Esens - „Frauenorte“ ist der Name eines Projekts, durch das starke Frauen in Deutschland und ihr Lebenswerk als historische Vorbilder geehrt werden sollen. Sara Oppenheimer wurde 1844 in Esens als Tochter des Schlachters, Viehhändlers und Lichterziehers David Oppenheimer geboren. Die Mutter Regine, geborene Abrahamssohn, war die Tochter einer Familie aus „günstigen Vermögensumständen“ in Esens.
Nach ihrer Ausbildung in Leipzig wirkte Oppenheimer zehn Jahre lang mit großem Erfolg als Mitglied des Opernensembles am Stadttheater in Frankfurt am Main. Ihre Karriere als Künstlerin von nationalem Ruf ist für eine Frau und Jüdin aus der ostfriesischen Provinz einzigartig. Selbst Richard Wagner bezeugte ihr öffentlich seinen Respekt – trotz seiner antisemitischen Einstellung. Seine Einladung zu einem Engagement am Festspielhaus Bayreuth lehnt Oppenheimer jedoch ab. Sie steht mit Clara Schuman in brieflichem Kontakt. 1874 heiratet Sara Oppenheimer den Mainzer Kaufmann Bernhard Wolf, wird Mutter zweier Kinder und zieht sich von der Opernbühne zurück. Als Konzertsängerin tritt sie weiterhin auf. 1875 gibt sie noch einmal ein Konzert in Esens, das in der Bevölkerung großen Anklang findet. 1906 stirbt sie in Mainz.
Initiative kam aus der ganzen Stadt
Idee und Initiative für den Antrag, als „Frauenort“ anerkannt zu werden, kamen vom Ökumenischen Arbeitskreis Juden und Christen in Esens und deren zweiter Vorsitzenden Gabriele Buisman – in Kooperation mit dem August-Gottschalk-Haus, Jüdisches Museum Esens. Vor allem aber ist es eine Initiative, die aus der Stadt kam und an der sich sehr viele Menschen beteiligen. Die offizielle Eröffnung des „Frauenorts“ soll im Oktober 2021 erfolgen. Bis dahin habe der Esenser Arbeitskreis noch viele Aufgaben für den Landesfrauenrat in Hannover zu erfüllen, so Buisman.
Der Arbeitskreis, bestehend aus 20 Personen, wird mehr zum künftigen „Frauenort“ berichten können, sobald weitere Erkenntnisse zu Saras Oppenheimers Leben und Wirken erforscht sind. Am 29. Oktober, ein Jahr vor der Eröffnung, wird auf dem Marktplatz Esens der offizielle Startschuss zum „Frauenort“ gegeben.
