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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Energie

Als das Licht doch nicht ausging

30.08.2019

Brüssel Es drohte ein dunkler Tag für die Europäische Union zu werden – dieser 1. September 2009. Zumindest hatten das diejenigen vorhergesagt, die sich so gar nicht damit abfinden konnten, dass fast 130 Jahre nach dem Patent von Thomas Alva Edison die Glühbirne verboten werden sollte.

Krebs würden die neuen Energiesparlampen auslösen, warnten die Kritiker. Oder Diabetes. Auch Osteoporose. Es gab Hamsterkäufe. Der Umsatz der alten Kolben im ersten Halbjahr 2009 schnellte um 34 Prozent in die Höhe.

Die EU-Kommission hatte einen großen Schritt in Richtung Klimaschutz machen und den Energieverbrauch in den Haushalten herunterschrauben wollen. Durch das Verbot würden die über 500 Millionen EU-Bürger zusammengerechnet nahezu 40 Terawattstunden Strom einsparen, hieß es. Absolut werde der Stromkonsum trotz steigender Lichtnachfrage um 16 Terawattstunden sinken. Umgerechnet zehn 800-Megawatt-Kraftwerke könne man somit abstellen. Sage und schreibe 15 Millionen Tonnen weniger CO2 würde die EU jährlich in die Atmosphäre blasen. Was wurde wirklich erreicht?

„Das ist soweit eingetreten“, heißt es beim Umweltbundesamt. Konkrete Zahlen liegen für Deutschland vor: Von 2008 bis 2015 ging der Stromverbrauch durch die Haushaltsbeleuchtung um ein Viertel zurück – von 12,2 auf 9,3 Terawattstunden. Um das gesetzte Ziel für 2020 zu erreichen, müssen die Bundesbürger nur noch eine halbe Terawattstunde schaffen. Das dürfte kein Problem werden. Denn die letzten alten Leuchtmittel verschwinden 2020 vom Markt. Eine Sprecherin des Umweltbundesamtes nannte das Glühbirnenverbot deshalb „eine Erfolgsgeschichte“.

Dabei ließen sich große Teile der anfänglichen Kritik durchaus nachvollziehen. Die als Alternative zunächst verfügbaren „Kompaktleichtstofflampen“ waren zwar energiesparender, enthielten jedoch giftiges Quecksilber, was eine aufwendige Entsorgung im Sondermüll notwendig machte. Platzte so ein Leuchtmittel, mussten die Räume stundenlang gelüftet werden. Inzwischen sind diese Produkte ebenso vom Markt verschwunden wie Halogenlampen. Die Zukunft heißt LED (Abkürzung für Licht emittierende Dioden), auch wenn viele Bundesbürger noch immer dem warmen Ton der alten Leuchtkolben nachtrauern. Dabei feilt die Industrie seit Langem an einem entsprechenden „Warmweiß“-Licht der LED.

Also alles gut? Mitnichten. Der Stromverbrauch der Haushalte sinkt nämlich nicht, er steigt rapide an. Aber daran sind nicht die Leuchtkörper, sondern die explosionsartig gewachsene Zahl von anderen Geräten Schuld – vor allem Handys, Computer, Drucker, iPads und Flachbildschirme sowie Playstations. Im Berliner Umweltbundesamt wurde errechnet, dass deren Ladekabel pro Jahr rund acht Terawattstunden Strom saugen – rund ein Drittel mehr als noch 2008. Zwar gehen diese Produkte inzwischen allesamt deutlich effizienter mit der kostbaren Energie um. Aber allein die hohe Zahl sorgt für einen höheren Bedarf an Elektrizität.

Und so bleibt auch zehn Jahre nach dem umstrittenen Verbot der Glühlampe vor allem ein Appell nach wie vor aktuell: Energieeffiziente Geräte sind sinnvoll und nötig. Um die gesetzten Einsparziele aber wirklich zu erreichen, müssen die Bürger nicht nur bewusster konsumieren, sondern auch weniger.

Detlef Drewes Redaktion Brüssel /
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