Esens - Das niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie hat nun nach fast einjähriger Antragstellung die Anerkennung des Vereins Lebensanker Esens für Angebote nach Paragraf 45 a des Sozialgesetzbuches (SGB) XI erteilt. Das erklärt Vereinsvorsitzende Brigitte Mikesky.
Die Anerkennung bezieht sich auf Angebote im Alltag, die dazu beitragen, Pflegepersonen zu entlasten, und helfen Pflegebedürftigen, möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung zu bleiben, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten und ihren Alltag weiterhin möglichst selbstständig bewältigen zu können.
Abrechnung nur durch anerkannte Anbieter
Die vom Lebensanker ohnehin schon seit Jahren angebotenen Alltagsbegleitungen, haushaltsnahen Unterstützungen, Betreuungsgruppen und Entlastungen werden nun bis zu einem Betrag von 125 Euro monatlich von den Pflegekassen übernommen, freut sich Brigitte Mikesky. Dieser sogenannte Entlastungsbetrag darf ausschließlich von anerkannten Anbietern abgerechnet werden. Auch die Verhinderungspflege und das persönliche Budget können für solche „Teilhabeleistungen“ eingesetzt werden.
Examinierte Pflegefachkraft eingestellt
Als Leitungskraft wurde die examinierte Pflegefachkraft Daniela Remmers eingestellt, deren Aufgaben vor allem die Kooperation und Abrechnung der Angebote, aber auch die Beratung von Eltern und Angehörigen ist. Das Team rund um die Vorsitzende Brigitte Mikesky und Daniela Remmers besteht derzeit aus sieben Mitarbeitern, die Personen mit geistigen Beeinträchtigungen und Pflegebedarf ganz individuell entweder einzeln in ihrer Häuslichkeit oder innerhalb von Freizeitaktivitäten (Schwimmen, Kochen, Singen, Ausflüge und mehr) in Gruppen begleiten und aktivieren. Bei Bedarf stehen weitere pädagogische Mitarbeiter und Pflegekräfte zur Verfügung.
Durch die Einstellung der Leitungskraft, kann sich die Vorsitzende nun mehr als bisher den Selbsthilfeaufgaben widmen. Eltern und Angehörige sollen nun zunehmend die Möglichkeit bekommen, sich auszutauschen und von den Erfahrungen anderer profitieren. „Die ersten Monate in der Coronakrise zeigten erneut, wie wichtig ein offenes Ohr war und wie vor allem Eltern von Kindern mit besonderem Betreuungsbedarf, egal welchen Alters, einfach nur überfordert waren. Es verging kaum ein Tag, ohne solche Telefonkontakte“, so die Vorsitzende.
Obwohl es sich in sogenannten Peergroups (Gruppe von Gleichgesinnten) oft besser reden lasse, könnten vorerst bis Ende der Pandemie nur Einzelgespräche geführt werden. Doch darin sieht Brigitte Mikesky eine gute Chance, nach und nach Kleingruppen aufzubauen, die später erweitert beziehungsweise zusammengefügt werden. Eine detaillierte Pflegeberatung und die Schaffung von Zukunftsperspektiven bekommen so einen besonderen Stellenwert.
Sprachrohr für Menschen mit Behinderungen
Gleichfalls möchte der Lebensanker zu einem Sprachrohr für Menschen mit Behinderungen, im speziellen für den Personenkreis mit geistigen Beeinträchtigungen werden. Die bisher nur positiven Erfahrungen mit dem Landkreis Wittmund und seinen Ämtern (besonders Grundsicherungsstelle und Eingliederungshilfe) sollen sowohl jüngeren Familien aber auch älteren Familien und Angehörigen die Schwellenangst nehmen. „Der Verein Lebensanker möchte bei allen Antragstellungen beratend vermitteln und, falls nötig, bis zum Widerspruch, zum Beispiel bei den Pflegekassen, begleiten“, erklärt Brigitte Mikesky. Wer also Hilfe benötige, könne sich an den Lebensanker wenden,
