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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit Ernährung

Ernährung: Geschmack: Oh wie lecker, iiih wie bitter

24.09.2022

Freising /München Die Psychologin Kathrin Ohla weiß, wie das ist, wenn man ein Lebensmittel absolut nicht mag. „Ich fand Rosenkohl immer unerträglich bitter“, sagt die 44-Jährige. Aber weil sie ständig hörte, welche tollen Inhaltsstoffe er besitzt, startete sie einen Selbstversuch: Eine Woche lang zwang sie sich, jeden Tag Rosenkohl zu essen, um sich an den Geschmack zu gewöhnen.

Denn das ist eine der vielen wichtigen Erkenntnisse von Geschmacksforschern wie Kathrin Ohla von der Uni Münster oder Maik Behrens vom Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie in Freising: Die Geschmacksvorlieben können sich verändern. Nicht aber, ob ich Brokkoli und Rosenkohl als sehr bitter wahrnehme: Das ist tatsächlich vererbbar.

Wo ein Gen fehlt

„Für die Erkennung bestimmter Bitterstoffe gibt es eine genetische Ursache“, erläutert Behrens. Dafür verantwortlich ist das Gen TAS2R38: Diejenigen, bei denen es voll funktionsfähig vorhanden ist, können bestimmte Bitterstoffe intensiv schmecken. „Das ist bei den meisten Menschen der Fall“, so der Biologe. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung gehören jedoch zu den „Nicht-Schmeckern“.

Für die Geschmacksrichtung „bitter“ gibt es noch eine weitere Besonderheit auf unserer Zunge: Denn in den so genannten Papillen befinden sich dafür Geschmacksknospen mit 25 verschiedenen Rezeptortypen. Üblich sind ein bis zwei bei den anderen Geschmacksrichtungen, also süß, sauer, salzig und umami.

Zum Leidwesen der Forscher hält sich bis heute noch immer hartnäckig die Meinung, dass die Geschmacksrezeptoren auf ganz bestimmten Bereichen der Zunge angeordnet sind – also etwa „süß“ vorne und „sauer“ und „salzig“ eher an den Rändern. „Diese Karte ist tatsächlich Unsinn“, sagt Ohla.

Richtig sei vielmehr, dass die „kleinen Knubbel“ – sprich Papillen – über die gesamte Zunge verteilt seien. Wobei sich im hinteren Zungenbereich besonders viele Bitterrezeptoren befinden. „Das macht auch Sinn“, meint die Expertin. Denn wenn jener Bereich stimuliert werde, rege dies auch einen extra Nerv an, der Würgereiz auslösen könne. Eine Schutzmaßnahme für unseren Körper, um mögliche ungenießbare oder gar giftige Stoffe nach dem Schlucken direkt wieder ausspucken zu können.

„Alles, was die Geschmacksknospen aktiviert, wird über Nervenfasern zum Gehirn weitergeleitet. Da formt sich dann ein Geschmackseindruck“, erläutert Behrens. Im allgemeinen Sprachgebrauch gebe es viele Sinne, die daran beteiligt sind: „Nicht umsonst sagt man, das Auge isst mit“, sagt er.

Ohne Riechen geht wenig

Eine noch größere Bedeutung kommt jedoch dem Geruch zu, der retronasal aufgenommen werde: also aus der Mundhöhle über den Rachenraum zu den Rezeptoren im Nasenraum. Dies sei auch der Grund, warum man bei Schnupfen weniger gut schmeckt: „Tatsächlich riecht man nur weniger“, stellt der Biologe klar.

Falsch ist jedoch, wenn man auch „scharf“ mit Geschmackssinn in Verbindung bringt. „Tatsächlich ist das ein Reiz an einer Nervenendigung im Mundraum, der genauso aber auch auf der Haut passiert“, sagt Maik Behrens. Wenn man also meint, etwas schmeckt scharf, handelt es sich gar nicht ums Schmecken im engeren Sinne. „Scharf ist kein Geschmack, sondern eine Schmerz- oder Temperaturwahrnehmung“, so Ohla.

Doch ganz gleich, wie man es formulieren mag: Tatsache ist, dass manche Menschen manche Lebensmittel mögen, andere sich aber im wahrsten Sinne des Wortes schütteln.

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