München/Bodenheim - Hat sich überraschender Besuch angesagt, denkt man sofort an die zwei, drei Standard-Rezepte für kleine Köstlichkeiten, die man für solche Fälle so drauf hat. Nichts Großes. Auf keinen Fall ein aufwendiges Drei-Gänge-Menü. Eher was Lässiges zum Rumreichen auf der Terrasse. Komplizierter ist meist die nächste Frage: Und welchen Tropfen schenken wir dazu ein? Sommelière Romana Echensperger aus München und Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI) in Bodenheim geben Tipps, was zu welcher Kleinigkeit oder Antipasti am besten passt. 8 Beispiele:

1. Ciabatta mit Räucherlachs, Meerrettich, Kaviar:

Egal, ob die Lachshäppchen geräuchert oder gebeizt (Graved Lachs) sind, für Romana Echensperger passt dazu besonders ein Riesling-Sekt. „Er sollte nicht zu süß, aber auch nicht furztrocken sein. Die Geschmacksrichtung Brut mit 6 g Restsüße ist ideal“, sagt die Expertin, die den Titel „Master of Wine“ trägt.

Für Echensperger setzt gerade die Kohlensäure einen schönen Kontrast zu dem fettreichen Fisch. Und der Meerrettich verpasse der Kombi noch mal einen extra Kick: „Die Schärfe des Meerrettichs und die Säure des Rieslings pushen sich ein bisschen gegenseitig.“

2. Meeresfrüchte-Salat:

Dabei denkt Echensperger etwa an einen Oktopussalat mit Limetten- und Zitrusnoten, Minze und Tomaten. Er habe eine eher zarte Textur und einen milden Geschmack. „Dafür braucht es einen trockenen Wein mit feinem Schmelz, der nicht zu laut ist und die Textur aufnimmt“, sagt die Expertin. Ihr Tipp: ein Auxerrois. „Der Auxerrois ist ein sehr feingliedriger Weißwein, meist mit wenig Alkohol, einem zurückhaltenden Aromaprofil und er ist wie gemacht für Einsteiger“, sagt Ernst Büscher. Der Weinstock ist eine Kreuzung aus Burgunder und Weißem Heunisch.

3. „Caprese“ – Datteltomaten mit Büffelmozzarella:

Zur Sommerküche mit fruchtigen Tomaten passt immer ein Rosé, empfiehlt die Sommelière Romana Echensperger. „Beide haben den gleichen Spirit.“ Sie würde allerdings keinen knallig-fruchtigen Rosé im „Hello-Kitty“-Style wählen, sondern einen eleganteren, der angenehm trocken ist und etwa 6 g Restsüße hat. Infrage komme etwa ein Rosé aus der Portugieser-Traube, der gut zu reifen Tomaten passt. Übrigens: „Das Image des Portugiesers als „Omiwein“ ist längst passé“, sagt Romana Echensperger.

4. Asiatischer Nudelsalat mit Garnele:

Zu den süßsauren asiatischen Aromen mit Sojasoße, Koriander und Limettensaft empfiehlt Echensperger einen Riesling Kabinett. „Er hat nur 7 bis 8 Prozent Alkohol, ist unkompliziert und greift die dezente Süße auf, die sowohl im Salat als auch im Krustentierfleisch ist“, erklärt Romana Echensperger. Die Sommelière rät, den „Kabi“ eiskalt zu servieren.

5. Melone mit Parmaschinken:

„Die Süße und zarte Fruchtigkeit der Melone sowie die Salzigkeit des fetten Parmaschinkens brauchen eine Begleitung, die für Balance sorgt“, sagt Romana Echensperger. Sie favorisiert für den Vorspeisenklassiker einen Crémant Rosé oder einen Rosé-Sekt. „Aber bitte nicht zu staubtrocken.“ Crémant oder Sekt sollten in der Kategorie Brut sein, mit 3 bis 12 g Restzucker.

6. Mit Käse gefüllte Pimientos:

Das sehr grasige Aroma der kleinen Paprikaschoten sowie der fruchtig-fette Feta-Käse vertragen sich laut Echensperger hervorragend mit einem Sauvignon Blanc. Er hat ebenfalls eine grasige, gemüsige Aromatik, in dem auch Noten von grüner Paprika herauskommen. „Das macht Lust auf einen zweiten Bissen“, sagt die Expertin.

7. Crostini mit Vitello tonnato:

„Dazu passt auf keinen Fall ein mörderischer Bordeaux“, sprudelt es aus Romana Echensperger heraus. Er dominiere mit seinen Gerbstoffen die zartwürzige Vorspeise aus dünn aufgeschnittenem Kalbfleisch, Thunfischsauce und Brotscheiben. Stattdessen favorisiert die Sommelière zur cremigen und buttrigen Textur der Thunfischsauce einen Tropfen, der ebenfalls buttrig und schmelzig ist: einen Chardonnay.

8. Hackfleischbällchen mit würziger Soße:

Egal ob Bällchen aus Hack oder Falafel aus Kichererbsen oder Bohnen, zu solchen Gerichten empfiehlt die Sommelière einen fruchtigen Spätburgunder mit wenig Gerbstoffen. „Der Rotwein sollte nicht zu kräftig sein, dafür aber leicht gekühlt“, rät Sommelière Romana Echensperger.