Emden/Berlin - Plattdeutsch in praktisch allen Lebenslagen. Selbstverständlich auch am Arbeitsplatz. Das ist für den Emder SPD-Bundestagsabgeordneten Johann Saathoff so etwas wie eine Mission geworden. Entsprechend nutzt er auch in Berlin nahezu jede sich bietende Gelegenheit, die plattdeutsche Sprache an den Mann und an die Frau zu bringen. Vor einigen Jahren hat ihm das sogar bundesweit zu einem gewissen Bekanntheitsgrad verholfen, nachdem er der AfD in einer politischen Debatte auf Platt die Leviten gelesen hatte. Am Donnerstag nun will er wieder eine Rede auf Platt halten, der Anlass ist diesmal allerdings etwas naheliegender: „25 Jahre EU-Charta der Regional- und Minderheitensprachen“, so der Titel der auf 45 Minuten taxierten Debatte im Bundestag.
Mit Sondergenehmigung
„Ich habe zumindest einen Redewunsch angemeldet“, bestätigte Saathoff am Montag gegenüber dieser Redaktion. Kommt nichts dazwischen, möchte er gern noch einmal über den Wert von Minderheitensprachen sprechen und auch dafür werben, dass diese Sprachen geachtet und gefördert werden, ganz so wie es die Charta der Europäischen Union vorsieht. Das Ganze natürlich auf Platt – mit ausdrücklicher Genehmigung des Bundestagspräsidiums. „Ich finde es wichtig, diese Sprachen zu erhalten, indem man sie in allen Lebenslagen sprechen kann – in der Kita, in der Schule, am Arbeitsplatz und somit eben auch im Bundestag“, sagte Saathoff, der für eben diese Initiative Ende vergangenen Jahres mit dem Ostfriesland-Oskar, dem Keerlke-Preis für Verdienste um die plattdeutsche Sprache, ausgezeichnet worden war (wir berichteten).
Word rieker
Eine große süddeutsche Zeitung titelte bereits vor der geplanten Debatte am Donnerstag: „Die Stenografen freuen sich schon.“ Tatsächlich wird eine Rede auf Plattdeutsch nicht nur für ungeübte Parlamentarier zu einer Herausforderung. Das war auch 2018 so, als Saathoff seine Rede beim damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble (CDU) vorab anmeldete und der ihm das mit der Einschränkung erlaubte, er müsse zumindest am Anfang auf Hochdeutsch sprechen. Und so findet sich im Protokoll des Bundestages zur 18. Sitzung der 19. Wahlperiode auf Seite 1533 unter anderem der schöne Satz „Düütschland word neet armer dör anner Spraken, Düütschland word rieker.“
Zuletzt hat Saathoff dieses Anliegen auch noch auf andere Weise dokumentiert. Zusammen mit der FDP-Abgeordneten Gyde Jensen aus Schleswig-Holstein gründete der inzwischen zum Parlamentarischen Staatssekretär aufgestiegene Saathoff einen „Parlamentskreis Plattdeutsch“. In einem solchen Kreis verbinden sich in der Regel Abgeordnete mit einem gemeinsamen Anliegen. Und was passiert in dem neuen Kreis? Plattdüütsch proten, was sonst. „Ich ermutige dort auch Kollegen, die sich bislang nicht trauen, Platt zu sprechen“, sagte Saathoff.
Vielfalt der Sprachen
Aber wie steht es um die „Minderheitensprache“ Plattdeutsch 25 Jahre nach der Verabschiedung der EU-Charta? „Ich denke, wir stehen sehr gut da“, ist Saathoff überzeugt. Und das gilt nach seiner Einschätzung für weite Teile der Nord- und Ostseeküste. Schon 2018 hatte Saathoff in seiner berühmten Rede gesagt: „Es gibt nicht nur Deutsch. Die Vielfalt der Sprachen aus den Regionen macht doch den Wert der deutschen Sprache insgesamt aus.“
Und deshalb will er in seiner neuen Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär für Inneres und Heimat auch darüber sprechen: über Heimat.
