Esens - Eine alte Schuster-Nähmaschine, ein Herren-Badeanzug aus den 1920er-Jahren – Clara Heidinger stellt jeden Monat ein Objekt aus dem Museum „Leben am Meer“ auf den Sozialen Medien vor. Die 18-Jährige ist seit September FÖJlerin in dem Esenser Museum.
FÖJ steht für Freiwilliges Ökologisches Jahr. Der ökologische Aspekt ist Heidinger wichtig. „Ich wollte schon immer etwas Ökologisches machen und die Leute darüber informieren, weil es zu wenige interessiert“, sagt die 18-Jährige. Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr kam für Clara Heidinger nur in Norddeutschland infrage. „Ich wollte immer in den Norden und ans Meer“, sagt sie.
Von Stuttgart an die Nordseeküste
Heidinger kommt aus Fellbach bei Stuttgart. Jetzt wohnt sie in Esens – sie hat die Wohnung ihres FÖJ-Vorgängers übernommen. Dabei hatte sie sich zunächst auch in Schleswig-Holstein beworben. „Aber auf 48 Stellen gab es um die 1000 Bewerber.“ Die 18-Jährige vermutet, dass wegen der Corona-Pandemie besonders viele junge Menschen Freiwilligendienste im Inland machen wollen. „Das war unser Glück“, sagt Museumsleiterin Anke Kuczinski. Clara Heidinger sei eine große Hilfe für das Museum.
Geöffnet ist die Einrichtung nicht. Denn die Räumlichkeiten sollen saniert und alles umgeräumt werden. „Wir machen eine Inventur und ich fotografiere viele Objekte und pflege die Datenbank“, erzählt Heidinger. Anke Kuczinski freut sich, dass die FÖJlerin flexibel ist, auch wenn der ökologische Teil ihres Freiwilligendienstes noch nicht so ausgeprägt ist. „Ohne sie wären wir noch nicht so weit“, sagt die Museumsleiterin. Clara Heidinger sitzt aber nicht nur in der Inventur. Sie hat bereits bei einem Film mitgearbeitet, stellt das Objekt des Monats vor, hat GPS-Missionen für Familien und kleine Gruppen organisiert und kümmert sich um das Insektenhotel des Museums. Außerdem arbeitet sie an einem eigenen Projekt: eine kleine Sonderausstellung. „Darin soll es um den Anstieg des Meeresspiegels gehen“, erklärt die 18-Jährige. Die Texte seien bereits fertig. Jetzt überlege sie, wie sie das Thema im Museum darstellen kann.
Die Arbeit im Museum gefällt ihr gut. „Wir haben hier einen freundschaftlichen Umgang miteinander, das ist schön so zu arbeiten“, sagt Heidinger. Durch das Fotografieren der Objekte sehe sie zudem viele Dinge, die man sonst nicht so zu sehen bekommt. Es könne nie alles ausgestellt werden, was da ist.
Nach dem FÖJ möchte sie Lehrerin werden
Nun hofft Clara Heidinger, dass das Museum im Frühjahr wieder für Besucher öffnet und sie auch diesen Teil des Freiwilligen Ökologischen Jahres kennenlernen kann.
Nach ihrem Freiwilligendienst möchte Clara Heidinger im Norden bleiben. Aber nicht in Niedersachsen: „Ich möchte in Kiel auf Lehramt studieren“, sagt die 18-Jährige. Ihre Fächerwahl: Mathe und Physik.
Hintergrund
Das Freiwillige Ökologische Jahr ist ein Freiwilligendienst für Jugendliche und junge Erwachsene. Wie das Freiwillige Soziale Jahr geht es in der Regel zwölf Monate und beginnt am 1. August oder 1. September.
In Deutschland gibt es derzeit rund 3000 Einsatzstellen für das FÖJ. Außerdem gibt es etwa 600 Stellen für den Ökologischen Bundesfreiwilligendienst (ÖBFD).
Die Einsatzstellen sind unterschiedlich, wichtig ist der ökologische Aspekt. Möglich sind etwa Stellen auf Bauernhöfen, bei Naturschutzverbänden oder Einrichtungen der Umweltbildung, in Tierpflegestationen oder Naturparkzentren.
Das FÖJ wurde 1998 eingeführt, 2002 wurde das FÖJ-Bundesgesetzt verabschiedet. Menschen im Alter zwischen 16 und 27 Jahren können ein FÖJ absolvieren.
Die FÖJ-Stelle im Museum „Leben am Meer“ in Esens gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren – und ist immer besetzt, sagt Anke Kuczinski. Es gebe immer mehrere Bewerber, aus denen das Team wählen kann. Ein FÖJ in einem Museum sei zudem ungewöhnlich, weil das meistens kulturelle Stellen sind. In Esens stehe aber das Wattenmeer und das Leben in seiner Umgebung im Fokus.
