Emden - Die wohl wichtigste, aber wohl auch schwierigste Frage kam an diesem Donnerstagabend wohl eindeutig von der SPD-Fraktionsvorsitzenden Maria Winter: „Und was macht man nun damit?“
Gemeinsam mit den anderen ebenfalls etwas ratlos wirkenden Mitgliedern des Ratsausschusses für Wirtschaft, Hafen, Tourismus und Digitales hatte sie zuvor gut 20 Minuten lang einem Vortrag von IHK-Referentin Anke Hölscher gelauscht.
Dieser hatte sich mit einer aktuellen „Standortzufriedenheitsanalyse“ der Wirtschaftskammer befasst, deren Titel fast länger ist als die Liste der Teilnehmer an der Studie. Damit lag dann auch die Kernfrage auf dem Tisch: Was fängt man mit einer Studie an, für die in Emden etwa 2000 klein- und mittelständische Betriebe danach gefragt worden sind, was sie denn von Emden als Wirtschaftsstandort so halten, was sie gut, vor allem aber, was sie schlecht finden, und an der online aber gerade einmal 50 Betriebe teilgenommen haben? Und selbst von denen weiß man nicht, wer sie sind und was sie machen.
Seltene Offenheit
Um etwas vorweg zu nehmen: Am Ende einigten sich die noch recht neue städtische Wirtschaftsförderin Martje Merten mit der IHK-Referentin und einigen Ausschussmitgliedern auf den offenbar kleinsten gemeinsamen Nenner.
Darauf nämlich, dass es sich bei der Studie, die die Wirtschaftskammer in Zusammenarbeit mit der Hochschule Emden/Leer durchgeführt hatte, allenfalls um ein „Stimmungsbild“ handelt, um nicht weniger, aber auf keinen Fall um mehr. Fairerweise muss gesagt sein, dass selbst die Referentin gleich zu Beginn ihres Vortrages eingeräumte hatte, dass die Analyse „nicht repräsentativ“ und somit auch „nicht aussagekräftig“ sei. Ersteres kommt durchaus vor in der Forschung, Letzteres ist in dieser Offenheit eher selten.
Eher unzufrieden
Aber worum geht es in der „Standortzufriedenheitsanalyse“– oder besser: worum hätte es gehen können? Gefragt wurde unter anderem, wie die Standortattraktivität gesehen wird. Was ist mit dem Kultur- und Freizeitangebot, wie wird das Angebot an Kinderbetreuungsangeboten gesehen, wie die medizinische Versorgung, aber auch was man von der Emder Innenstadt hält. Trotz aller Schwächen der Studie gab es zumindest hier eine recht klare Aussage: nichts. Da schaute die Wirtschaftsförderin, die die letzten Jahre für die Attraktivität eben dieser Innenstadt zuständig war, lieber auf einen anderen Punkt der Studie: Mit der „Erreichbarkeit der kommunalen Verwaltung für Unternehmen“ sind immerhin 5,88 Prozent der Befragten sehr, 50,98 Prozent „eher zufrieden“. Alles Themen, an denen man weiter arbeite, sagte Martje Merten. Weitere Themen der Befragung: Standortkosten (für die meisten Befragten wichtig oder sehr wichtig), Immobilienpreise (weit über die Hälfte der Befragten sind eher oder sehr unzufrieden) oder Verkehr und Infrastruktur (die Mehrheit ist mit dem Öffentlichen Personennahverkehr oder mit der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen eher unzufrieden oder gar nicht einverstanden).
Eine Hoffnung
In der Analyse der Zufriedenheitsanalyse wurde am Ende dann vor allem FDP-Ratsfrau Hillgriet Eilers recht deutlich: „Ich glaube, wir wären in dieser Runde zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.“ Das muss nicht schlecht sein für die Politik, bringt die Sache mit der Wirtschaftsstudie aber auch nicht weiter.
Und wie lautete nun die Antwort auf die wichtigste und schwierigste Frage von Maria Winter? Die Studie soll in den nächsten Jahren möglichst regelmäßig wiederholt werden – wohl auch in der Hoffnung, dass dann mehr Wirtschaftsvertreter mitmachen.
