Emden - Der Förderbescheid zum Neu- und Umbau des Frauenhauses in Emden ist endlich da, jetzt wurde die Arbeit der Einrichtung nochmals eindrucksvoll im Ausschuss für Gesundheit dargestellt. Dabei ist es in den Reihen der Politik unbestritten, dass die 1,08 Millionen Euro Förderung plus Eigenanteil der Stadt von knapp 30 Prozent sinnvoll ausgegeben werden. Einige Details mögen allerdings auch neu für die Zuhörer gewesen sein, denen die Frauenhaus-Leitung, Ramona Horstkamp und Christina Kramp, einen Überblick über das Frauenhaus verschaffte.
Überraschend auf jeden Fall: So anonym, wie das Frauenhaus sein sollte, ist es gar nicht. Draußen hängt kein Schild an der Tür. Und dennoch stehen immer wieder Ehemänner auf der Straßenseite gegenüber und bedrohen so die Frauen, die vor ihnen in die Einrichtung geflüchtet sind, schilderte Christina Kramp. „Der Taxifahrer fährt seinen Fahrgast direkt vors Frauenhaus, auch wenn die Adresse anonymisiert ist“, sagte Ramona Horstkamp.
Hochrisikofall
Doch dann greife eben auch ein Bündel an Maßnahmen, das den Mitarbeiterinnen des Frauenhauses zur Verfügung steht. Da gebe es die enge Kooperation mit der Polizei, die Rufbereitschaft, oder die Justiz, die ein Näherungsverbot aussprechen kann. Und notfalls werde die Frau in ein anderes Frauenhaus fern von Emden weitervermittelt. In einem Hochrisikofall, bei dem die Frau mit dem Tode bedroht wird, gelte seit 2018 die Vereinbarung mit der Stadt und der Polizei auf strikte Geheimhaltung des Aufenthaltsorts.
Generell sind es ein Drittel Emder Frauen, die hier Obhut bekommen. Es ist Usus, dass sich die Kommunen gegenseitig unterstützen. Aber es kommt auch vor, dass nachts die Mutter im Nachthemd mit ihren Kindern an der Hand vor der Tür steht, so Horstkamp. In der Regel erfolge aber zuvor die Anfrage durch die Polizei oder das Jugendamt auf Aufnahmemöglichkeit.
Viele Behörden involviert
Der Abschluss eines Falles kann die Vermittlung in eine der (raren bezahlbaren) Wohnungen bedeuten, aber auch die Rückkehr zum Ehemann/Partner. Manchmal auch dreimal hin und her, wie Kramp erklärte. Jeder Fall sei anders gelagert. „Es ist immer eine Vielzahl von Behörden beteiligt“, sagte Kramp. „Und es ist auch eine enorme bürokratische Herausforderung.“ Sozialamt, Jobcenter, auch Schulen und Kitas, wenn Kinder mitbetroffen sind, und das eben auch zum Teil mit fremden Ursprungs-Kommunen.
Angebote wie Traumata-Hilfe werden dann in Emden vermittelt, etwa ins Klinikum, das Sprechzeiten ausdrücklich für die Frauen und auch für Kinder zur Verfügung stellt. „Für Kinder ist die miterlebte Gewalt traumatisierender als die direkte Gewalt“, sagte Kramp.
Beratung für Männer
Beratung bietet das Frauenhaus natürlich auch selbst beziehungsweise die Beratungs- und Interventionsstelle bei Häuslicher Gewalt und Stalking (BISS), die auch für Männer da ist. Beides ist bislang noch unter einem Dach. Mit dem Neubau des Frauenhauses und dem Umbau des Altbaus sollen beide Einrichtungen noch deutlicher separiert werden. Aktuell stehen lediglich sechs Schlafräume in dem veralteten Frauenhaus zur Verfügung, ein Bad, ein gemeinsames Wohnzimmer – und wenn Kinder über zwölf Jahre alt und männlich sind, wird es erst recht schwierig. Platz für pubertäre Jungen gibt es keinen, da bleibt bislang nur eine Unterbringung in einer anderen Einrichtung, so Horstkamp.
Warten auf Förderung
Dass das Frauenhaus baulich in einem schlechten Zustand ist, bestätigte Stadtrat Volker Grendel nochmals und dankte auch vor diesem Hintergrund der Crew für ihre „wertvolle Arbeit“. Der Verwaltungsfachmann habe nicht geglaubt, dass „das Förderprogramm drei Jahre für eine Entscheidung braucht“. Nun würden die 2021 kalkulierten 1,5 Millionen Euro für Neu- und Umbau nicht ausreichen, glücklicherweise sei die Isensee-Stiftung als Bauherrin gefunden. Über dieses Konstrukt können weitere Fördergelder generiert werden. An der freiwilligen Aufgabe, die ein Frauenhaus für die Stadt darstellt, werde jedenfalls nicht gerüttelt.
