Esens/Harlingerland - Zu einer „ungewöhnlichen“ Herbstdeich- und Sielschau im Bereich der Deichacht Esens-Harlingerland traf sich die große Deichschaukommission. „Ungewöhnlich deshalb, weil zum einen im seeseitigen Auslauf des Siel- und Schöpfwerks Accumersiel ein akuter Handlungsbedarf festgestellt wurde und zum anderen, weil die großen Baumaßnahmen am Sielwerk Bensersiel sowie im Besonderen in Harlesiel abgeschlossen werden konnten“, erklärte Oberdeichrichter Jan Steffens während der Abschlussbesprechung.

In den vergangenen Tagen habe die Verschlechterung der Bausubstanz der Spundwand im östlichen Auslaufbereich des Siel- und Schöpfwerks Accumersiel massiv zugenommen. Festgestellt wurden größere Versackungen. Bereits zuvor waren Taucher im Einsatz, um die Spundwand zu inspizieren. „Trotz Stabilisierung wurden jetzt erneute Versackungen festgestellt, die dringend behoben werden müssen“, erklärte Steffens. Problem dabei sei, dass die Spundwand im Bereich der geplanten Schleuse liege. „Deshalb und um unnötige Kosten zu vermeiden, haben wir eine grundlegende Erneuerung bisher hinausgeschoben. Jetzt besteht akuter Handlungsbedarf“, betonte der Oberdeichrichter.

Es ist geplant, mittels eines provisorischen Vorbaus die Funktionsfähigkeit bis zum Ende der Sturmflutsaison wieder herzustellen. Dazu erklärte Wittmunds Landrat Holger Heymann: „Bis zur Errichtung des Provisoriums bis spätestens zum 30. November kann dieser Bereich nicht für ,schaufrei‘ erklärt werden.“ Die Fertigstellung ist der Unteren Deichbaubehörde des Landkreises Aurich zwecks Nachschau unverzüglich mitzuteilen. Bis dahin sind ab einer Sturmflutvorhersage von plus 0,75 Meter über dem Mittleren Tidehochwasser (MThw) seitens der Deichacht Esens-Harlingerland Kontrollen vorzunehmen und zu protokollieren. „Im kommenden Jahr ist die Spundwand zu ersetzen. Diese Maßnahme ist bis zum 15. September 2020 abzuschließen“, ergänzte Jan Steffens. Die Kosten bezifferte er auf etwa 300.000 Euro.

Ob die Schleuse jemals gebaut werde, sei nach wie vor offen. Der Mahlbusen liege im Vogelschutzgebiet.

Höhepunkte der Herbstdeich- und Sielschau waren die Fertigstellungen der Arbeiten am Sielwerk Bensersiel – hier wurden die Schlagtore und zuletzt ein Hubtor ausgetauscht – und der neuen Deichquerung in Harlesiel. Das alte Deichschart wurde entfernt und die Zufahrt zum Hafen durch eine Deichrampe neu geregelt, unsere Zeitung berichtete. Restarbeiten bildeten hier der neue Deichverteidigungs- und Teekabfuhrweg. Die Gesamtkosten für die Maßnahme in Harlesiel bezifferte Steffens auf eine knappe Million Euro. Er dankte allen beteiligten Behörden und Firmen für die Zusammenarbeit.

Das Schauergebnis verkündete Landrat Holger Heymann: Drei Dinge seien ihm aufgefallen. 1.) 2018 habe man über Nutrias und den Wolf diskutiert, in diesem Jahr über Schafe ohne Fell. 2.) Die Frauenquote in der Schaukommission wurde um 100 Prozent gesteigert. Und 3.) Die Fachkompetenz des Oberdeichrichters Jan Steffens sei nicht zu toppen.

„Grundsätzlich sind unsere Deiche in einem sehr guten Zustand“, so Heymann. Neben den allgemein üblichen Unterhaltungsarbeiten ist die Wühltier- und Unkrautbekämpfung fortzusetzen. Besonders erwähnenswert ist der diesjährige Befall mit Wühlmäusen. Aus den überflutungsgefährdeten Bereichen der Häfen sind aufschwimmbare Materialien zu entfernen beziehungsweise gegen Vertreiben zu sichern. Die Unterhaltung der Deichringgräben ist fortzusetzen.

An den Steindämmen im Hafen Neuharlingersiel, Ostseite, treten Löcher im Betonverguss auf. „Um Frostsprengungen zu verhindern, sind diese zu verfüllen.“

Es sei ausdrücklich zu bemerken, dass die Deichacht Esens-Harlingerland ihrer Verpflichtung zur Deichunterhaltung nachgekommen ist. „Bis auf die Problematik mit der Spundwand in Accumersiel sind die Deiche und Siele ,schaufrei’“, erklärte Landrat Holger Heymann abschließend.