DUNUM/HOLTRIEM - Viele Fußballer gehen nach der aktiven Laufbahn den Weg an die Seitenlinie. Den Weg, den Aike Schierenberg einschlug, ist jedoch eher ungewöhnlich. Mit Mitte zwanzig beendete er seine aktive Zeit auf dem Spielfeld, um als Trainer Fuß fassen zu können. 'Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent und beides zusammen geht zumindest nebenberuflich nicht', sagt er. Bereut hat der 26-Jährige die Entscheidung bis heute nicht: 'Die Aufgabe als Trainer macht mir großen Spaß und erfüllt mich.'
Für alle Beteiligten ein Neubeginn
Nach seinen Stationen im Herrenbereich beim TuS Esens und SC Dunum übernahm er zur Saison 2017/18 das Frauenteam der neugegründeten SG Dunum/Holtriem. 'Das hat sich damals so ergeben', erinnert sich Schierenberg zurück. Denn nach dem Bezirksliga-Abstieg der Dunumer Frauen sollte ein Neustart her. Lange überlegen musste Aike Schierenberg nicht, als er vom Fußballobmann der Grüß-Weißen, Lars Janssen, gefragt wurde, ob er die Frauen der neuen Spielgemeinschaft, trainieren möchte. Dass er im Zuge dessen, selbst mit dem Kicken aufhört, war seitens der Dunumer Verantwortlichen nicht geplant – Umstimmungsversuche blieben aber ohne Erfolg.
Erste Erfahrungen im Frauenfußball hatte er schon als Co-Trainer an der Seite seiner Vorgänger Alexander Schmittendorf und Thorsten Lettau gesammelt. Das Trainerduo entschied sich aber nach dem Abstieg 2016/17 das Amt niederzulegen, sodass Schierenberg auf die Position des Trainers aufrückte. 'Ich bin froh darüber die Chance bekommen zu haben – und diese dann auch genutzt zu haben', sagt der Heizungsinstallateur heute.
Trainingsbesuche beim SV Großefehn
In seiner neuen Rolle als Taktgeber an der Seitenlinie fühlte er sich von Beginn an wohl. 'Es macht einfach Spaß, das weiterzugeben, was man selbst einmal beigebracht bekommen hat und dabei dann auch seine eigenen Ideen mit reinzubringen', erklärt der gelernte Defensivspieler.
Aus seinen Positionen, auf denen er früher gespielt hat, lässt sich auch seine Trainerphilosophie ableiten. 'Mir ist wichtig, dass erst einmal die Null steht. Das bedeutet: alle Spieler müssen gegen den Ball arbeiten – auch der Stürmer', gibt Schierenberg vor.
Ein Trainervorbild hat der 26-Jährige indes nicht, er mag aber die Art und Weise wie Julian Nagelsmann (TSG Hoffenheim) Fußball spielen lässt. Aus seiner aktiven Zeit hat er sich von Bruno Mönck, von dem er in seiner aktiven Zeit in Esens trainiert wurde, viel abgeguckt. 'Fachlich war er ein Top-Trainer', sagt Aike Schierenberg .
Im ständigen Austausch befindet der SG-Trainer, der im Sommer den Trainerlehrgang zur B-Lizenz besuchen wird, dagegen mit Tamme Bölts, der seit Saisonbeginn die Bezirksliga-Fußballer des SV Großefehn trainiert. 'Ich guck mir gelegentlich das Training und auch die Spiele von Großefehn an, um die fußballerischen Unterschiede zwischen den Frauen und Männern aufgezeigt zu bekommen. Dabei komme ich mit Tamme dann auch regelmäßig ins Gespräch', berichtet Schierenberg.
Das Ziel: Höherklassig als Trainer zu arbeiten
Es zeigt aber auch welche Energie und welchen Aufwand er betreibt, um sich als Trainer weiterzubilden. 'Ich bin auf jeden Fall kein Trainer, dessen Woche aus zweimal Training und einen Spiel am Wochenende besteht', erklärt Schierenberg. Er macht sich Gedanken darüber, wie er seine Mannschaft und die Spielerinnen in ihrer Entwicklung voranbringen kann und sieht das auch als seine Aufgabe an.
Mittelfristig ist es Schierenbergs Ziel, als Trainer auch bei den Männern Fuß zu fassen, um dann vielleicht irgendwann auch mal die Chance zu erhalten, eine Mannschaft höherklassig zu trainieren. Seine Frauen, die in der Ostfrieslandliga auf Platz eins stehen, will er indes in die Bezirksliga zurückführen und sein zweites Jahr als Trainer mit dem Pokalerfolg krönen.
