicht unbedingt in der Krummhörn. Zwar habe man als freiwillige Feuerwehr bei den Unternehmen und Firmen in der Region einen guten Stand, sodass es kein Problem darstelle, dass die Mitglieder im Einsatzfall nicht freigestellt werden, aber mehr und mehr fehlt der Nachwuchs.
Auch hier hat Lüpkes für sich die Ursache bereits ausgemacht: „Gewisse Generationen möchten keine Verantwortung mehr übernehmen. Wenn man aber in die Feuerwehr eintritt, dann sind der Eintritt freiwillig und der Austritt. Alles andere ist Pflicht.“
Ein Patentrezept, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, kennt er allerdings nicht. „Wenn ich wüsste, was wir dagegen tun müssen, dann würden wir es ja längst tun.“
Was Hoffnung macht
Allerdings, und das stimmt Lüpkes und Feuerwehrsprecher Kilian Peters dann doch zuversichtlich, gibt es immer die Ausnahmen von der Regel.
Und so gab es am Samstag auch diejenigen, die sich ernsthaft für die freiwillige Feuerwehr interessieren. In Pewsum etwa unterzeichnete ein zugezogener Feuerwehrmann direkt seine Mitgliedschaft. In Greetsiel kann ein 15-jähriges Mädchen es kaum erwarten, endlich 16 Jahre alt zu sein, um aktive Feuerwehrfrau zu werden.
Und auch darüber hinaus gab es mehr als eine Handvoll Interessierte, die sich die Wehr bei einem Dienstabend noch einmal genauer anschauen wollen.
„Im Großen und Ganzen lohnt sich eine solche Aktion, wenn man am Ende eine Person gewonnen hat“, findet Kilian Peters. Natürlich hätte auch er sich mehr Resonanz gewünscht, aber die Werbeaktion soll ja noch weiter laufen – und vielleicht finden dann noch mehr Krummhörner den Weg zur Feuerwehr.
