Emden - Er war ein Botschafter für die Seenotrettung und mit dafür verantwortlich, dass der Rettungskreuzer „Georg Breusing“ 1988 als Museumsschiff nach Emden kam. Nun hat er seine letzte Reise angetreten: Herbert Molkewehrum ist am 20. Juli im Alter von 89 Jahren gestorben, wenige Monate vor seinem 90. Geburtstag.
Unermüdlicher Einsatz
Zwar ist er nie selbst beruflich zur See gefahren. Doch für die ehrenamtliche Seenotrettung zu werben und zu sammeln, damit im Notfall auf Nord- und Ostsee schnell geholfen werden kann, das war für den kaufmännischen Mitarbeiter der Emder Großhandelsfirma und Reederei Fisser & van Doornum immer eine Herzensangelegenheit.
So erweckte er 1974 mit weiteren Mitstreitern den Bezirksverein der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zu neuem Leben, war bis zu dessen Auflösung Ende der 90er Jahre Vorsitzender. Zudem war er von 1976 bis Mai 2020 Mitglied des beschlussfassenden Gremiums der DGzRS, des obersten Legislativ-Organs. Er organisierte die Spendensammlungen beim Kaufmannsmahl und Nautischen Essen, Stände bei Stadtfesten, Losverkäufe und Knobelabende, vertrat die Seenotretter auf unzähligen Veranstaltungen und informierte unermüdlich über die ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanzierte DGzRS. Für all das sollte er später die silberne Ehrennadel erhalten, die zweithöchste Auszeichnung.
„Die DGzRS verliert einen langjährigen und sehr engagierten Förderer und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Seenotrettungswerkes auf Nord- und Ostsee“, würdigte Pressesprecher Christian Stipeldey (Bremen) das Wirken Molkewehrums. Aber auch für seinen Anteil daran, die „Georg Breusing“ in den Ratsdelft zu holen und so für die Nachwelt als Anschauungsobjekt zu erhalten, zollte er Molkewehrum Respekt. In dem zu diesem Zweck gegründeten Emder Förderkreis leistete dieser über 30 Jahre lang Vorstandsarbeit, war lange Jahre Schatzmeister.
Bewegender Moment
Eine maßgebliche Rolle spielte er laut Stipeldey ebenso bei der Doppeltaufe der Seenotkreuzer „Bernhard Gruben“ und „Theo Fischer“ 1997 im Ratsdelft – benannt nach den Seenotrettern, die knapp zwei Jahre zuvor mit der „Alfried Krupp“ vor Borkum tödlich verunglückt waren. Auch für Molkewehrum war das ein bewegender Moment, wie dieser im Oktober 2020 in einem Gespräch mit unserer Redaktion bekannte.
Einen ähnlichen Moment erlebten seine Mitstreiter im Förderkreis im Dezember 2022, als Molkewehrum und seine Frau Ilse (sie starb vor wenigen Wochen) trotz Krankheit noch einmal zur Jahreshauptversammlung kamen. „Herbert war einer unserer Gründerväter und ein Kämpfer, er und die ,Breusing’ – das war eine Wellenlänge“, sagte der Vorsitzende Thomas Fröhling. „Wir sind sehr traurig über seinen Tod, aber froh, dass er erlöst und jetzt wieder bei seiner Frau ist.“
Auf der „Breusing“ wurde zu Ehren Herbert Molkewehrums halbmast geflaggt.
