Esens - Die Pädagogin ist selbst mit Tieren aufgewachsen, darunter auch Hunde. „Später, als Lehrerin im Fach Biologie, habe ich schon immer mal Tiere mitgebracht und festgestellt, dass Tiere auf die Kinder, auch die mit ADHS, beruhigend und motivierend wirken“, sagt die Lehrkraft. „Die Schülerinnen und Schüler haben auch mehr Freude am Unterricht.“ Nach diesen Erkenntnissen hat sich Ann-Kathrin Prinz entschlossen, die Ausbildung mit Lotta zu beginnen.
Der Lehrgang war ausgeschrieben vom Kompetenzzentrum Aurich, zuständig für Lehrerfortbildung im Land Niedersachsen. Ausgeführt wurde der sechsmonatige Lehrgang vom Zentrum für tiergeschützte Therapie und Pädagogik „Helfende Tiere“. Ausbilder war Sebastian Kramer. „Begonnen hat unsere Ausbildung während der Osterferien mit einem Online-Seminar. Darauf folgten ein Praxisseminar mit Hund sowie das Eigenstudium“, sagt Ann-Kathrin Prinz.
Zu den Inhalten der Ausbildung gehören die Themen Entwicklung und Geschichte des Hundes, der Schul- und Lernbegleithund, Ziele für das Mensch-Hund-Team, Aufbau einer hundegestützten Einheit, Hygiene, Allergien und Zoonosen, Stressanzeichen bei Hunden, Lernverhalten und Psychologie des Hundes, Spiele mit und ohne Hund und vieles mehr. „Lotta darf nur zu den Kindern Kontakt haben, deren Eltern die Einverständniserklärung gegeben haben. Bisher wurde diese Erklärung kein einziges Mal abgelehnt“, betont die Lehrerin. „Im Gegenteil: Alle freuen sich, wenn sie Lotta begegnen – auch auf den Fluren der Schule. Es ist faszinierend zu sehen und zu erleben, welch positiven und motivierenden Einfluss der Hund hat.“
Verhalten der Klasse ändert sich
Lotta durfte gleich nach den Osterferien zum ersten Mal mit in den Unterricht. Als klar war, wie viele fünfte Klassen es im Schuljahr 2021/2022 an der Realschule Esens geben würde, hat die Schule bei den Eltern angefragt, ob ihr Kind vielleicht unter Allergien leidet, wer Angst vor Hunden hat oder wer gerne in eine Hundeklasse möchte. „Die Resonanz war so gut, dass wir zweieinhalb Hundeklassen hätten machen können“, sagt Ann-Kathrin Prinz. Ihre 5. Klasse besteht nun aus 20 Schülerinnen und Schülern und dem Begleithunde-Team aus Lotta und der Konrektorin als Klassenlehrerin. Jeweils montags und freitags ist Lotta für drei Stunden im Unterricht dabei.
Die Hündin habe schon einiges im Verhalten der Klasse verändert. Es ist insgesamt viel ruhiger geworden, es herrscht ein angenehmes Lernklima.
Als Ann-Kathrin Prinz und Lotta die 5. Klasse zum Mathematikunterricht betreten, begrüßt die Hündin jedes Kind per Hand-, nein, per Pfotenschlag „Give Five“. Und Lotta merkt beim Rundgang durch die Schulklasse sofort, dass es einem Schüler nicht so gut geht. Die Hündin tröstet.
Lotta dreht das Glücksrad
Im Unterricht geht es dann um Rechenaufgaben in verschiedenen Zahlenräumen, darunter das „Einmaleins“. Es bleibt ruhig in der Klasse. Es folgt kein normales Stellen von Aufgaben und Abfragen von Lösungen. Stattdessen platziert Ann-Kathrin Prinz ein etwa 50 Zentimeter großes Glücksrad mitten in den Klassenraum. „Dann ruft sie ,Lotta‘“, erklärt die zehnjährige Schülerin Lena. Die Hündin nimmt vor dem Glücksrad Platz und bringt es nach dem Befehl „Dreh!“ in Schwung. Mit dem Zahlenfeld 9 kommt das Rad an der Markierung zum Stillstand. Hinter der Ziffer 9 verbirgt sich eine Rechenaufgabe: 9 mal 5. Schülerinnen und Schüler, die die Antwort zu kennen glauben, melden sich. Fast alle Finger schnellen in die Höhe. So macht Mathematik richtig Spaß. Auch Lotta fühlt sich wohl – gibt es doch nach fast jedem Dreh ein kleines Leckerli.
Ähnlich funktioniert das Würfelspiel. Auch hier ist Lotta in ihrem Element und nimmt zudem großen Einfluss auf das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler. „Sie müssen lernen, Rücksicht zu nehmen, auf die Hündin und auf sich selbst. Und das klappt in dieser 5. Klasse gut“, sagt Ann-Kathrin Prinz.
Die Schüler bestätigen das. Die zehnjährige Felicia sagt: „In meiner alten Klasse war es laut. Jetzt ist es schön leise, weil wir ja Rücksicht auf Lotta nehmen müssen. Sie hört viermal besser als wir. Lautstärke geht da gar nicht.“ Und Joke, ebenfalls 10 Jahre, sagt: „Mit Lotta ist es leise. Dadurch ist es sehr entspannt. Das wünsche ich mir in anderen Schulstunden auch.“
