Berlin/Oldenburg/Emden - Es wird ernst: Ein Konsortium aus 75 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und politischen Institutionen vor allem aus der Region treibt ein gigantisches Energie-Projekt („Enera“) voran. Der Nordwesten – mit Schwerpunkt in Ostfriesland und dem Kreis Friesland – soll Modellregion in Sachen Energiewende werden. Es geht um insgesamt 200 Millionen Euro an Eigen- und Fördermitteln, die investiert werden sollen.

Jetzt wurde – nach 20 Monaten mit Vorarbeiten – beim Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) die Bewerbung für das BMWi-Förderprogramm „Schaufenster intelligente Energie“ (Sinteg) eingereicht. Das teilte die EWE, die das Konsortium initiiert hat, am Dienstag in Berlin mit.

Welche Region am Ende den Zuschlag erhält – neben Enera gibt es noch etwa eine Hand voll weiterer Bewerber – werde voraussichtlich Anfang August entschieden. „Wir sind aber fest davon überzeugt, dass wir eine gute Chance haben“, meinte Enera-Gesamtprojektleiter Christian Arnold.

Und darum geht es bei Enera: Das Energiesystem im Nordwesten solle durch den Einsatz intelligenter Technologien zukunftsfähig gestaltet werden und zugleich effizienter zu betreiben sein, heißt es in einer Mitteilung der EWE. Hintergründe sind auch Eigenheiten der Region wie die besonders zahlreichen Einspeisungen aus Ökostromanlagen. Die Enera-Modellregion, die die Landkreise Aurich, Friesland und Wittmund sowie die Stadt Emden umfasst, sei als „die Windregion Deutschlands schlechthin dafür geradezu prädestiniert“, sagte Arnold.

„Netz, Markt und Daten sind die Projektbausteine, mit denen der Aufwand für konventionellen Netzausbau verringert und damit zusätzliche Kosten für Verbraucher vermieden werden können“, erläuterte EWE-Vorstandsvorsitzender Dr. Werner Brinker.

Eines stehe für ihn schon jetzt fest: „Enera besitzt das Potenzial, die Blaupause für Deutschland zu sein und den nächsten großen Schritt der Energiewende zu bilden.“

Wie berichtet, gab es auch schon bisher kleinere Projekte zur Erforschung der zukünftigen Versorgung und ihrer Sicherheit mit „intelligenten Netzen“. Nun soll „in großem Stil gezeigt werden, wie Smart Grids, Smart Markets und eine intelligente Informations- und Telekommunikationstechnik-Infrastruktur zusammenwachsen“, hieß es.

Dem Konsortium gehören neben EWE u.a. der Auricher Windenergieanlagenbauer Enercon, die Netzbetreiber Tennet und Avacon, der Softwareriese SAP und der Elektromulti Siemens, die renommierte Hochschule RWTH aus Aachen sowie regionale Forschungseinrichtungen wie Offis und Next Energy an.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)
Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft