Mit Martje Merten steht erstmals eine Frau an der Spitze der Emder Wirtschaftsförderung. Sie übernahm zum Juli die Position von Stefan Klaassen, der sich nach knapp drei Jahren eine neue Herausforderung sucht. Merten will neue und eigene Akzente setzen. Wir sprachen mit ihr.

Frau Merten, Sie haben jetzt den Posten als Emder Wirtschaftsförderin von Stefan Klaassen übernommen. Sie sind vergleichsweise jung und eine Frau – glauben Sie, dass könnte in einer solchen Position eine Rolle spielen?

Martje MertenFür mich spielt das keine Rolle und wie andere das empfinden, kann ich nicht beurteilen.“

War der Posten der Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung und des Stadtmarketings eigentlich Teil Ihrer Karriereplanung?

Merten Nein. Ich bin vor über vier Jahren nach Emden gekommen, weil ich das Gefühl hatte, an diesem Standort sind viele Entwicklungen möglich. Das hat sich bestätigt. Meine Aufgabe als Teamleitung Stadtmarketing habe ich gerne gemacht, und wir haben, auch im Team mit der Wirtschaftsförderung, in den letzten Jahren viele Impulse gesetzt. Mir geht es darum, dies weiter fortzuführen und den Standort weiterzubringen. Deswegen habe ich aktiv mit dem Aufsichtsrat überlegt, wie eine neue Aufgabenteilung aussehen kann, um die angestoßenen Entwicklungen weiterführen zu können und die Gesellschaft so aufzustellen, dass die weiteren Aufgaben trotzdem bearbeitet werden können.

Was reizt Sie besonders an der Aufgabe?

MertenAm Standort Emden ist zurzeit sehr viel in Bewegung und es gibt viele Möglichkeiten, die Entwicklungen aktiv zu gestalten. Da reizt es natürlich, wenn man mitgestalten kann. Ich bin überzeugt, dass der Standort besonders in Bezug auf die Energiewende eine gute Ausgangsvoraussetzung bietet. Hier gilt es, frühzeitig die Leitplanken für die zukünftige Entwicklung zu setzen. Hierbei muss die Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing Emden GmbH wichtiger Impulsgeber vor Ort sein und die Unternehmen weiter begleiten. Ebenso im Bereich des Fachkräftemangels. Generell glaube ich, dass die Strategie für den Standort eine wichtige Rolle einnimmt, diese muss abgestimmt auf die Wirtschaftsstruktur und die Wirtschaftssituation sein, um den Standort zukunftsfähig aufzustellen. Dies macht die Aufgabe für mich reizvoll – auch ganz persönlich.

Worauf kommt es in der Emder Wirtschaftsförderung besonders an?

MertenIch glaube, das lässt sich mit den vier Schwerpunkten Standortentwicklung, Förderung, Netzwerk und Kommunikation ganz gut beschreiben.

Zur Person

Martje Merten ist vor 30 Jahren in Lüdinghausen im Münsterland geboren und dort aufgewachsen.

Zum Studium zog es sie 2012 nach Osnabrück. Dort absolvierte sie ein Bachelorstudium in den Fächern Geographie und Wirtschaftswissenschaften. Im Oktober 2016 nahm sie ein Masterstudium der Geographie an der Universität in Bochum auf und schloss es ebenfalls erfolgreich 2019 ab. Von Oktober 2016 bis Februar 2019 arbeitete sie als Werksstudentin beim Stadtmarketing in Lüdinghausen.

Im Februar 2019 kam Merten nach Emden. Bis Ende 2020 arbeitete sie als Koordinatorin Innenstadt bei der Emden Marketing und Tourismus GmbH, danach bis Ende 2021 als Citymanagerin bei der Wirtschaftsförderung, um im Januar 2022 die Teamleitung Stadtmarketing zu übernehmen. Seit Juli ist sie Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing der Stadt Emden GmbH.

Führen Sie das bitte einmal aus.

MertenWir müssen die Transformation am Standort begleiten, ein gutes Ansiedlungsmanagement unter Berücksichtigung der Flächen durchführen und als Impulsgeber vor Ort tätig sein. Die Wirtschaftsförderung muss sich an den Bedürfnissen der Unternehmen vor Ort ausrichten. Die KMUs (klein- und mittelständische Unternehmen) brauchen Unterstützung bei der Akquise und Umsetzung von Fördermitteln und eine gute, vertrauensvolle Beratung. Förderung ist hier auch als Weiterbildung zu verstehen – denn wir werden uns künftig noch intensiver mit dem Thema Fach- beziehungsweise Arbeitskräftemangel auseinandersetzen müssen. Hier müssen wir den Menschen stärker in den Fokus nehmen.

Und die Herausforderungen?

MertenDiese können wir nur gemeinsam mit allen Partnerinnen und Partnern vor Ort angehen. Dazu gehört ein gut funktionierendes Netzwerk aus Verwaltung, Politik, Kammern, Verbänden, Institutionen und Hochschule – aber auch die gute Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsförderern aus den ostfriesischen Landkreisen sowie der Landesregierung. Dabei müssen wir proaktiv über unsere Arbeit berichten, am Image des Standortes arbeiten und die Marke Emden weiterentwickeln. Wichtig ist: Wirtschaftsförderung ist eine Teamaufgabe!

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, um die Emder Wirtschaftsförderung voranzubringen ...

Merten... dann wäre das die Vereinfachung und Beschleunigung von Verfahren, seien es Fördermittelanträge oder Genehmigungsverfahren.

Was denken Sie: Welches ist die größte Herausforderung bei Ihrer Aufgabe?

MertenDie Transformation am Standort ist sicherlich die größte Herausforderung und die größte Chance zugleich. Besonders im Automotivbereich verschieben sich die Wertschöpfungsketten vor Ort und die Transformation verändert die Prozesse, Arbeitsweisen und Modelle für Beschäftigte oder Unternehmerinnen und Unternehmer. Auch hier gilt es, den Wandel am Standort aktiv mitzugestalten, um Wertschöpfung und Beschäftigung vor Ort zu halten und zu stärken.

Warum geben Sie sich mit weniger Gehalt zufrieden als Ihr Vorgänger?

MertenIm gemeinsamen Gespräch mit dem Aufsichtsrat haben wir uns auf eine Aufteilung der Aufgaben und der damit verbundenen Verantwortung geeinigt. Die beiden Stellen sind somit nicht vergleichbar.

Ute Lipperheide
Ute Lipperheide Emder Zeitung