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Hochzeit in Esens Corona kann Paar nicht daran hindern, zu heiraten

Joachim Linnemann

Esens - Es gibt nur wenige, die der aktuellen Coronakrise gute Seiten abgewinnen können, aber der Esenser Dennis Rodenbäck gehört seit dem 30. April dazu.

Zusammen mit seiner frischvermählten Ehefrau Svea-Marie Linnemann-Klein plante er seit Anfang des Jahres die standesamtliche Trauung im Esenser Rathaus. „Wir erwarten im Juni Nachwuchs und hatten uns auf eine kleine Feier im Plietsch eingestellt und gefreut“, so Rodenbäck.

„Als dann die ersten Einschränkungen bekannt und alle Veranstaltungen um uns herum abgesagt wurden, ahnten wir schon Schlimmes“, so der 35-Jährige weiter.

Und so kam es, wie es kommen musste. Im Ahnensaal der Stadt Esens waren nur die Standesbeamtin und das Hochzeitspaar erlaubt, die Feier wurde abgesagt und selbst auf dem Rathausplatz waren nur verhältnismäßig wenige interessierte Beobachter mit reichlich Abstand zum Winken und Gratulieren anwesend.

Es kam, wie es kommen musste

Was das junge Paar nicht ahnte? Die Familie, die Freunde, die Arbeitskollegen, alle hatten sich auf insgesamt 19 Stationen quer durch Esens und die Gemeinde Holtgast getroffen.

Plakate mit Wünschen, Banner mit Grüßen, Konfettikanonen und Herzluftballons – alle hatten sich ordentlich ins Zeug gelegt, um das Coronavirus in einen Liebes-Virus zu verwandeln.

Los ging es auf dem Rathausplatz durch die Innenstadt in Richtung Umgehungsstraße. Schon nach der ersten Station der erste Fahrerwechsel. „Mein Mann bekam gleich Sekt gereicht und ich alkoholfreie Getränke“, so die Erklärung dafür, dass das Fiat 500 Cabrio jetzt von weiblicher Hand gesteuert wurde.

Unter der Brücke an der Esenser Umgehungsstraße wurde ein kurzer Stopp einlegt. Die Familie hielt ein „Just-Married“-Banner hoch. Anschließend ging es weiter über diverse Nebenstraßen zum Großparkplatz zum Textilhaus Willms, dem Arbeitgeber des Bräutigams, zum Pflegeheim, in dem der Opa der Braut auf dem Balkon wartete, bis zum Schützenplatz Esens. Hier war ordentlich Platz für Freunde und Bekannte.

Es ging weiter Richtung Holtgast, der Heimat der 24-jährigen Svea-Marie. Auf dem Weg dorthin ein kurzer Fischbrötchen-Snack auf einem Parkplatz. Anschließend hatten sich Nachbarn, Freunde und Bekannte entlang der Norder Landstraße im Spalier mit Abstand eingefunden. In Holtgast angekommen, wurde für das Paar vom Cousin ein Lied gesungen. Auch das Hochzeitsauto wurde weiter liebevoll geschmückt für die Rückfahrt des Paares ins gemeinsame Haus an der Auricher Straße. Dort im Garten hingen zahlreiche Herzen, Bettlaken sowie Blumengrüße und Ballons, allesamt von der Hochzeitsgesellschaft organisiert. Ein Ständchen zum Abschluss einer aufregenden Fahrt durch den „Hochzeitstag in Corona-Zeiten“ gab es dann noch als Finale für die beiden Glücklichen.

Fischbrötchen-Snack auf dem Parkplatz

„Es war unglaublich schön. Sogar eine sehr gute Freundin kam für einen kurzen Moment extra aus Frankfurt, um dabei zu sein“, erinnert sich Svea-Marie Rodenbäck an den vielleicht emotionalsten Moment der Tour de Esens.

Und Ehemann Dennis ergänzt: „Ein Hochzeitsehrentanz auf der Straße, ein Rosenspalier mit Polizeischutz, ein wunderschön gesungenes Halleluja einer sehr guten Freundin und selbst eine standesamtliche Trauung, die per Video an die Trauzeugen und an die Familie übertragen wurde, wer hat das schon alles zusammen an seinem Hochzeitstag?“

Der Coronavirus eröffnet auch neue Blickwinkel und fördert und fordert den Zusammenhalt. Die Hochzeitsgäste von Svea-Marie und Dennis Rodenbäck haben es eindrucksvoll bewiesen – unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften und Abstandsregelungen.

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