Aurich - „Ohne Musik leben? Das wäre ja verrückt!“ Diese Sätze stammen nicht etwa von einem Musiker, sondern von einem Maler. Er heißt Nicolaus Hippen und kommt aus Aurich. Hauptberuflich arbeitet er als Grafiker. Aber er kann genauso gut große Kunst; und das nicht nur mit Blick auf die Maße manche seiner Bilder, in denen übrigens zum Teil tatsächlich auch jede Menge Musik drin steckt. Eine Auswahl seines Schaffenswerkes ist aktuell im Ausstellungsraum der Auricher Buchhandlung am Wall zu sehen.
Die Ausstellungseröffnung mit Bildern von Nikolaus Hippen in der oberen Etage der Buchhandlung am Wall stieß am vergangenen Sonnabend auf großes Interesse.
Werner Jürgens„Soll ich?“
Der Titel der Werkschau lautet wohl nicht von ungefähr: „Soll ich?“ Denn wie Nicolaus Hippen während der Vernissage am Samstag offenbarte, ist er selten hundertprozentig zufrieden mit seiner künstlerischen Arbeit. Oft werde er das Gefühl nicht los, „dass ich zwar bei einem Bild erreiche, dass da aber noch mehr geht und immer noch irgendetwas anderes Zusätzliches möglich ist“, so der Maler, der trotz dieser kritischen Selbsteinschätzung inzwischen zumindest zu der Einsicht gelangt ist: „Ja, ich glaube auch, dass meine Bilder gut sind.“
Er ist nämlich nicht der einzige, der das denkt. Neben diversen Kunstexperten und -liebhabern meinte schon sein Lehrmeister, Hippen sei von den Hunderten seiner Schüler einer der Besten. Dieser Lehrmeister war kein Geringerer als der weit über Ostfrieslands Grenzen hinaus bekannte Maler und Grafiker Bodo Olthoff, der 1940 in Emden geboren wurde und dort auch aufwuchs, mittlerweile aber in Aurich lebt. Dessen Lob bezog sich auf eine noch recht frühe Schaffensperiode, die in der Ausstellung mit zwei Stillleben repräsentiert ist.
Große Sprünge
Seitdem hat Olthoffs einstiger Schützling allerdings große Sprünge gemacht und das im durchaus doppelten Wortsinne. Einerseits hat er sich künstlerisch freigeschwommen und einen eigenen Stil entwickelt, ohne dabei jemals wirklich stehen geblieben zu sein. Zum anderen gehören zu seinen Markenzeichen großflächige Porträts berühmter Persönlichkeiten aus Film, Sport und eben Musik. So wird eine komplette Wandseite von den vier Rock-Urgesteinen Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts und Ron Wood eingenommen.
Ähnlich wie Nicolaus Hippen waren ja auch die „Rolling Stones“ nicht immer zufrieden mit sich und ihrer Welt, wenngleich die Ursprünge ihres Songs „Satisfaction“ schon eine geraume Zeit zurückliegen. „Vor etwa zwei Jahren sah ich die ,Rolling Stones’ in einem Fernsehinterview und dachte: ,Oh, die sind auch nicht mehr die Jüngsten’“, verriet der Auricher Autor Michael Sieben, der bei der Vernissage am Samstag die Laudatio hielt. „Aber wenn ich hier vor ihren Porträts stehe, sind sich nicht mehr so alt. Und ich mit ihnen auch nicht.“
Die Ausstellung „Soll ich?“ von Nicolaus Hippen läuft bis zum 25. Mai und kann im ersten Stock der Buchhandlung am Wall in der Burgstraße 52 in Aurich besichtigt werden. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag zwischen 9 Uhr und 18.30 Uhr und an Samstagen zwischen 9 Uhr und 14 Uhr.
Eigenständige Konturen
Das ist ein Kompliment, das in erster Linie dem Künstler und weniger seinen Motiven gilt, zumal Nicolaus Hippen bevorzugt Fotos als Vorlage nutzt. Statt seine „Modelle“ einfach bloß „abzumalen“, verpasst er ihnen jedoch auf und mit seinen Bildern eigenständige Konturen, die tiefe Einblicke in eine vielschichtige Gefühlswelt geben. Die Bandbreite reicht von einer ungewöhnlich gelöst wirkenden Janis Joplin über einen bedrohlich angespannten Mike Tyson bis hin zum verschmitzten Lausbubengrinsen eines Ron Wood.
„Porträts von Nicolaus Hippen sind realistisch, naturalistisch und wirklichkeitsnah“, wie Michael Sieben in seiner Laudatio weiter anmerkte. „Trotzdem sind sie nie von oberflächlicher Gefälligkeit. Manche seiner Gesichter sehen aus, als hätte an ihnen ein zufriedener Bildhauer gearbeitet, der weiß, dass bei historischen Persönlichkeiten kaum etwas schief gehen kann.“
Vorausgesetzt, der Künstler versteht etwas von seinem Handwerk, was bei Nicolaus Hippen absolut der Fall ist. Für ihn ist nach eigenem Bekunden ohnehin meistens der Weg das Ziel, was vielleicht erklärt, warum er Iggy Pop mehr als einmal porträtiert hat. Trägt doch dessen bekanntester Hit bezeichnenderweise den Titel „The Passenger“.
