ESENS - Was ist eigentlich Ehre? Wie unterscheidet sich die muslimische Erziehung von der westlichen Erziehung? Welche Gruppen- und Denkmuster entstehen bei dieser unterschiedlichen Erziehung? Solche und andere Fragen standen im Mittelpunkt einer Diskussion mit Ahmad Mansour, der als Vertreter des Projekts 'heroes – gegen Unterdrückung im Namen der Ehre' aus Berlin angereist war.
Der AWO-Kreisverband hatte ins Mehrgenerationenhaus Esens eingeladen. In Kooperation von Mehrgenerationenhaus, Kreisverband und dem AWO-Projekt 'Familien stärken und stützen' fand diese sehr spannende und informative Veranstaltung statt, zu der Vertreter von den Jugendämtern in Wittmund und Aurich, vom Jobcenter, die Gleichstellungsbeauftragte in Wittmund und weitere Mitarbeiter und Netzwerkpartner der AWO gekommen waren.
'Gleich zu Anfang verdeutlichte Ahmad Mansour, wo die Grundlage von Missverständnissen im Umgang mit gesellschaftlichen Anschauungen liegen kann', so die AWO-Kreisvorsitzende Leonore Determann. 'Während in westlich geprägten Familien bei der Erziehung die Kinder in der Regel zu selbstständigen, alleine zurecht kommenden Personen erzogen werden, steht bei muslimischen Familien der Familienzusammenhalt an erster Stelle.'
Hieraus ergeben sich völlig unterschiedliche Identität gebende Rollenmuster. 'Es ging bei der Veranstaltung nicht darum, über die bessere Erziehung zu streiten, sondern darum, unterschiedliche Sichtweisen darzustellen und zu erklären', so die Projektleiterin von 'Familien stärken und stützen' Christiane Lux-Hartig. Viel zu oft entstehen beim Austausch zwischen westlich geprägten und muslimischen Menschen Missverständnisse, die sich vor dem Hintergrund unterschiedlicher familiärer und gesellschaftlicher Strukturen dann leichter erklären lassen. Auch im Umfeld von Unterdrückung im Namen der Ehre spielen unterschiedliche Erziehungsmethoden die ausschlaggebende Rolle. Während in westlichen Familien Ehre zuteil wird, wenn man zum Beispiel das Bundesverdienstkreuz erhält, hohen Besuch empfängt oder ein Versprechen gibt, bedeutet Ehre in muslimischen Familien häufig eher eine Last. Sie ist etwas, was behütet werden muss und was man bei Fehlverhalten ganz schnell verlieren kann. Ehre wird so zu einem Instrument der Kon-trolle und Überwachung. Die Veranstaltung sollte in einem ersten Schritt Wege aufzeigen, wie Sozialarbeiter, Pädagogen, Polizei oder Jugendamt im Umgang mit Jugendlichen und ihren Familien sinnvoll gegensteuern können, wenn Gewalt oder Unterdrückung im Namen der Ehre auftauchen. Ein ganz klares Fazit war, schon von Kindheit an die Personen in ihrer Selbstständigkeit, ihrem Selbstwertgefühl und in ihrer Kritikfähigkeit zu fördern. Kinder und Jugendliche müssen das Gefühl haben, akzeptiert zu sein, dann kann auch Kritik am eigenen Verhalten angenommen werden. Zum Abschluss der Veranstaltung sprach Leonore Determann Ahmad Mansour Dank für die wertvollen Informationen aus und wünschte sich einen weiteren Besuch des Diplom-Psychologen aus dem Herkunftsland Palästina im nächsten Jahr.
