Esens - „Die virtuelle Mitgliedersammlung im vergangenen Jahr hat zwar gut geklappt, sie war aber eigentlich nicht das, was wir uns unter einer Generalversammlung vorstellen“, sagt Jan-Siefke Dirks. Und Helmut Hicken ergänzt: „Deshalb warn wir froh, dass wir wieder eine Generalversammlung in Präsenz durchführen konnten.“
Das Geschäftsjahr 2020 unter Pandemie-Bedingungen habe der Volksbank Esens einiges abverlangt. „Ein Großteil unserer Kunden lebt vom Nordseetourismus“, sagt Jan-Siefke Dirks. Als Mitte März 2020 Bund und Länder die Verordnungen zu einem drastischen Lockdown erlassen und diese zu Geschäftsschließungen und Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen geführt haben, hätten die Telefone in der Bank nicht mehr still gestanden. „Gerade vor dem Ostergeschäft brachen die von unseren Kunden schon fest eingeplanten Einnahmen weg. Wir haben daraufhin sehr schnell und unbürokratisch auf Wunsch die Tilgungsraten ausgesetzt und unseren Mitgliedern und Kunden bei der Beantragung von Fördermitteln und öffentlichen Krediten geholfen“, erklärt Dirks.
Mehr Interesse am Online-Banking
Bankintern habe man die Belegschaft schützen müssen. Aus diesem Grund habe man die Öffnungszeiten reduziert, Möglichkeiten für mobiles Arbeiten geschaffen und einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt oder auf die Filialen der Volksbank Esens verteilt. „Spürbar in dieser Phase der Pandemie war, dass Kundinnen und Kunden, die bisher kaum Interesse am digitalen Banking gezeigt hatten, vermehrt die Onlinekanäle genutzt haben“, sagt Helmut Hicken.
Die wirtschaftlichen Folgen der Krise hätten natürlich auch die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung der Bank beeinflusst. „Aufgrund des von der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossenen Verbotes der Dividendenausschüttungen für die Banken durften auch unsere Verbundpartner, insbesondere die DZ Bank AG, an der wir beteiligt sind, keine Ausschüttungen vornehmen. Uns haben dadurch mehr als 150 000 Euro an Einnahmen gefehlt“, stellt Helmut Hicken fest. Dennoch sei die Volksbank Esens gut durch die Coronakrise gekommen.
Im Hinblick auf die aktuelle Lange am Geld- und Kapitalmarkt sowie der anhaltenden Niedrigzinspolitik der EZB haben Vorstand und Aufsichtsrat der Generalversammlung eine Dividende von vier Prozent vorgeschlagen. Im Vorjahr waren es noch sechs Prozent. Die Bankenaufsicht hat den großen Banken in 2020 eine Dividendenausschüttung verboten, um das Eigenkapital der Banken zu stärken. Und auch für 2021 habe sie bereits eine Empfehlung ausgesprochen, bei der Ausschüttung von Gewinnen weiterhin zurückhaltend zu sein.
Die Volksbank Esens habe bis Ende September 2020 warten müssen, ob sie auszahlen darf oder nicht. „Wir musten das anzeigen. Und stünden wir nicht so gut da, hätte man uns auf die Finger geklopft“, sagt Helmut Hicken. Eine Dividende von vier Prozent halten Dirks und Hicken derzeit für sachgerecht. „Dafür haben wir die mögliche Anzahl von Geschäftsanteilen, die ein Mitglied bei uns zeichnen kann, von eins auf drei erhöht“, sagt Jan-Siefke Dirks. So hätten die Mitglieder die Möglichkeit, künftig noch mehr vom Erfolg der Bank zu profitieren.
Die Beschlüsse sind einstimmig gefasst worden. Vom Aufsichtsrat standen die Herren Rainer Vogt und Markus Backenköhler zur Wahl. Beide wurden einstimmig wiedergewählt. Vorstand und Aufsichtsrat wurden einstimmig entlastet. Auch die Förderbilanz der Voksbank Esens könne sich sehen lassen. Aus den Zweckerträgen des VR-Gewinnsparens wurden knapp 29 000 Euro an Vereine und Institutionen verteilt.
Zum laufenden Jahr erklärten die Vorstandsmitglieder, dass die Volksbank Esens gut in das Jahr gestartet sei. Zwar sei die Coronakrise noch nicht vorbei, aber „wir erwarten eine Konjunkturerholung, wenn auch weiterhin unter herausfordernden Bedingungen. Aktuell können wir sogar ein überdurchschnittliches Wachstum beobachten. Die Nachfrage nach Firmen- und Immobilienkrediten hat deutlich zugenommen.“
Als mögliche Ursache sehen die Vorstandsmitglieder der Volksbank Esens die gestiegenen Material- und Baupreise. Einige Kunden hätten Angst, dass es noch teurer werde.
